Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. Januar 2019

Schlecht für den Zusammenhalt

23. Januar: Cristiano Ronaldo: Gut gelaunt zur Verurteilung

Mit das Wertvollste, was ein Mensch besitzt, ist seine Würde. Nicht ohne Grund wird diese daher z. B. durch das Grundgesetz besonders geschützt. Warum nun Herr Ronaldo mit seiner eigenen Würde derartig fahrlässig umgeht und das Klischee des Fußballers, „welcher nichts in der Birne hat“, so eindrucksvoll bedient, weiß sicherlich nur er. Die sogenannten „Fans“, die sich da vor den Karren haben spannen lassen und den Steuerhinterzieher beim Verlassen des Gerichts auch noch hofierten, haben nichts begriffen und können einem eigentlich nur leid tun. Dieser Vorgang ist auch für den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland und Europa mit Sicherheit nicht förderlich.

Dieter Buchholz

Das ist besser als nichts

22. Januar: Was spricht für Tempo 130 auf Autobahnen? Und was dagegen? Die Grünen fordern ein Limit auch aus Klimaschutz-Gründen und attackieren Verkehrsminister Scheuer, der sich klar gegen eine Geschwindigkeitsbegrenzung ausspricht

Ein Tempolimit auf Autobahnen in Deutschland ist längst überfällig. Wer jemals in Frankreich, Spanien oder Dänemark unterwegs war, weiß wie viel entspannter das Fahren auf dortigen Autobahnen ist. Und das ständig wiederholte Argument, es würde der deutschen Autoindustrie schaden, ist auch längst überholt. In allen Ländern mit Tempolimit verkaufen sich auch Autos mit starken Motoren bestens. Den braucht man ja schließlich nicht nur zum Rasen. Und wenn sich durch eine Tempobegrenzung auch noch zwei bis drei Tonnen CO2 einsparen lassen, umso besser. Das ist jedenfalls besser als nichts. Und da es außerdem kaum Kosten verursacht, ist die Verweigerungshaltung des Bundesverkehrsministers absolut nicht nachvollziehbar.

Doris Holzmüller-Meyenbörg

Geblendet von Glitzertürmen

19:/20. Januar: Spektakuläre Pläne für den Hauptbahnhof. Halle soll um 70 Meter verlängert werden. Glasdach über Steintorbrücke. Auch ein Hochhaus will die Bahn bauen

Die DB-Immobilienentwickler haben mal wieder voll zugeschlagen. Was die Fahrgäste am wenigsten brauchen, sind gläserne Konsumtempel mit hoher Aufenthaltsqualität, wie „DB-Station & Services“ ihre Bahnhofsprojekte gerne anpreist, um von den chronisch verspäteten Zügen abzulenken. Die Reisenden wollen einen übersichtlichen Bahnhof mit kurzen Umsteigwegen und pünktliche Züge, aber keine finsteren Treppen zu den Gleisanlagen mit defekten Glühbirnen, die man mühsam zwischen den diversen Fresstempeln suchen muss. Das Bahnhofsjahrhundertprojekt (so der 1. Bürgermeister Tschentscher) wird nicht vor 2030 umgesetzt sein. Zu Zeitplan und Finanzierung wurde nichts gesagt. Ein neues Hochhaus für den Verwaltungswasserkopf der DB AG statt des in der Tat hässlichen, im Volksmund „Keksdose“ genannten, Bürogebäudes am Hachmannplatz nutzt den Fahrgästen reichlich wenig. Fehlanzeige, wenn es um konkrete, kurzfristig umsetzbare Maßnahmen zur Verbreiterung der Bahnsteige und besseren Lenkung der Personenströme geht! Warum denkt keiner daran auf den Fundamenten des nicht mehr genutzten Weltkriegsbunkers am Glockengießerwall einen Bahnsteig für die „Kopfmachenden Züge“ aus Bremen, Lüneburg und Cuxhaven einzurichten? Was ist mit Treppenabgängen von der Brücke Anckelmannstraße, was mit der Schaffung eines Fahrradparkhauses für 2.000 Räder? Wann kommt der versprochene Bahnsteig an Gleis 9, wann wird der Bahnsteig Gleis 13/14 verbreitert, wann der Durchgang von den Fernbahnsteigen zur U-Bahn wiedereröffnet? Die Politiker lassen sich wieder von Glitzertürmen blenden, statt schnell umsetzbare Lösungen für Pendler und Bahnreisende einzufordern.

Michael Jung

Scheinheilige Begründung

22. Januar: Tante Ju – Abschied von einer Legende. Passagierflüge soll es mit dem Oldtimer nicht mehr geben, nur noch zu besonderen Anlässen soll die Maschine starten

Wie scheinheilig ist denn die Begründung mit den Kosten für den Betrieb dieses einmaligen Denkmal! Ich habe meinen Vater und Schwiegervater zu ihren 70. Geburtstagen mit der Ju fliegen lassen und würde es gerne selbst auch noch machen. Warum versucht man nicht mit einem Unterstützer-Verein die fehlenden Geldmittel einzuwerben? Viele Mitarbeiter und Freunde der Ju 52, mich inbegriffen, wären bestimmt bereit den Betrieb zu unterstützen. Dann wäre vielleicht auch die DLH bereit doch etwas beizutragen. Oder man rückt mit den Tatsachen raus, wenn es technische Bedenken gibt.

Thomas Schendel

Programmiertes Verkehrschaos

22. Januar: Einkaufszentrum in HafenCity setzt auf Luxus. Die Edelkaufhäuser Galeries Lafayette und Breuninger sind als Hauptmieter im Gespräch. Markthalle mit Gastronomie ist weitere Option

Wie unrealistisch wird in dieser Stadt eigentlich Verkehr geplant? Die Projektentwickler rechnen im Überseequartier Süd mit 13 Millionen Besuchern pro Jahr. Das sind 250.000 Menschen pro Monat, bzw. 35.700 pro Tag. Und das in einem Luxuseinkaufs- und Erlebniscenter, das an zwei Seiten Wasserlage hat. Außerdem soll es „ ...auch abends zum Hotspot ...“ werden. Vorprogrammiert ist damit doch ein Verkehrschaos, noch schlechtere Luftqualität und große Lärmbelästigung – oder fliegen die Menschen und Luxuswaren in dieses neue Super-Luxus-Center? Die bisherige Verkehrsplanung im Überseequartier ist genauso brillant wie die mit den Reisebussen an der Elbphilharmonie. Aber vielleicht gibt es ja auch hier schon eine „Hütchenlösung“ bei den Verantwortlichen. Und falls das Luxussegment dann, mangels Kaufkraft oder Onlinehandel, nicht genügend Käufer findet und das Quartier langsam verödet – dann wird auch die Luft wieder besser!

Solveig Binroth, HafenCity

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