Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 30. November 2018

Ökologische Doppelmoral

28. November: Fledermäuse in Bad Segeberg stoppen Weiterbau der Autobahn 20

Seit Jahren regt sich kein Protest gegen den Tod von Zehntausenden von Fledermäusen, die Jahr für Jahr durch Windkrafträder getötet werden, denn Windkrafträder sind im Grünen Lager unantastbar. Wenn aber Fledermäuse im Kalkfelsen durch ein dringend notwendiges Straßenbauprojekt gefährdet werden, wird lautstark protestiert, um das Vorhaben zu Fall zu bringen. Warum durchschauen die zuständigen Behörden nicht diese falsche Doppelmoral?

Klaus Jansen

Wer regiert Deutschland?

Man fragt sich, wer inzwischen bei uns regiert: die Umweltverbände oder die von uns gewählten Politiker. Es zeigt sich einmal mehr, dass es ein schwerer Fehler war, das systemwidrige Verbandsklagerecht einzuführen.

Dr. jur. Falko Hoffmeister

Wie soll das weitergehen?

Wie soll das denn weitergehen mit der Infrastruktur in Deutschland? Bei den Hunderttausenden von verschiedenen Tierarten die es in Deutschland gibt, können Nabu und BUND alle Bauarbeiten massiv behindern oder beenden. Bekannterweise lassen sich Tiere nicht vertreiben, sondern werden sich ein anderes Revier suchen, wahrscheinlich ein paar Meter oder ein paar 100 Meter weiter. Sie bestehen nicht unbedingt auf den angestammten Platz. Dann dürfte man laut den Naturschutzverbänden auch keine Wohnungen mehr bauen.

Wolfgang Kany

Sinnlose Salamitaktik

Jeden Sommer finden die Karl-May-Festspiele mit anschließendem Feuerwerk statt. Angeblich ohne negativen Einfluss auf die Fledermäuse und deren Lebensraum. Die Fahrzeugkolonnen, die die Besucher im allabendlichen Verkehrsstau auf den Kalkfelsen führen, werden gerne übersehen. Nabu und BUND tragen wohl sehr unterschiedliche Brillen, wenn es darum geht, wichtige zukunftsträchtige Infrastruktur-Innovations-Vorhaben zu blockieren. Seit der Wende ist gerade der Raum um Hamburg massiv durch Hürden beeinträchtigt. Dabei werden die Maßnahmen nur aufgeschoben, letztendlich aber dann doch durchgeführt. Die A20, von der Ostsee, über Lübeck weiter bis zur Elbe und jetzt um Segeberg herum zeigt die Sinnlosigkeit dieser einseitigen Salamitaktik deutlich auf, die die Belastung von Umwelt, Natur und Mensch erhöht.

Roman Denecke, Nahe

Dienstreise nach Rotterdam

28. November: ,Wir brauchen mehr Vielfalt in der Architektur‘ Oberbaudirektor Franz-Josef Höing spricht über das Wachstum der Stadt

Das engere Wohnen finde ich nicht so schlimm, jedoch ist die neue Architektur in unserer Stadt zu uniform und damit langweilig. Warum machen unsere Entscheider der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen nicht mal eine Dienstreise nach Rotterdam? Diese Stadt strotzt nur so von Vielfalt und architektonischer Kreativität, ohne dass es „schräg“ aussieht. Davon könnten wir uns in Hamburg eine Menge abgucken. Ich hoffe, dass Herr Höing diesen Weg beschreitet.

Martina Ernst

Die Spanier können das besser

28. November: Warum Hamburg immer mehr Kreisel baut. Jetzt sollen an Mittelweg und Krugkoppel zwei Rondelle hintereinander entstehen. Das sorgt für Kritik

Weitere Kreisverkehre bedeuten immer mehr Stau, denn die deutschen Autofahrer, vor allem die älteren, haben immer noch nicht gelernt, zügig in die Kreisverkehre einzufahren: Da wird gewartet und gezögert, obwohl alle im Kreis befindlichen Fahrzeuge bereits zur Ausfahrt blinken. Die Spanier können das schon seit Jahrzehnten besser.

Manfred Dörge, Hamburg

Untersuchungen sind ein Muss

28. November: Frieda trifft einen blinden Hund. Der Malteser Malte verlor durch einen Gendefekt sein Augenlicht. Sein Alltag ist dadurch enorm beschwerlich

Es handelt sich offenbar um die Erbkrankheit PRA (Progressive Retinaatrophie, Anm. der Red.), die in jungem Alter der Hunde zu einer schnellen Erblindung führt. Die Kinder unserer Australian Cattle Dog Hündin Emily haben dazu beigetragen, dass man diesen Gendefekt heute im Blut erkennen kann. Vor etwa zwanzig Jahren wurde das Blut der Welpen in den USA untersucht. Damals hatte ein sogenannte Spitzenvererber aus Finnland mehrere Hündinnen in Europa gedeckt, als er plötzlich erblindete. So hat sich der Defekt verbreitet, auch bei VDH-Hunden. Auch heute noch züchtet man im VDH mit Hunden, die ein krankes Gen haben, sie dürfen nur mit einem Hund verpaart werden, der kein krankes Gen hat. Die Krankheit vererbt sich rezessiv: Bei zwei kranken Genen erblindet der Hund. Heute sind vorherige genetische Untersuchungen bei einigen erbkranken Rassen ein Muss. Bei ihnen sind wilde Verpaarungen verantwortungslos.

Gitte Stöber-Harries

Entschlossener handeln

27. November: Umweltministerin im Kampf gegen die Plastikflut. Mit einem Fünf-Punkte-Programm will Svenja Schulze den Verbrauch von Kunststoff senken

Warum nur sind Politiker und Politikerinnen, zumindest die, die gerade regieren, so mutlos? Die richtigen Erkenntnisse über das Plastikmüllproblem führen wieder nicht zu entschlossenem Handeln. Freiwillige Verpflichtungen haben noch nie funktioniert und werden es jetzt auch nicht tun. Natürlich gibt es die Einflussnahme der Lobbyverbände, aber letztlich muss die Politik zum Wohle der Bürger entscheiden und rechtlich bindende Vorgaben machen.

Hans-Joachim Bull

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.