Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. Januar 2019

Entspannung durch Tempolimit

22. Januar: Was spricht für Tempo 130 auf Autobahnen? Und was dagegen?

Ich bin für ein Tempolimit, es ist einfach ein ruhigeres Fahren. Im Ausland stellt man den Tempomaten ein und genießt die Landschaft auf längeren Fahrten. Kaum wieder in Deutschland geht die Hektik wieder los.

Helmut Schulze, Geesthacht

Trügerische Wolke

21. Januar: Foto auf der Titelseite

Ein herrlicher Wintertag mit Alsterpanorama in Hamburg. Doch was stört im Foto und wird dennoch mit keiner Zeile erwähnt? Eine riesige helle Wolke anscheinend aus dem Nirgendwo. Doch diese Wolke ist von Menschenhand gemacht und trägt erheblich zur Umweltbelastung bei. Ein Kohlekraftwerk mit riesiger Ausstoßleistung ungefähr vier Kilometer entfernt zum Hamburger Rathausplatz zu errichten, ist eine solche politische Fehlentscheidung, dass der normale Bürger nur ohnmächtig den Kopf schütteln kann. Dieses Foto wäre als Erklärung, wie unsere schöne Welt kaputtgemacht wird, ganz besonders geeignet.

Wilfrid Warncke

70 Jahre Frieden in Europa

21. Januar: Europa in der Krise. Freiheit und Wohlstand sind keine Selbstverständlichkeiten

Natürlich hat Herr Haider hundertprozentig Recht, wenn er darauf hinweist, dass Europa endlich enger zusammenstehen sollte. Leider haben wir es in den letzten 50 Jahren nicht geschafft, die Menschen von den Vorzügen dieses Projekts zu überzeugen. Sehr schade, denn nun werden die Konsequenzen sichtbar. Woran hat es gelegen? Eigentlich ist Europa eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, nur niemand hat es gemerkt... Wenn 50 Jahre lang jeden Tag darüber berichtet wird, wie uneffektiv das europäische Parlament ist, wie unbedeutend die Wahlen, wie destruktiv die Politik und dass über so lächerliche Themen wie die Krümmung von Bananen diskutiert wird – ja was soll denn dann dabei rauskommen? Was soll „das Volk“ denn dann denken? Für mich reicht ein einziges Argument, um jegliche – teilweise berechtigte – Kritik wegzuwischen: 70 Jahre Frieden. Haben alle schon vergessen, wie es vorher in Europa zuging?

Michael Piplack

Europa braucht Alternativen

In der Tat befindet sich Europa in der Krise und es ist ebenso richtig, dass man darauf hinweist, dass Einigkeit zu den Qualitäten gehören muss, die es benötigt, wenn Europa als solches überleben will. Was jedoch niemand braucht, sind Unternehmen, die das Rad neu erfinden: Es braucht kein europäisches Facebook und auch kein europäisches Google. Was es wirklich braucht, ist ein neues Bewusstsein, so dass die Menschheit irgendwann lernt, dass sie langfristig nur als Gemeinschaft überleben wird. Das werden, so befürchte ich, weder ich mit meinen 34 Jahren, noch Lars Haider erleben. In Hinblick auf die Geschichte der letzten 300 Jahre mache ich mir jedoch große und meiner Meinung nach berechtigte Hoffnungen, dass auch der Mensch aus seiner Geschichte lernen wird. Man muss daher Amazon, Google, Facebook nicht bekämpfen. Eine alternative Plattform zu entwickeln, die es in mancherlei Hinsicht besser kann, das ist die eigentliche Aufgabe und nicht allem hinterherzulaufen, was schon mal gewesen ist. Das wiederrum hat gerade in der Informationstechnik maßgeblich Unternehmen vernichtet.

Stephan Koch, Nürnberg/München

Zu Lasten unserer Gesundheit

21. Januar: Neues Luxushotel in Alsternähe geplant

Alle reden und schreiben vom Feinstaub und von CO2-Emissionen, aber wir reißen jede Woche ein altes Gebäude ab und bauen neu mit erhöhtem Verkehrsaufkommen und belastender Zementproduktion. Scheinbar ist bei der Niedrigzinspolitik nicht genug Geld zu verdienen. Auch muss unsere Steuerpolitik unterstützend wirken, alles zu Lasten der Umwelt und unserer Gesundheit. Politik, wo bleibt deine Verantwortung für deine Bürger?

Jürgen Meyer, Norderstedt

Stadtteilschule hat viele Vorteile

19./20. Januar: CDU: Widerstand gegen Trepolls G9-Idee

Als Argument gegen die Rückkehr zu G9 wird immer wieder nahezu panisch vorgetragen, Stadtteilschulen würden „zu Resteschulen schrumpfen“ wenn ihnen der „Vorteil“ des längeren Weges zum Abitur genommen würde. Ich kann dies immer wieder nur mit Kopfschütteln betrachten, hat denn die Stadtteilschule wirklich nicht mehr in die Waagschale zu werfen als dieses eine zusätzliche Jahr? Zu meiner Schulzeit (Abitur 1983) standen kooperative und integrierte Gesamtschulen und Gymnasien (beide neunjährig) gleichwertig nebeneinander: Beide mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Gewichtungen, die Gesamtschule lebens- und praxisorientiert und vorrangig auf MSA und Berufsausbildung ausgerichtet, das Gymnasium reichlich theorielastig und primär auf Abitur und Studium vorbereitend. An beiden Schulformen waren alle Schulabschlüsse möglich und es gab eine große Durchlässigkeit. Ich selber bin zur Oberstufe vom Gymnasium auf eine tolle Gesamtschule gewechselt und habe dort letztlich mein Abitur gemacht. Die Stadtteilschule macht sich selber klein, wenn sie ihre Qualität in erster Linie auf das Alleinstellungsmerkmal „13. Schuljahr“ reduziert – sie sollte sich dringend auf Inhalte und Stärken des Stadtteilschul-Angebotes besinnen. Hamburger Eltern werden ihre Kinder auch nach Rückkehr zu G9 gerne an den Stadtteilschulen anmelden, wenn deren Inhalte und Angebote attraktiv sind. Und was das Argument der mit der Rückkehr zu G9 verbundenen drohenden „organisatorischen Großbaustelle“ betrifft: Andere Bundesländer haben es längst vorgemacht – sollte Hamburg dies nicht auch hinbekommen?

Jutta Sembritzki

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