Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. Oktober 2018

Lkw mit der Bahn befördern

23. Oktober: A1 nach Lübeck wird zur Strom-Autobahn

Das ist ja ein schöner Versuch für Ingenieure, aber meines Erachtens unpraktikabel im Großen. Vielleicht interessant für den Lkw-Nahverkehr, der aber auch gleich mit Akkus fahren könnte. Außerdem sind dann nicht weniger Laster auf der Autobahn. Besser und innovativer wäre es, ein RoRo-System auf der Schiene zu etablieren, bei dem, ähnlich dem Sylt-Shuttle, die Lastzüge auf Niederbordwagen fahren und nach einigen 100 Kilometern wieder konventionell weiterfahren. Vor Jahrzehnten gab es etwas Derartiges zwischen Ingolstadt und Rosenheim, wo Urlauber den Großraum München ohne Stau umgehen konnten. Die Bahn hat dies leider aus Kostengründen eingestellt. Leistungsfähige Gleisstrecken müssten dann erstellt werden, zum Beispiel zwischen Göttingen und Itzehoe oder zwischen Dortmund und Magdeburg. Diese Milliardeninvestitionen würden nicht nur die Autobahnen entlasten, sondern auch den Fahrern die nötigen Ruhepausen geben, ohne Parkplätze zu blockieren.

Dr. Jürgen Koch, Holm

Zum Glück nur ein Test

Es ist tröstlich zu lesen, dass das Ganze zunächst als wissenschaftlicher Test angelegt ist. Der Verkehrsminister ist zwar vom Erfolg überzeugt und spart nicht mit Vorschusslorbeeren, worauf sich seine Überzeugung gründet, wird jedoch nicht klar. Es bleibt ein Funken Hoffnung, dass sich diese bisher nicht gerechtfertigte Euphorie zum Thema Elektroantrieb durch wissenschaftlich erwiesene Fakten auf Normalmaß reduziert. Möglicherweise fällt sie sogar ganz in sich zusammen, und die Überlegungen gehen wieder in die Richtung des letzten Jahrtausends, als die Eisenbahn erfunden wurde, die dann später große Mengen Güter transportieren konnte. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts sogar mit Strom. Die im Sinne der Klimaentwicklung wichtigste Frage, nämlich woraus der Strom gewonnen wird, wäre dann im nächsten Schritt zu beleuchten.

Andreas Kaluzny

Klimaneutral mit der Bahn

Es ist schon deprimierend, wie die Politik immer wieder auf die Autoindustrie hereinfällt. Statt einen ökologisch sinnvollen Schienenverkehr zu fördern und massiv auszubauen, versucht man nun, den Lkw-Wahnsinn auf überfüllten Straßen einen angeblich umweltfreundlichen Anstrich zu verpassen. Auch viele E-Busse können in Hamburg keine Straßenbahn ersetzen. Elektrische SUV übrigens bleiben verkehrstechnisch eine Katastrophe, die kein Mensch braucht. Nur elektrische Bahnen aller Art ermöglichen seit über 100 Jahren einen klimaneutralem Massenverkehr.

Jens Ode

Armutszeugnis für Hamburg

23. Oktober: Kampf gegen Drogen-Dealer im Schanzenpark scheitert am Geld

Das ist wieder eine typische Hamburger Lachnummer: Für den Schutz unserer Bürger und auch Schulkinder sind rund 100.000 Euro zur Ausleuchtung der Wege im Schanzenpark zu viel und können nicht bereitgestellt werden. Wenn man sich ansieht, wie viele Millionen an Steuergeld für sinnlose Projekte wie die kaum etwas bringende Busbeschleunigung oder sinnlose Fahrradstraßen vergeudet wurden, ist das schon lächerlich zu nennen. So können die Drogendealer sich sicher sein, dass sie ihren Geschäften auch weiterhin ungehindert nachgehen können. Das ist wirklich ein Armutszeugnis für das reiche Hamburg.

Helmut Jung, Hamburg

Falsche Versprechungen

17. Oktober: Nach Netze-Rückkauf: Hamburger müssen mehr für Strom zahlen. Gebühren steigen wegen Modernisierung um zwölf Prozent. Welche Kosten auf eine Familie zukommen

Der Fernwärmenetz-Rückkauf sowie die Ankündigung der Strompreiserhöhung wegen erforderlicher Erhaltungsinvestitionen wirft schon einige Fragen auf. Beim Volksentscheid wurde von den Befürwortern um die Herren Kerstan und Braasch von erheblichen Gewinnen aus den Netzentgelten gesprochen. Als dann letztes Jahr jedoch ein zweistelliger Verlust entstanden war, wurde dies von Herrn Kerstan mit Anlaufschwierigkeiten erklärt, jedoch sollten dann in den Folgejahren die Gewinne sprudeln. Jetzt ist davon plötzlich keine Rede mehr, im Gegenteil: Man muss die Netzentgelte drastisch erhöhen, um die Netze zu sanieren. Zahlen müssen das die Bürger. Die Frage sei erlaubt: Wurde die Due -Dilligence-Prüfung nicht ordentlich durchgeführt und dadurch die unterlassene Instandhaltung nicht entdeckt oder legt man hier schon die Lunte für bevorstehende Preissteigerungen für die Fernwärme. Herr Bürgermeister Tschentscher hatte ja versprochen, keine Preissteigerungen für Fernwärme über die Marktentwicklung zuzulassen. Wenn nun der Strompreis steigt, kann dann elegant der Fernwärmepreis nachgezogen werden, ohne dass ein Wortbruch entsteht.

Dr. Klaus Striegel

Das Maß ist schon lange voll

19. Oktober: Neuer Terminal – wird der Flughafen heimlich erweitert?

Bezüglich des innerstädtischen Flughafens wurde schon immer verharmlost, getrickst und mit „alternativen Wahrheiten“ gearbeitet. Über 100.000 Fluglärmbeschwerden pro Jahr werden einfach ignoriert und die Petition des BUND mit über 13.000 Unterschriften für etwas mehr Nachtruhe wurde kürzlich im Senat rücksichtslos abgeschmettert. Alle Versprechungen, dass es leiser wird für die leidenden Bürger wurden nicht eingehalten. 160.000 Flugbewegungen pro Jahr bedeuten für die Anwohner eine gesundheitliche Katastrophe und jetzt möchte der Flughafen – quasi durch die Hintertür – für 500 Millionen Euro seine Kapazitäten (natürlich ohne Bürgerbeteiligung) auch noch erweitern. Das ist der Gipfel der Unverfrorenheit! Das Maß des Erträglichen ist bereits seit langer Zeit übervoll.

Uwe Kühl

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