Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 11. Januar 2019

Autofahrer werden ausgebremst

10. Januar: Hamburg lässt es blitzen: So viele Raser wie noch nie erwischt. Immer mehr Radarfallen in der Stadt. Die Polizei macht ernst

Mit dem Begriff „Raser“ geht das Abendblatt seit einiger Zeit etwas inflationär um. Was ist denn ein Raser? Wer zwischen 60 und 65 km/h fährt, rast nicht, sondern will nur zügig vorankommen. Ansonsten ist es nahezu unmöglich, eine Grüne Welle zu erreichen. Es ist gerade gut 15 Jahre her, als ein Hamburger Innensenator einige Blitzer abbauen ließ, weil sie nur der städtischen Geldvermehrung dienten. Ich rede hier nicht von Tempo-30-Zonen vor Schulen und Krankenhäusern, sondern dem schikanösen Abzocken. Wo früher auf den Stadtringen oder Bundesstraßen 60 km/h die Regel war, sind auch hier die Autofahrer ohne Not ausgebremst worden. Hamburg wird nie eine Fahrradstadt werden, dafür ist der eigene Pkw zu notwendig.

Bernd Glodek, Hamburg-Schnelsen

Führerscheinentzug bei Rot

Die Einhaltung von Geschwindigkeiten gehört zu den Grundregeln des Verkehrs. Es steht außer Frage, dass vor Schulen oder Senioreneinrichtungen besondere Vorsicht nötig ist. Wer bei Rot noch eine Kreuzung überfährt, soll mit Recht seinen Führerschein abgeben – da sind wir uns doch alle einig. Die neuen laserbasierten Blitzer helfen sicherlich, Raser in ihre Schranken zu weisen, besonders dort, wie auf dem Friedrich-Ebert-Damm, wenn eine zweispurige Fahrbahn mit separatem Fahrradweg geradezu einlädt, nicht aufzupassen. Die Rechtfertigung für noch mehr Blitzer mit der Sicherheit auf Hamburgs Straßen zu begründen, mag plausibel klingen, aber über 20 Millionen Verwarnungs- oder Bußgelder in 2018 sind auch ein starkes Argument und zeigen, dass Politiker immer nur unser Bestes wollen:

unser Geld. Honi soit qui mal y pense.

Dietmar Johnen-Kluge

Mit Basecap im Whirlpool

10. Januar: Schluss mit Nacktbaden im Meridian. Außerhalb von Saunen und Duschen gilt bald ein FKK-Verbot

Die neue Spießigkeit lässt grüßen. Ich saune nackt, ich dusche nackt, aber im Pool soll ich mir plötzlich etwas überziehen? Das ist in meinen Augen grotesk. Wenn jüngere Leuten sich tatsächlich an der Nacktheit stören sollten, dann wird es wohl bald auch Pflicht, im Whirlpool Basecap und Badeshort anzubehalten. Letzteres habe ich bereits im Meridian erlebt, als eine amerikanische Boygroup zu Gast war.

Volker Meinhard

Den Rechtsstaat nicht verstanden?

8. Januar: BUND klagt gegen Ausbaupläne des Hamburger Flughafens

In jüngster Vergangenheit häufen sich die Meinungen, die Kritik an der Klagefreudigkeit der Verbände üben. Teils mit moderatem, teils mit unverschämten Ton, so dass sich die Frage aufdrängt, ob diejenigen das System Rechtsstaat wirklich verstanden haben. Wenn ein Verband gegen Verwaltungs- oder Regierungsentscheidungen klagt und vor Gericht Recht bekommt mit seiner Klage, dann ist das nur ein Zeichen dafür, dass die demokratisch gewählte Regierung oder die Verwaltung zuvor mit einer Entscheidung gegen geltendes Recht verstoßen haben. Der ständig wiederholte Vorwurf, die Verbände wären nicht demokratisch legitimiert, geht dabei ins Leere. Auch eine Regierung, die mit 90prozentiger Zustimmung gewählt wäre, hätte damit noch nicht die Legitimation erworben, gegen geltendes Recht zu verstoßen und unterläge ebenso vor Gericht. Zur demokratischen Legitimierung von Verbänden und deren Klagerecht: Das ist von gewählten Regierungen so eingerichtet und die Verbände nehmen dieses Recht in Anspruch. Mehr demokratische Legitimation geht nicht. Es wäre schön, wenn diese Selbstverständlichkeiten bei allen Bürgern ankommen würden. Mehrheit heißt nicht automatisch, dass diese im Recht ist.

Andreas Kaluzny

Die Krise ist selbst gemacht

5./6. Januar: Krise im Einzelhandel erreicht Innenstadt. Flächen stehen lange leer

Die „Krise im Einzelhandel“ ist teilweise aber auch hausgemacht. Clas Ohlsen zum Beispiel hat bei der Eröffnung der Filiale am Jungfernstieg nicht bedacht, dass man für viele Produkte ein Auto zum Transport braucht. Und dass dort keine Parkplätze sind. Überdies kommen die allermeisten Hamburger, wie ich selbst, mit Bus oder Bahn in die Stadt. Wer fährt schon freiwillig mit seinem Auto in die City? Somit kauft man dort überwiegend Produkte, die man selbst ohne Mühe tragen kann. Wer kauft in der City schon einen Staubsauger, Rasenmäher oder eine Bohrmaschine? Tom Tailor und Esprit bieten seit Jahren Waren nach dem Motto: „Mehr Masse als Klasse“ an. Da fühle ich mich als Kunde schon von der Produktvielfalt erschlagen. Als ich online eine Jacke entdeckte, die um 40 Prozent reduziert war, fuhr ich am nächsten Tag in die Stadt zur entsprechenden Filiale. An der Kasse kam dann die Überraschung: Die Jacke war nur im Onlineshop reduziert, nicht in der Filiale. Also bestellte ich sie online. So kann ein Unternehmen seine Filialen auch kaputt machen.

Christian Papageorgiou

Einzigartige Geschäfte fehlen

Dass die Umsatzzahlen gerade auch in der City zurückgehen, hat sicher mehrere Ursachen: Zum einen entdecken immer mehr Leute die Nachhaltigkeit, zum anderen fehlt einfach die Vielfalt, die Originalität, es sind fast nur Ketten in der Innenstadt, alle haben das Gleiche. Wo bleibt da der Reiz? Es gibt immer weniger Qualität auch in höheren Preissegmenten, da sind die Anreize einfach nicht groß und von Service kann man in den meisten Geschäften auch nicht mehr sprechen. Leider können sich kleine, individuell geführte Geschäfte die Mieten in der City gar nicht leisten, so wird die Verödung der Innenstadt weiter voranschreiten.

Elvira Kleinschmidt