Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. Januar 2019

Hoffnungslos in Verzug

12./13. Januar: Stadt der einstürzenden Neubauten

Endlich! Auf diesen Beitrag habe ich – spätestens seit den Plänen zur Gänsemarktpassage – gewartet. Besser hätte auch der Zukunftsrat Hamburg „Nachhaltigkeit“ nicht erläutern können. Hinter dem Investoren-getriebenen Abriss- und Neubauwahn steckt allerdings auch unser ungebrochenes Wachstumsparadigma, das soziale und Umweltkosten ausklammert. Da wundert es auch nicht, dass Hamburg mit dem Klimaschutz einfach nicht vorankommt – die Zementproduktion ist einer der großen CO2-Verursacher. Der Senat hat sich 2017 zur Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele der UNO („Agenda 2030“) bekannt, ist aber mit den angekündigten Maßnahmen hoffnungslos in Verzug. Das für 2018 versprochene Nachhaltigkeits-Monitoring mit Zielen und Indikatoren könnte uns endlich konkrete Hinweise geben, wo auch über Abriss und Neubau hinaus Handlungsbedarf in Sachen Nachhaltigkeit besteht, wie groß er ist und welcher Art.

Jochen Menzel

Publikumsverdummung

12./13. Januar: Wer schaltet den Krimi-und Katastrophenwahn ab? Wir brauchen dringend eine Reformagenda für das öffentlich-rechtliche Fernsehen

Die Einfalt und Stupidität des aktuellen Wochenendprogramms im Öffentlich-Rechtlichen ist aktuell wieder einmal kaum zu überbieten. Hajo Schumacher spricht mir mit seiner Kritik aus der Seele. Es ist nicht auszuhalten, diese ständigen seichten Shows, Krimis, Quizsendungen und am besten gleich noch im Doppelpack mit Jörg Pilawa im Dritten, wie am 12. Januar. Bei interessanten Sportübertragungen (Handball u. Wintersport), unterbricht man in Abständen mit nervtötenden Werbeeinblendungen. Bildungsangebote und anspruchsvolle Unterhaltung erschöpfen sich, ein wenig zugespitzt, im Doppelpack Mare und mit Büttenwarder. Was bleibt, ist das Ausschalten, um in aller Gemütlichkeit zu Lesen, miteinander zu Reden und Spielen, das bietet viele Vorteile. Dennoch, ich empfinde die Programmgestaltung für das Geld, was wir alle aufbringen, zunehmend als dreiste Zumutung und Publikumsverdummung. Wann kommt das endlich bei den Machern an?

Volker Deising

Negative Begleiterscheinungen

11. Januar:Wie die Elbphilharmonie die Stadt verändert

Ich finde die Elbphilharmonie großartig. Trotzdem überwiegen für mich noch die negativen Begleiterscheinungen: Aufgrund der hohen Kartennachfrage muss ich sehr weit im voraus buchen. Kurzfristige Besuche der Philharmoniker oder des NDR Elbphilharmonie Orchesters sind praktisch nicht mehr möglich (ich weiche mittlerweile regelmäßig nach Lübeck aus, wo das NDR Orchester viele seiner Progamme ebenfalls anbietet). Dazu kommt die deutliche Verteuerung der Karten bei Gastveranstaltungen: Selbst bei weniger prominenten Künstlern/Orchestern liegen die Preise (von der untersten Preisgruppe abgesehen) oft im dreistelligen Bereich. Ich hoffe, dass hier in den kommenden Jahren eine Normalisierung eintritt, über die sich vor allem Konzertgänger in Hamburg und Umgebung freuen würden.

Jan Schlotthus, Oststeinbek

Zu viel Pflege für Grünflächen

10. Januar: Das große Amselsterben in Hamburg. Gärten in der Stadt leiden unter Vogelarmut. Weniger Tiere gezählt als im Bundesdurchschnitt. Woran das liegt

Vielleicht kann der NABU ja mal dem radikalen „Kaputtpflegen“ der Grünstreifen und -anlagen im gesamten Stadtgebiet Aufmerksamkeit schenken? 24 Monate im Jahr (da so gut wie kein Schnee) wird brachial jegliches „Unkraut“ mit Fadenschneidern, Gebläse und Absaugen bearbeitet. Folge ist die Vernichtung von Wildpflanzen, jeglichen Mikroorganismen und Kleinstlebewesen, die Lebensgrundlage für unsere Insekten und Schmetterlinge sind. Auch während der Vogelbrutzeiten wird gnadenlos in die Büsche reingehalten. Mutterboden wird vernichtet, Beete erscheinen regelrecht glatt und blank geputzt, Bodendecker gibt’s kaum noch, Kulturpflanzen und Hecken gehen ein, Baumwurzeln liegen frei. Der Löwenzahn in seinem strahlenden Gelb wird ganz schnell weggefetzt. Vogelgezwitscher, Schmetterlinge? Bei mir schon so gut wie gar nicht mehr.

Antje May

Klare Positionen beziehen

11. Januar: Dürfen Radfahrer nicht mehr überholt werden? Rechtsprechung fordert 1,50 Meter Abstand

Der Platz auf Hamburgs Straßen ist begrenzt. Radverkehrsförderung, wie sie unisono nicht nur vom Senat, sondern verbal auch von der CDU (Dennis Thering) beansprucht wird, muss daher zu Konflikten führen, die ausgetragen werden müssen. Die Parteien müssen sich hier klar positionieren. Ein „Keinem-weh-tun“ bringt nur faule Kompromisse: Wer sich ein wenig mit Verkehrsplanung befasst, wird schnell auf viele solcher Kompromisse, stoßen. Die Forderung der CDU, Radfahrer von der Straße auf Hochbordradwege zu schieben, hilft übrigens auch nicht, sicheres und zügiges Radfahren zu ermöglichen. Das erhöhte Unfallrisiko bei dieser Verkehrsführung durch ein- und ausfahrende und abbiegende Autos ist hinlänglich bekannt.

Wolfgang Thoss

© Hamburger Abendblatt 2019 – Alle Rechte vorbehalten.