Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 7. Januar 2019

Datenerfassung ohne Tabus

5./6. Januar: Hackerangriff auf Politiker und TV-Stars: Spur führt nach Hamburg

Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Geht’s um die Daten der Bürger, gibt es keine Tabus. Sind Politiker betroffen, gibt es einen riesigen Aufschrei. Denn wir haben uns schon lange an Gesichtserkennung, Vorratsdaten- und Fluggastdatenspeicherung, Videoüberwachung sowie Kennzeichenscanner gewöhnen müssen. Natürlich nur zur Terrorabwehr. Intelligente Politiker würden sämtliche, völlig überflüssige Social-Media-Accounts wie insbesondere Facebook, WhatsApp, Twitter, Instagram oder Cloud nicht nutzen, wären sie sich des Gefahrenpotenzials bewusst, welches die enthemmte Freigabe persönlicher Daten birgt. Dabei existieren schon seit Jahren schützende Alternativsysteme.

Stefan Bick

Orwell lässt grüßen

„Angriff auf die Demokratie“ rufen sie nun, aber war es nicht eher eine Warnung für die Naiven, die mit ihrem Gezwitscher und Geposte, ihrem Onlineshopping und Onlinebanking im Ernst geglaubt haben, dieser Staat könne sie oder sich selbst schützen? Alle anderen, die ihren Orwell und Eggers gelesen haben, werden nur müde mit den Schultern gezuckt haben: Das Monstrum ist doch längst entglitten.

Mone Beeck, Hamburg

Produkte sind online billiger

5./6. Januar: Krise im Einzelhandel erreicht Innenstadt. Flächen stehen lange leer. Grüne wollen ,faire Mieten‘. Citymanagerin fordert bessere ,Baustellenkoordination‘

Die Krise des stationären Einzelhandels hat in meinen Augen zwei Gründe: Erstens tatsächlich die Höhe der aufgerufenen Mieten im Innenstadt Bereich. Hier sollte sich der sozialdemokratisch geführte Senat vielleicht mal an den Namen seiner Partei erinnern, um dann für den Handel Gesetze zu schaffen, die einen Handel, zu sozialverträglichen Bedingungen möglich macht. Zum anderen ist es ein von den Händlern hausgemachtes Problem. Solange Online-Produkte günstiger angeboten werden als im eigenen Laden, werden Kunden die gleiche Ware auch zukünftig dort kaufen wo sie günstiger ist, nämlich im Internet. Bestes Beispiel: Schuhe. Ich suche mir gerne einen Schuh online aus und reserviere ihn in der Filiale, nur wenn ich dann in der Filiale erst um den Onlinepreis bitten muss, dann kaufe ich halt nächstes mal gleich online.

Jürgen Krause, Hamburg

Fehlt es an Parkplätzen?

Als ich die Straßennamen Große Bleichen, Poststraße, Gerhofstraße und Hohe Bleichen las, fiel mir folgendes auf: Das sind alles Straßen, die mit Millionenaufwand „saniert“ worden sind. Praktisch sind dabei jedoch fast alle Parkplätze weggefallen. Kann es sein, dass auch die Vertreibung der Autofahrer den Geschäften das Genick gebrochen hat? In der Osterstraße schließen nach der Umgestaltung auch immer mehr alteingesessene Geschäfte. In der Eppendorfer Landstraße versuchen die Geschäftsinhaber das Schlimmste noch zu verhindern. Alte, vermeintlich unattraktive Lagen wie der Erdkampsweg in Fuhlsbüttel oder die Frohmestraße in Schnelsen laufen super. Vielleicht sind Parkplätze doch wichtiger, als es rot-grün im Rathaus glaubt...

Lena Moor, Hamburg

Überflüssige Reinigung

4. Januar: Gold für den Alten Schweden. Guerilla-Kunst begeistert die Menschen – zu Recht

Der Kommentar von Herrn Iken und die sonstige Berichtererstattung zu dem Unglück hat meine uneingeschränkte Unterstützung. Vielen Dank dafür! Kein unnötiges Behördengeld für eine unnötige Säuberung, selbst den jetzigen „Künstlern“ ist es nur doch nur mit großer Mühe gelungen, den letzten Krickel-Versuch irgendwelcher irrlichternder Blödmänner zu verdecken und eine dafür notwendige Reinigung überflüssig werden zu lassen.

Peter Meyer

Der Konsument ist zu träge

4. Januar: Mogelpackung: Chipsletten sind jetzt dünner. Die Verbraucherzentrale Hamburg kritisiert die Hersteller mehrerer Produkte. Die Kunden dürfen nun den größten Trickser wählen

Mit der Freigabe der Größen- bzw. Mengenvorgaben in der Verpackungsverordnung durch die Europäische Union wurde vor vielen Jahren dem Einfluss der Industrie-Verbände und Lobbyisten nachgegeben. Trotz aller Beteuerungen, die Modifikation sei im Sinne des Verbrauchers, war Kennern schon von vornherein klar, dass dies ein Einfallstor für verdeckte Preiserhöhungen ist. Die Folgen kann man bis zum heutigen Tag sehen. Es ist auch ein gutes Beispiel, wie Handel und Industrie gleichermaßen profitieren, unterstützt von Interessenvertretern und Europapolitikern. Das Schlimme ist, der Verbraucher kann sich nicht wehren, denn Konsumverzicht, bzw. Ausweichen auf andere Produkte ist nicht immer möglich. Die alljährlichen Presseveröffentlichungen der frechsten Hersteller, verpuffen nach wenigen Wochen. Der Konsument ist träge und nicht nachtragend. Helfen würde eine Modifikation der Gesetzgebung im Sinne der Verbraucher, aber das wird nicht mal diskutiert.

Jan-Joachim Först, Hamburg