Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. November 2018

Alte Themen in neuer Verpackung

1. November: Alles neu macht der Merz. Der Kampf um den Vorsitz in der Union strahlt auf alle Parteien aus und Merz ist wieder da

Na prima, da kommt unser „Supermerz“ um die Ecke geschossen und alles wird jetzt besser. Und auch von ihm werden Themen wie Gesundheit, Pflege, Rente und Altersarmut gar nicht erwähnt. Stattdessen langweilt uns unser Durchstarter, mit den abgelutschten Themen Digitalisierung, Klimawandel, Europa. Also alles wie gehabt, nur ein bisschen mehr One-Man-Show.

Jens Seyfarth

Die Stimmer der männlichen CDU

Friedrich Merz ist die Stimme der männlichen konservativen CDU. Er repräsentiert ihren Wirtschaftsflügel, der immer schon Merkels Modernisierungskurs kritisiert hat. Merz hat sich sehr geschickt in den Vordergrund gebracht und die Presse spielt zum Teil unkritisch mit. Er hat im Finanzwesen Karriere gemacht und ist seit zwei Jahren Chefaufseher bei Blackrock, dem größten Vermögensverwalter der Welt. Gibt es da nicht Interessenkonflikte?

Dietlind Thiessen

Steuererklärung in Sekunden

Merz ante portas. Die beste Nachricht im Abendblatt seit langer Zeit. Leute, sammelt Bierdeckel, vielleicht wird Merz Kanzler und die Steuererklärung wird Sekundensache.Und den CDU-Leisetretern geht es an den Kragen.

Hans-Emil Schuster, Hamburg

Etikettenschwindel

30. Oktober: Kupferhütte wärmt die HafenCity. Aurubis speist heißes Wasser in eine 3,7 Kilometer lange Leitung. 8000 Haushalte können versorgt werden

Dass man die Industrieabwärme nutzen sollte, ist unbestritten. Aber warum wird in dem Artikel nicht beschrieben, wo Aurubis seinen benötigten Strom herbekommt? Der Strom wird in Moorburg aus Kohle erzeugt und geliefert. Und hier weigert sich Herr Kerstan die Abwärme zu nutzen, was natürlich die im Artikel genannten Bemühungen in ein fragwürdiges Licht erscheinen lässt. Solange diese Abwärme nicht genutzt wird, ist das Nutzen von Industrieabwärme ein Etikettenschwindel.

Thomas Schendel

Mit dem Fahrrad verwachsen

29. Oktober: Helm oder kein Helm – die große Debatte. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sieht das Tragen als ,falsches Signal‘

Mein Leben lang (inzwischen fast 80 Jahre alt) bin ich Fahrrad gefahren. Früher als Pfadfinder von Iserlohn (Westfalen) zur Nord- und Ostsee und anderen weiten Zielen. Freihändig oder auf dem Sattel stehend zu fahren, das Festhalten an bergauf fahrenden Lkw gehörten in meiner Jugend zu den Grundkenntnissen des Radfahrens. Wir fühlten uns praktisch mit unseren Farrädern verwachsen. Helme gab es damals noch nicht und als sie mehr und mehr zum Einsatz kamen, erschienen sie uns überflüssig und nur notwendig für Menschen, die nicht richtig Radfahren konnten. Zur späten Einsicht, dass ein Helm nützlich sein könnte, kam ich erst mit etwa 65 Jahren. Als ich bei einer Radtour auf dem Lande unterwegs war, kam mir in einem engen Hohlweg ein rücksichtsloser Geländewagenfahrer entgegen, drängte mich an die Seite, so dass ich vom Rad stürzte. Als ich mich wieder aufgerappelt hatte, hatte ich nur kleinere Verletzungen an Händen und Beinen, mein Helm aber war an vier Stellen gebrochen. Seitdem fahre ich nie mehr ohne Fahrradhelm.

Rüdiger Horn, Neu Wulmstorf

Helmpflicht für alle!

Wenn durch Tragen des Sturzhelms nur einem Menschen – groß oder klein, jung oder alt – das Leben gerettet wird, wäre es Grund genug zum Helmtragen zu raten oder besser noch eine Helmpflicht wie bei den Motorradfahrern einzuführen. Nicht nur für Kinder oder für alte Radfahrer über sechzig. Jeder sollte einen Helm tragen. Denn in jedem Alter kann einem Radler ein Unfallschaden passieren, der durch das Tragen eines Helms verhindert oder vermindert worden wäre.

Peter Johannsen

Die Frisur schützt nicht

Ich bin jeden Tag mit dem Fahrrad unterwegs und fahre auch auf der Straße, seid zehn Jahren mit Helm. Und ja, mir ist sehr wohl bewusst, dass ich damit nicht hundertprozentig gegen Unfälle geschützt bin. Fährt mir ein Lastwagen über den Kopf, war’s das, ob mit oder ohne Helm. Aber nicht nur andere können mich in einen Unfall involvieren, auch ich selbst kann durch eine Unachtsamkeit einen Unfall verursachen. Und wenn ich dann unglücklich mit dem Kopf aufschlage, kann mir auch Herr Lau nicht ausreden, dann mit Helm besser geschützt zu sein. Und den Sorgen um eine adrette Frisur kann ich entgegenhalten, nach Schädelhirntrauma sieht die Frisur im Bett auf der Intensivstation auch nicht so toll aus.

Marina Todt

Ein Kuss im Paternoster

24. Oktober: Student entdeckt historischen Paternoster

Mit Interesse und schmunzelnd habe ich den Artikel über den Paternoster im Flüggerhaus am Rödingsmarkt gelesen. Ich habe 1951 eine kaufmännische Lehre bei der Firma H.A. & Gustav Küchler begonnen, die Büroräume im obersten Stock des Flüggerhauses hatte und diesen Fahrstuhl täglich benutzt. Als besondere Mutprobe galt es, durch den Keller und über den Boden zu fahren. Meinen Mann habe ich in der Firma kennengelernt und unser erster Kuss war in diesem Paternoster. Heute sind wir 62 Jahre verheiratet. Ich wollte mir im letzten Jahr das Treppenhaus unbedingt nochmal ansehen, aber leider ist ja alles abgesperrt.

Erica Klöhn

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