Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 27. November 2018

Steilshoop guckt in die Röhre

26. November: Neue U-Bahn-Linie U5 droht sich um Jahre zu verspäten. Antrag auf Geld vom Bund steht noch aus. CDU fürchtet: „Baubeginn nicht vor 2023

Es verschlägt einem wirklich die Sprache, was mit der geplanten U-Bahn von Bramfeld/Steilshoop wieder mal passiert. Schon vor über 40 Jahren wurde sie uns für 24.000 Mitbürger versprochen und dann von der damaligen SPD-Regierung dummerweise gecancelt. Inzwischen wurden U-Bahn-Linien nach Niendorf, eine zweite nach Mümmelmannsberg und eine Dritte zum Elbstrand geschaffen. Und wir in Steilshoop? Gucken immer noch in die Röhre und warten auf selbige, damit eine U-Bahn durchfahren kann! Wohnen denn in den begünstigten Stadtteilen so viele Hamburger Politiker, dass sie die politischen Entscheidungen derart beeinflussen konnten?

Gerda Horn

Problem Grundwasser

26. November: Mühlenkamp: Mogelpackung oder gute Idee? Bürger entscheiden über geplanten Bau von 100 Wohnungen in Winterhude

Das größte Problem stellt doch das Grundwasser dar, da wieder einmal in direkter Ufernähe gebaut werden soll. Und das, obwohl man schon an den marodierenden Tiefgaragen erkennen sollte, dass „technisch zwar alles möglich ist“, die Natur aber letztendlich ihre eigenen Regeln hat. Allein schon von dieser Betrachtung aus verbietet es sich, in direkter Ufernähe Neubauten zu errichten, da diese zudem auch noch Einfluss auf Bestandsbebauungen nehmen werden. Speziell in Hamburg-Nord scheint man das jedoch einfach nicht begreifen zu wollen.

Edith Aufdembrinke, Hamburg

Ohne nationale Identität kein Staat

24./25. November: Gibt es heute noch Tabus? Die 100 großen Fragen des Lebens. Heute geht es darum, Regeln zu brechen

Gerade Professorinnen und Professoren sollten begrifflich sauber formulieren, wenn sie andere Menschen massiv kritisieren. Ziemlich dreist wird in dem Interview behauptet, der „rechtspopulistischen Bewegung“ hierzulande – gemeint sind offenbar Teile bestimmter Parteien oder Verbände – gehe es um die „Rehabilitierung nationalistischen Denkens, um eine völkische Sakralisierung des Kollektivs“. Falsch. Hier wird nationales und patriotisches Denken, das sich identifiziert mit der eigenen Nation (nationale Identität), einfach gleichgesetzt mit nationalistischer Denke, der es darum geht, die eigene Nation über die anderer Länder zu stellen. Nationale Identität dagegen ist sehr großen Teilen der ganz normalen Bevölkerung in Frankreich, Großbritannien, Australien, Kanada oder in den USA selbstverständlich und sehr wichtig: Hier geht es doch darum, den Zusammenhalt in der eigenen Nation zu bewahren und diesen notfalls auch aktiv – nämlich patriotisch – zu schützen. Ein Land, das sich auf Dauer nicht mehr mit seiner eigenen Nation identifiziert, muss um den Bestand eben dieses Nationalstaates fürchten. Eine Binsenwahrheit – in anderen, westlichen Demokratie.

Dr. Manfred Schwarz

Markt mit Cocktails und Musik

23. November: Ist der Wochenmarkt noch zu retten? Werktags herrscht Flaute am Goldbekufer

An den Markt habe ich noch beste Kindheitserinnerungen aus den 60er- und 70er-Jahren. Meine Oma wohnte in der Semperstraße. Der Besuch auf dem Markt war Ritual: Kartoffeln, Gemüse und natürlich auch „Schnökersachen“ wurden gekauft, meist immer bei denselben Händlern. Der Markt war immer rappelvoll. Aber damals waren die Verhältnisse auch andere: Die Mütter waren meist zu Hause und für Haushalt, Kinder und Kochen zuständig. Da war der Marktbesuch praktisch Pflicht, weil die Sortimente in den aufkommenden Supermärkten längst nicht so reichhaltig waren wie heute. Jetzt sind viele Haushalte eher mit Berufstätigen bestückt, Frauen wie Männer. Wer soll da am Wochentag auf den Markt gehen? Ja, wären diese am Abend geöffnet und nicht am Vormittag… mit etwas mehr Angebot etwa mit Cocktails oder Musik? Times are a changin… and so are we.

Jörg Ökonomou, Hamburg

Wann entscheidet wieder der Arzt?

23. November: Asklepios macht deutlich weniger Gewinn

Verstehe ich das richtig? Man beklagt, dass man kräftig verdient hat, aber weniger als im letzten Jahr. Irgendwann muss doch selbst der dümmste Wirtschaftswissenschaftler verstehen, dass Wachstum und vor allem Gewinnwachstum nicht unendlich zu steigern ist. Wer aber erwartet, dass der Gesundheitssektor permanent steigende Gewinne abwirft, handelt unmoralisch, denn das Geld, das hier in private Taschen wandert, kommt doch direkt aus den eingezahlten Beiträgen der Solidargemeinschaft und war initial ausschließlich für diesen Zweck gedacht. Sollen denn die Krankenkassenbeiträge linear ansteigen, nur damit die kaufmännischen Direktoren der Kliniken auch genug Gewinnwachstum verzeichnen dürfen? Oder kehrt in dieses Land irgendwann wieder Vernunft ein und Ärztinnen entscheiden anstelle der sehr hochbezahlten Kaufleute wieder selbst, wen sie wie und wo und wie lange behandeln?

Friedrich Schiweck

Mehr Überwachungskameras

23. November: Hamburg erstrahlt in Orange. Budni und Atlantic unterstützen farbigen Licht-Protest gegen Gewalt an Frauen

Glaubt wirklich ein Mensch daran, dass durch bunte Beleuchtung von Gebäuden auch nur eine Frau weniger Opfer von Gewalt wird? Mehr Beleuchtung auf dunklen Wegen und mehr Überwachungskameras an kriminellen Schwerpunkten wäre meines Erachtens, zumindest im öffentlichen Raum, hilfreicher. Außerdem wäre wünschenswert, wenn künftig auf sexualisierte Werbung verzichtet würde.

Karin Lesser, Hamburg - Rissen

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