Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 25. Januar 2019

Missachtung der Fachärzte

24. Januar: Schlag für Senatorin: Herz-Professor Kuck darf weiter als Arzt arbeiten

Sehr gut, dass das Berufsverbot für Professor Kuck, das die Senatorin gegen das Votum der Ärztekammer verhängte, keinen Bestand hat. Professor Kuck musste wohl den Kopf für den Asklepios-Konzern hinhalten, von dem man Selbstkritik in dieser Sache bislang nicht hörte. Aber die Verfehlungen, um die es geht – der Missbrauch von persönlichen „Ermächtigungen“ – sind keine formalistischen Kleinigkeiten, wie der Richter andeutete. Die Gelder stammen aus dem Topf der niedergelassenen Ärzte. Mit ihnen sollen Untersuchungen und Behandlungen durch hochqualifizierte Spezialisten bezahlt werden, die von niedergelassenen Fachärzten nicht erbracht werden können. Für die persönlichen Ermächtigungen gelten daher andere Regeln als für eine Praxis oder ein Klinik-MVZ. Eine Praxis in Klinikbesitz darf natürlich dort angestellte Assistenzärzte einsetzen. Aber die ermächtigten Spezialisten erhalten ihre Überweisung ja von Fachärzten, die viel höher qualifiziert sind, als die Assistenzärzte in der Weiterbildung. Die Überweisung gilt daher nur für den persönlich benannten Spezialisten. Wenn statt des Spezialisten Assistenzärzte in der Weiterbildung die Patienten behandeln, ist das nicht nur eine unrechtmäßige Entnahme aus der sowieso schon viel zu niedrigen Kassenärztlichen Gesamtvergütung. Es ist auch eine Missachtung der Fachärzte, die die Überweisung ausstellen.

Dr. med. Matthias Soyka,

Hamburg-Bergedorf

Vernünftiges Gesamtkonzept

24. Januar: Lungenärzte: Diesel-Fahrverbote wissenschaftlich nicht begründet

In einer Stadt wie Hamburg, die vom Hafen lebt, fehlt schlichtweg ein durchdachtes Konzept zu Fahrverboten. Für die Gesundheit ist es gut, wenn in den Stadtteilen Fahrverbote in Kraft treten. Aber wonach werden diese verhängt? Die Anwohner, die am lautesten ihr Leid klagen, werden berücksichtigt? Die Stresemannstraße bekommt ein Verbot, aber die Habichtstraße nicht? Sind dies Menschen zweiter Klasse? Kreuzfahrtschiffe sollen Landstrom nutzen, aber jedes Cargoschiff verbrennt weiter den Kraftstoff? Ein Auto ist giftiger als ein Schiff und ein Kreuzfahrtschiff schädlicher als ein Cargoschiff? Diese Stadt lebt von der Schifffahrt und von und mit Autos und daher sollte dringend ein vernünftiges Gesamtkonzept her und das Befrieden einzelner „Schreihälse“ ein Ende finden.

Jürgen Krause, Hamburg

Mit Emotionen Wähler gewinnen

24. Januar: Grenzen der Grenzwerte. Debatten um die Umwelt dürfen nicht nur emotional geführt werden

Man kann es nur begrüßen, wenn Herr Nießler sich anstelle von Emotionen Sachargumente wünscht. Doch lässt sich ohne Emotionen offenbar keine Politik machen. Brexit, Gelbwesten, Pegida, Trump – es ist immer dasselbe Strickmuster. Mit Emotionen, vor allem mit dem Säen von Angst, gewinnt man als Politiker Wählerstimmen und als NGO Unterstützer, Spenden und staatliche Zuwendungen. Man hätte sich die abgewogene Beurteilung der Aussagen der Lungenfachärzte, wie sie Herr Nießler dargestellt hat, vom Hamburger Umweltsenator gewünscht, doch dieser holte stattdessen die alte APO-Keule heraus und stempelte die Mediziner als Schergen der Industrie ab. So einfach ist es.

Dr. Gunter Alfke, Hamburg

Beschämende Debatte

Die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Feinstaub- und Stickoxid-Grenzwerte erinnert deutlich an die Diskussion über die der Klimaziele: In beiden Fällen stehen sich Politik, Verbände und Wissenschaftler der einen Seite und andere nicht dazu gehörende Wissenschaftler auf der anderen Seite immer unversöhnlicher gegenüber. Ich warte schon darauf, bis der Begriff „Grenzwertleugner“ auftaucht. Für eine seriöse, neutrale Bearbeitung originär wissenschaftlicher Themen ist das beschämend.

Dr. Ing. Friedrich Weinhold, Norderstedt

Mulmiges Gefühl für Fahrradfahrer

24. Januar: Hamburg verteidigt Diesel-Sperrungen und Grenzwerte. Umweltsenator Kerstan wähnt bei Ärzte-Statement ,Konzernlobbyisten‘ am Werk

Wenn das Einatmen der Abgase auf den Straßen angeblich so gefährlich ist, warum werden dann die Fahrradwege bevorzugt auf die stark befahrenen Straßen gelegt? Es ist nicht nur wahnsinnig gefährlich, wenn eine Mutter mit ihrem Kind auf der Fahrbahn fährt, auch jeder andere Fahrradfahrer hat oftmals ein mulmiges Gefühl. Warum werden die Fahrradwege nicht an den großen Straßen auf den oftmals breiten Bürgersteigen belassen und ansonsten alternative Fahrradrouten in den Nebenstraßen geplant. Ideologie sollte nicht die Verkehrsplanung bestimmen.

Dagmar v. Kügelgen

Überfällige Entschuldigung

21. Januar: ,Wir haben Menschen wehgetan‘. Erzbischof Heße gibt Fehler im Schulstreit zu. Künftig will er stärker mit der evangelischen Kirche kooperieren

Es ist angemessen und längst überfällig, dass sich der Erzbischof für das Verhalten des Bistums im Rahmen der Schulschließungen den Betroffenen gegenüber entschuldigt. Der dadurch sowohl bei Katholiken als auch in der Öffentlichkeit entstandene Vertrauensschaden ist jedoch nur sehr schwierig wieder in absehbarer Zeit zu reparieren. Das Erzbistum verhält sich teils wie ein Elefant im Porzellanladen. Dass der Bischof im Interview selbst auch einige offene Fragen in den Raum stellt, kann einerseits eine gesteigerte Dialogbereitschaft signalisieren. Andererseits muss er als Bischof zunächst auch selbst Antworten geben. Konkrete Antworten in Bezug auf die mögliche weitere Existenz und den derzeitigen Spendenstand der Sophienschule und in Harburg sind leider ausgeblieben. Hier muss schleunigst geliefert werden.

Pascal Landahl, Hamburg

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