Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. Januar 2019

Probleme mit der Stimme?

16. Januar: Der gute Ton der Elbphilharmonie. Das Konzert von Jonas Kaufmann löst eine Debatte über die Akustik und das Zuschauerverhalten aus

Vielleicht lag es auch an der Stimme? Als Abonnent der Elbphilharmonie kann ich nur sagen, dass bei jeder Veranstaltung, die ich bisher besucht habe, alles sehr gut zu verstehen war. Sei es Jeanne d’Arc mit der Sprechstimme Moritz Bleibtreus oder Nina Stemme mit Wagner. Die Konzerte mit der herausragenden Akustik vereinnahmen mich total. Da ich Jonas Kaufmann in internationalen Konzerten erleben durfte, war ich in letzter Zeit enttäuscht, wie verhalten seine Stimme geworden ist. Dies scheint wohl in der Rundum-Vermarktung seines Managements zu liegen. Das Sinfonieorchester Basel hat anscheinend nicht die Qualität wie beispielsweise das Symphony Orchestra Chicago oder die SWR Philharmoniker. Wie Mahler schon sagte: Fortissimo at last.

Gerhard Rohard

Angebote sorgfältig auswählen

Auch meine Frau und ich waren an diesem Abend in der Elbphilharmonie, 13E-R2, wie auch zu zahlreichen Anlässen zuvor. Die Diskussion um diesen Abend kann man auch auf den Punkt bringen, und nicht nur politisch korrekt diskutieren: Das Lied der Erde eignet sich eben nicht für einen solchen Konzertsaal, insbesondere, wenn das Orchester zu dominant spielt, also zu laut, und der Tenor nicht gegen das Orchesters ansingt, bzw. ansingen kann. Das hätte bei einer Probe auffallen können. Das Herr Kaufmann sich in seiner Ehre gekränkt fühlt, ist in erster Linie sein Problem. Vorschläge, wie der Einbau eines Karussells, sind aberwitzig. Die Intendanz bzw. Konzertveranstalter beweisen, das andere Stücke, andere Künstler und Orchester sehr wohl mit diesem Saal umgehen können. Daher unser Appell: Seien Sie sorgfältig bei der Auswahl des Angebots und machen sie bitte weiter. Nur soviel zum Benehmen des Publikums: Fehlenden Anstand und Erziehung gibt es nicht nur bei der jungen Generation.

Christa und Ralf Hübner

Konzert ohne Balance

Ich bin sehr verwundert über die veröffentlichen Leserbriefe zu Jonas Kaufmann in der Elbphilharmonie. Das Konzert habe ich selbst miterlebt. Mein Platz lag in Block M, vis-à-vis des Orchesters, eigentlich ein akustisch unproblematischer Platz. Selbst dort war Jonas Kaufmann nicht zu hören, geschweige denn zu verstehen. Ich habe schon mehrfach Konzerte mit Gesangssolisten in der Elbphilharmonie erlebt: Cecilia Bartoli, Joyce Di Donato, Magdalena Kocena, Anna Prohaska. Alle einwandfrei und von bester Qualität. Anstatt nun die Elbphilharmonie und ihre Akustik zu kritisieren, muss zu ihrer Ehrenrettung gesagt werden: Jonas Kaufmann war schlichtweg höchstens Mittelmaß. Er wurde von einem schlechten Orchester komplett zugedeckt. Der Dirigent war nicht in der Lage, den Klang zu bändigen. Sänger und Orchester waren überhaupt nicht ausbalanciert. Es ist unfair, wenn die schlechte Leistung von Jonas Kaufmann und dem begleitenden Orchester nun das Image der Elbphilharmonie beschädigen.

Susanne Weimann, Nienstedten

Gebt den Briten eine Chance

16. Januar: Mayday – Brexit-Deal abgelehnt. Unterhaus stimmt mit großer Mehrheit gegen EU-Abkommen über geordneten Austritt

Ich bin der Meinung, dass sich nicht die EU bewegen muss, sondern das Frau May und das englische Parlament ein zweites Referendum zulassen müssen. Das Volk wurde von Anti-Europäern wie Boris Johnson und Co. bewusst belogen und getäuscht. Diesen Herrschaften darf man nicht zum Ziel verhelfen. Frau May oder Nachfolger muss gezwungen werden, den Weg zu einem zweiten Referendum frei zu machen. Viele Gerichtsurteile können durch höhere Instanzen aufgehoben werden. Warum gibt man der britischen Bevölkerung nicht die Chance, eine eventuell falsche Entscheidung zu revidieren?

Veit Ringel, Hamburg

Leere Versprechen für Bramfeld?

16. Januar: U-Bahn-Anschluss für Arenen und das UKE: So soll die neue U 5 fahren

Bürgermeister Tschentscher hat recht: Bei dem Projekt U 5 handelt es sich um ein Jahrhundertbauwerk – aber im negativen Sinn. Seit Ewigkeiten wird den Bürgern von Bramfeld, Lurup und Steilshoop schon versprochen, dass sie baldmöglichst an das Hamburger Schienennetz angebunden werden, aber außer zahlreichen Planungsluftnummern und viel Gerede ist nicht viel passiert. Wenn der SPD-Senat nach Einstellung der Straßenbahn Anfang der 1970er-Jahre nicht damit begonnen hätte, im Akkord die Straßenbahnschienen zu entfernen, hätte man an die Wiederbelebung der Straßenbahn, mit der viele andere Großstädte nur beste Erfahrungen gemacht haben, denken und diese realisieren können. Dann hätten die vernachlässigten Stadtteile schon längst einen Bahnanschluss und wären nicht auf das störanfällige Bussystem angewiesen. Die jetzigen Planungen zur U 5 gehen zwar in die richtige Richtung, aber sie dauern schon viel zu lange, die Bahn hätte schon längst fahren müssen. Durch die bisherigen Erfahrungen vorbelastet, glaube ich nicht, dass die erste Bahn der U 5 vor 2035 fährt. Man kann nur hoffen, dass sich die Hamburger bei der nächsten Bürgerschaftswahl an dieses Desaster erinnern.

Helmut Jung, Hamburg

Retter riskieren ihr Leben

16. Januar: Warum riskieren so viele Skifahrer ihr Leben? Der Chef des Skilehrerverbands, Peter Hennekes, über den Leichtsinn und das ,unfassbar schöne Gefühl‘, abseits der Pisten zu fahren

Mit Empörung lese ich den Beitrag über das „unfassbar schöne Gefühl“ abseits der Skipisten zu fahren. Denken diese rücksichtslosen Skifahrer überhaupt einmal darüber nach, dass viele Retter durch dieses Verhalten ihr Leben riskieren? Aber dies entspricht der derzeitigen Lebenseinstellung „alles ist machbar – alles ist erlaubt“.

Hannelore Moldenhauer

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