Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. Dezember 2018

Zukunftsorientiert sieht anders aus

3. Dezember: Elektroautos sollen Busspuren nutzen. CDU fordert, mehr Anreize zur Verbreitung neuer Mobilitätsform zu schaffen

Wieder mal ein Vorschlag, wie ich ihn als so typisch für das verkehrspolitische Verständnis der CDU in Hamburg empfinde: Reißerisch präsentierte geringe Vorteile für Wenige, die aber auf jeden Fall deutliche Nachteile für die Vielen bringen, die sich bereits täglich für den leistungsstarken und tatsächlich umweltfreundlichen Hamburger ÖPNV entscheiden. Der CDU liebstes Kind? Nach wie vor der motorisierte Individualverkehr mit seinem Platzverbrauch und seinen ökologischen Problemen, die er auch in der elektrisch betriebenen Variante besitzt. Zukunftsgewandt sieht anders aus...

Sven Clausen, Hamburg

Vorschlag ist kontraproduktiv

Statt den Senat ständig mit oft substanzlosen Anfragen zu nerven, sollte sich die CDU einmal an ihr Wahlprogramm von 2015 erinnern, wo unter anderem vernünftigerweise ein Stadtbahn-Netz als Ersatz für viele überlastete Buslinien gefordert wurde. E-Autos auf Busspuren fahren zu lassen ist an Kontraproduktivität nicht zu überbieten. Busse sind heute schon das langsamste Verkehrsmittel überhaupt und für hohe Fahrgastzahlen völlig ungeeignet.

Jens Ode

Schon sechs Punkte sind zu viel

1./2. Dezember: Abschiebestopp und ein Punktesystem für Flüchtlinge. Wer schwere Verbrechen begeht, soll schneller das Land verlassen

Einen Punkt für einen Diebstahl, zehn Punkte für eine Haftstrafe und 70 Punkte für Mord. Die „Rote Linie“ ist bei 60 Punkten überschritten. Bitte sagen Sie mir, dass es sich um einen Druckfehler handelt und sich versehentlich eine Null eingeschlichen hat. Sechs Punkte machen mich bereits sprachlos.

Peter Ludewig, Ahrensburg

Konstruktive Vorschläge, bitte

1./2. Dezember: Wie geht es weiter mit Hamburgs Hafen? Kontroverse Diskussion im Hafen-Klub. Topmanager der Branche, Wirtschaftssenator Westhagemann und ein Vertreter des Nabu folgten der Einladung

Ich teile leider Herrn Bonz’ Optimismus nicht. Natürlich gibt es dort keinen Schierlingswasserfenchel. BUND und Nabu sind aber erfindungsreich in ihren Bestrebungen, wirtschaftlich erforderliche Maßnahmen zu verzögern. Und diese Maßnahmen werden wohl noch durch uns mit finanziert: Einmal als Zuschüsse an diese Organisationen und zum andern durch Mehrkosten aus Verzögerungen. Ich bin sicher, dass BUND und Nabu schon längst nach Gewürm und Tieren suchen, die den Köhlbrandtunnel verhindern/verzögern können. Wie wäre es zum Beispiel mit speziellen Maulwürfen und Regenwürmern, die nur im Bereich der Köhlbrandbrücke vorkommen könnten? Vielleicht gibt es aber auch mal konstruktive Vorschläge von diesen Organisationen. Das wäre eine schöne Überraschung.

Harry Adam, Hamburg-Eilbek

Beste Bedingungen für den Wolf

30. November: Wie gefährlich sind Wölfe wirklich?

Eine Frage, die sich nicht mit allgemeiner Gültigkeit beantworten lässt. Der Wolf verhält sich aber so, wie es die vom Menschen geprägten Verhältnisse zulassen. Diese sind momentan für ihn außerordentlich günstig. Er muss seine Beute nicht mühsam erjagen, sondern es bieten sich ihm die reichlichen Bestände domestizierter Nutztiere an, unter denen er seinen ungezügelten Jagdtrieb ausleben kann. Weit über seinen Appetit hinaus. Die Zahl der bis heute gerissenen Nutztiere ist erschreckend hoch. Sie wird noch anwachsen, denn der Wolf ist gelehrig. Und irgendwann werden die steigenden Entschädigungsforderungen nicht mehr zu tolerieren sein. Die Konsequenz wäre dann, jeden Wolf, der auf Kulturland außerhalb der Wälder angetroffen wird, abzuschießen. Hoffentlich reicht dann die angeborene Intelligenz des Wolfes aus, ihm den Appetit auf Nutzvieh zu verderben. Anderenfalls droht ihm sonst wieder die Ausrottung. Zu Recht! Wer dann noch Wölfe sehen will, der möge in die Tierparks gehen.

Klaus Matthies, Hamburg

Mehr Gleise für den Hauptbahnhof

29. November: Hauptbahnhof soll zügig entlastet werden. Bürgerschaft fordert von Bahn neue Zugänge

Die Entfernung von einigen Süßwarenautomaten und ein paar neue Treppen werden die Situation am Hauptbahnhof nicht wirklich verbessern. Denn nicht die Enge für die Menschen ist das Problem, sondern der fehlende Platz für die Züge. Der Bahnhof von Freiburg i.B. hat acht Bahnsteiggleise. Der Hamburger Hauptbahnhof hat auch nur acht. Freiburg hat gerade mal 230.000 Einwohner, Hamburg hat mehr als 1,7 Millionen. Das zeigt die Herausforderung, die am Hauptbahnhof besteht, in grellem Licht. Die S4 und ein neues Bahnsteiggleis neun können etwas Erleichterung schaffen. Wirkliche Problemlösungen sind das nicht, zumal diese Lösungen an anderer Stelle wieder Engpässe schaffen. Mit dem neuen Deutschland-Takt und dem Fehmarnbelt-Tunnel werden noch mehr Züge Platz im Hauptbahnhof beanspruchen. Nötig ist ein neuer Bahnhofsteil für den Nord-Süd-Verkehr, der zwischen Berliner Tor und den Norderelbbrücken gebaut werden muss, was wegen der dichten Bebauung dort nur in Hoch- oder Tieflage möglich wäre. Der alte Paketbahnhof Hühnerposten (heute Bibliothek) wäre organisatorisch wie städtebaulich ein ideales Verbindungsglied zwischen den beiden Bahnhofsteilen. Er könnte als zweiter Verteilpunkt in die Innenstadt wirken. Dort könnten Reisezentrum, Läden, Leit- und Sicherheitstechnik, Hotellerie, Gastronomie, Konferenzräume und vieles andere untergebracht werden. Ein solches Projekt wäre ehrgeizig, aber nicht überambitioniert. Wenn Stadt und Bahn eine Lösung der Probleme nicht bald anpacken, wird der Erstickungstod des Hauptbahnhofs die sichere Folge sein.

Thomas Bütow, Hamburg

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