Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 9. Januar 2019

Objektiver Blick auf die Stadtbahn

7. Januar: Hamburger Verkehrsexpertin: ,Stadtbahn noch mal prüfen‘

Danke für das Interview mit der Verkehrsforscherin Philine Gaffron. Endlich einmal eine objektive Stellungnahme zur Frage einer Stadtbahn in Hamburg. Eine Entspannung der Verkehrssituation hätte Hamburg bereits 2010 herbeiführen können, als die Pläne für eine Stadtbahn bereits konkrete Form angenommen hatten und der erste Spatenstich kurz bevorstand. Stattdessen schwenkte man um auf ein mäßig wirksames Busbeschleunigungsprogramm und den Bau teurer U-Bahnstrecken, die – wenn überhaupt – erst in Jahrzehnten Entspannung bringen werden. Abgesehen von den höheren Kosten für deren Bau wird nie von den laufenden Kosten für die Infrastruktur einer unterirdischen Streckenführung gesprochen (ständige Beleuchtung, Rolltreppen, Aufzüge, Sicherungsanlagen), die bei einer Stadtbahn entfallen. Jedes Verkehrssystem hat sein bestimmtes Segment. Dieses wird in Hamburg im Gegensatz zu zahlreichen modernen anderen Städten leider nicht gesehen.

Ingo Mecker

Mit der Stadtbahn in die City

Ich kenne keinen Stadt- bzw. Verkehrsplaner, der die politische Entscheidung gegen die Stadtbahn für richtig hielt. Der Senat setzt lieber auf das Busbeschleunigungsprogramm und die Aufnahme der Planungen zur Einführung der U5. Hamburg hat es in über 50 Jahren nicht geschafft, Steilshoop und Osdorfer Born an ein attraktives schienengebundenes Netz anzuschließen. Mit den Stadtbahnplanungen im Jahr 2000 wäre vermutlich in diesem Jahr schon ein regulärer Stadtbahnbetrieb von Bramfeld bzw. Steilshoop in die City realisiert.

Bradley Niemann, Reinbek

Rudern ohne Bevormundung

7. Januar: Hamburgs Frauenclubs sollen künftig auch Männer aufnehmen

Der Sache der Frauen ist ganz bestimmt nicht gedient, wenn einem Ruderverein nur für Frauen durch das Steuerrecht die Existenzgrundlage faktisch entzogen wird. Im Gegenteil: Wer weiß, wie lang die Liste der Frauen ist, die gerne im Hamburger Ruderinnen Club rudern möchten, aber wegen fehlender Ausbildungskapazitäten, (die übrigens rein ehrenamtlich bereitgestellt werden,) auf das nächste Jahr vertröstet werden müssen, der kann ermessen, wie groß die faktische Nachfrage nach einem reinen Frauensportverein ist. Die Gründe dafür dürften vielfältig sein. Einer ist bestimmt der, dass die Frauen gerne einen Raum haben, in dem sie ohne männliche Beurteilung und Bevormundung ihre sportlichen, (boots-)handwerklichen und verwaltungstechnischen Fähigkeiten entfalten können. Warum sollte ihnen diese Möglichkeit genommen werden, zugunsten der Erfüllung eines bloßen „sozialen Konstrukts“ der Gleichberechtigung der Geschlechter? Die tatsächliche Gleichberechtigung kommt unter die Räder, wenn Vereine nur noch in gemischtgeschlechtlicher Form als „gemeinnützig“ angesehen werden. Unter solchen Vorzeichen wird die Debatte um Geschlechtergerechtigkeit ideologisch.

Doris Leifermann

Schutzraum für Ruderinnen

Warum muss der Staat in die Vereinsautonomie eingreifen? Warum schafft der Staat die Möglichkeit, sich in einen Verein einzuklagen, der mich nicht haben will? Wenn Menschen gleicher Interessen, Neigungen, religiöser oder auch geschlechtlicher Zugehörigkeit unter sich bleiben möchten, so ist doch damit keine Diskriminierung verbunden. Nein, sie möchten einfach nur unter sich sein. Bei der Vielfalt der vorhandenen Vereine habe ich alle Möglichkeiten, einen Verein nach meinen Bedürfnissen zu finden. Die Hamburger Ruderinnen schlossen sich 1925 zusammen, um sich vor der Bevormundung durch die Männer zu schützen. In den vergangenen fast 100 Jahren mag sich bei der Gleichstellung der Frauen vieles verbessert haben, die Benachteiligung von Frauen ist leider nach wie vor gesellschaftspolitische Realität. Ich kann es als Mitglied eines ehemaligen Herren-Ruder-Clubs aus eigener Anschauung sehr gut nachvollziehen, dass unsere Frauen sich ihren Schutzraum erhalten wollen.

Volker Seemann

Zurück an die Arbeit

7. Januar: Olaf Scholz will Kanzler werden. Warum sich Hamburgs ehemaliger Bürgermeister das schwerste Amt in Deutschland zutraut

Alles wie gehabt: Die handelnden Personen der GroKo-Regierung beschäftigen sich lieber mit sich selbst statt überfällige Zukunftsaufgaben endlich in Angriff zu nehmen. Bei aller Wertschätzung: Hat Olaf Scholz nicht Wichtigeres zu tun als öffentlich darzulegen, dass er sich das Kanzleramt zutrauen würde? Die SPD ist derzeit von einer Regierungsmehrheit in etwa so weit entfernt wie der HSV von der Champions League und befindet sich seit der Bildung der GroKo im permanenten Sinkflug Richtung Zehn-Prozent-Marke. Da nicht einmal sicher ist, ob Scholz die nötige Unterstützung bei einer Urwahl in der eigenen Partei erhalten würde, sollten derartige öffentliche Personalmanöver besser unterbleiben. Da nützen auch keine Sympathiewerte aus der Bevölkerung, denn die Kanzlerwahl ist weiterhin Sache des Bundestages. Fazit: Zurück ins Finanzministerium und an die Arbeit!

Michael Deil, Bargteheide

Auto für Gutverdiener

7. Januar: ,Die Affäre Borgward‘: Aufstieg und Fall einer Legende

In seiner Vorschau auf das Fernseh-Dokumentationsdrama über Carl F.W. Borgward in der ARD schreibt Ihr Autor „... das Kultmodell Isabella war für viele das erste eigene Auto.“ Die Isabella war ein Wagen der luxuriösen gehobenen Mittelklasse für ausgesprochene Gutverdiener, das Traumauto meiner Kindheit und Jugend in den Fünfzigern und Sechzigern. Der Verfasser bezieht sich wohl eher auf Autos der Marken „Goliath“ und vor allem „Lloyd“, die ebenfalls von Borgward in Bremen produziert wurden.

Lüder Osmers, Schenefeld