Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. Oktober 2018

Auslaufmodell Seehofer

22. Oktober: Seehofer deutet möglichen Rücktritt als CSU-Chef an. Ärger über Schuldzuweisungen: ,Noch mal mache ich einen Watschenbaum nicht‘

Horst Seehofer hat doch selbst seit gut zwei Jahren dafür gesorgt, dass er sich langsam aber sicher auflöst. Wer als Politiker derartig herumeiert, den nimmt man nicht mehr ernst. Heute Ankündigung zum Rücktritt, morgen Rücknahme davon und das in regelmäßigen Abständen. Der Wähler sucht Kontinuität und Vertrauen, aber keinen unzuverlässigen Typ, der ständig in jeden Fettnapf tritt, der sich ihm bietet und dann anderen die Schuld dafür gibt. Seehofer hat sich zum Auslaufmodell gemacht und will es nicht merken.

Jens-Joachim Brösel, per E-Mail

Der Bürger will Entscheidungen

20./21. Oktober: Union und SPD auf Umfrage-Tiefstständen. Nach der Bayern-Wahl verlieren die Parteien der großen Koalition weiter an Zustimmung

Es ist zum Verzweifeln. Die Volksparteien verlieren dramatisch in den Umfragen, doch die Hauptakteure begreifen nichts. Der Bürger erwartet endlich sinnvolle kundenfreundliche Entscheidungen im Dieselskandal, die zügige Umsetzung der Energiewende durch Stromtrassen nach Süden und Kohleausstieg, weitere zielführende Maßnahmen für eine bessere Luft, eine saubere Bodenbewirtschaftung ohne Glyphosat und gesunde Lebensmittel, sicher auch ein vereinfachtes Steuersystem ohne Schlupflöcher, Abschaffung von unsinnigen Subventionen und Steuererleichterungen und vieles mehr. Es ist kein Zufall, dass gerade die Grünen im Aufwind sind. Die politische Untätigkeit und das Geschacher um Posten und Macht sind unerträglich geworden.

Annelie Kirchner, per E-Mail

Die Grünen sind glaubwürdig

22. Oktober: Der nächste grüne Ministerpräsident? Tarek Al-Wazir könnte vom Höhenflug der Umweltpartei profitieren

Der Siegeszug der Grünen ist keine Zauberei und gründet sich vor allem auf die Unfähigkeit aller anderen Parteien, einfache Prinzipien in der Politik zu beachten. Diese Prinzipien sind Einheit, Glaubwürdigkeit und klare Visionen. Die Einheit der Grünen ist umso erstaunlicher, als sie noch vor wenigen Jahren als „Fundis“ und „Realos“ in zwei unversöhnlichen Gruppen gesehen wurden. Der geräuschlose Übergang in die neue Führung ist beispielhaft für die Überwindung des alten Zustandes. Nur dadurch sind auch die klaren Visionen von sozialer Gerechtigkeit und einem freien Europa glaubhaft. Bis die anderen Parteien wieder zur Vernunft kommen und sich diese einfachen Prinzipien zu eigen machen, wünsche ich den Grünen einen grandiosen Erfolg.

Harald Schmidt, Hamburg

England gehört zur EU

19. Oktober: Merkel zum Brexit: ,Wo ein Wille ist, da sollte ein Weg sein‘

Ich bin überzeugter Europäer und nach wie vor der Meinung: England gehört zur Europäischen Union. Ein Ausscheiden der Engländer würde auch uns anderen Europäern etwas nehmen, weit über die ökonomischen Effekte hinaus. Wie kommen überhaupt relativ wenige englische Wähler dazu, mit ihrem Brexit-Referendum über unsere Köpfe hinweg zu entscheiden? Und unsere Politiker schaffen es nicht zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Was kann man also tun als Bürger, wenn die von uns beauftragten Politiker nicht in der Lage sind, ihre Aufgaben zu erledigen? Offenbar sind sie überfordert. In einem Unternehmen muss in einer solchen Situation der Chef tätig werden und das weitere Handeln vorgeben. Der Chef in einem demokratischen Gebilde wie der Europäischen Union sind aber die Wähler, also wir. Deswegen eine Bitte an alle englischen Wähler: Bleiben Sie in der Europäischen Union. Geben Sie sich einen Ruck. Wir freuen uns auf Sie. Was wären wir ohne Sie?

Willi Müller, per E-Mail

Empörung wäre angebracht

19. Oktober: Organisierter Raubzug. Die Milliarden-Masche: Wie Hedgefonds und Banken den Staat ausbeuten

Wir haben hier in Deutschland eine merkwürdige Empörungskultur. In der Causa Maaßen zum Beispiel regt sich die Nation wochenlang über sämtliche Kanäle in epischer Breite auf. Wenn aber Betrüger in Nadelstreifen direkt oder indirekt als inländische oder europäische Bank in die Kasse des Steuerzahlers greifen und sich unseres Geldes bemächtigen, gibt es außer einem Bericht in den Nachrichtenkanälen und bei Ihnen und eines zutreffenden Kommentars im Abendblatt keinerlei Reaktion. Der Tatbestand ist längst – obwohl erst vor ca. eine Woche veröffentlicht – aus der Berichterstattung verschwunden. Dabei wäre aus meiner Sicht hier wirklich Empörung und scharfe Konsequenzen auch von Seiten der Politik angebracht. Anscheinend aber interessiert es keinen, wenn mehrere Milliarden Euro dem Staat – also uns als Bürger – durch betrügerische Rückerstattungen „gestohlen“ werden. Ob ich bei einer beteiligten Bank weiter mein Konto unterhalten würde? Für mich undenkbar.

Gerd Patzwahl, per E-Mail

Ein gelungener Bericht

18. Oktober: Ein Leben wie ein Abenteuerroman. Hans-Peter Jürgens war der letzte Überlebende der legendären Bruderschaft der Kap Hoorniers

Vielen Dank für diese Geschichte. Der Nachruf für den letzten Kap Hoornier ist einer Hamburger Zeitung wie dem Abendblatt würdig. Eine Hafenstadt wie Hamburg muss sich ihrer maritimen Tradition mit all ihren Sonnen- und Schattenseiten bewusst sein. Dieser gelungene Bericht hebt sich trotz des traurigen Anlasses wohltuend aus dem Alltagsgeschehen heraus und sollte den Leser zum Nachdenken bringen. Dieser Artikel ist es wert, im Maritimen Museum an exponierter Stelle gezeigt zu werden.

Wolfgang Kessler, Henstedt-Ulzburg

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