Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 19. Oktober 2018

Das hat uns gerade noch gefehlt

18. Oktober: Fahrradclub-Aktion: Hamburger sollen Falschparker fotografieren. Bilder von Autos, die Radwege blockieren, werden online veröffentlicht

Aufruf zur Denunziation. Das hat unserer Gesellschaft gerade noch gefehlt in Zeiten, in denen die AfD die Schüler und Eltern dazu auffordert, Lehrer anzuschwärzen. Wer fertigt dann die Video-Aufnahmen von Fahrradfahrern, die rücksichtslos über Gehwege brettern, so dass Fußgänger sich mitunter kaum retten können oder von Fahrradfahrern, die richtungsverkehrt durch Einbahnstraßen jagen, bei Rot über Ampeln fahren, Autofahrern die Vorfahrt nehmen und sie dann auch noch anpöbeln ?

Christoph Lütgert, Hamburg Volksdorf

Hoher Numerus Clausus

17. Oktober: Senat will mehr Lehrer ausbilden. Die Zahl der Referendariatsplätze soll bis 2020 schrittweise auf jährlich 850 aufgestockt werden

Nach bestandenem Abitur unserer Tochter in diesem Sommer hat sie sich umgesehen nach einem Studienplatz für das Grundschullehramt, Fachrichtung Deutsch und Sachunterricht. Da wir ja nun in Hamburg wohnen und sie die Miete sparen wollte, lag es nahe, das Studium auch hier zu absolvieren. Doch der Berufsberater machte ihr keine Hoffnung. Für Deutsch bräuchte sie einen NC von 1,3. Wer studiert mit so einem NC Deutsch auf Grundschullehramt? Er berichtete, dass er viele motivierte junge Leute, die sich bewusst für den Beruf des Lehrers entschieden haben, aufgrund eines viel zu hohen NC enttäuschen muss. Es gibt nicht mal einen „Heimatbonus“, wie in Nordrhein-Westfalen. Lieber überlässt Hamburg die Ausbildung anderen Unis, kommt ja auch kostengünstiger. So sieht die Wahrheit über den Lehrermangel aus.

Dunja Fries, Hamburg – Groß Flottbek

Hohe Abschreckungsstrafe

17. Oktober: Pro­mi­nen­te: ,Kein Be­rufs­ver­bot für Prof. Kuck!‘. In einem dramatischen Appell an die Gesundheitssenatorin setzen sich viele bekannte Hamburger für den Herzspezialisten ein

Eine zu harte Strafe, zumal hier keine ärztlichen Fehler vorliegen. Straftaten wegen falscher oder fehlerhafter Arztabrechnungen, die es seit Jahren in Praxen und in Kliniken gibt, sind es aber doch. Auch eine Rückzahlung der nachgewiesenen Gesamtsumme ist nur der erste Schritt, um die menschliche Gemeinschaft nicht zu schädigen. Unsere Richter sollten in jedem belegten Fall eine ordentliche Abschreckungsstrafe – am besten in der Höhe der Gesamtsumme – verhängen. Das würde zukünftig Manipulationen und Betrügereien in dieser Hinsicht erheblich reduzieren.

Klaus Schoel, per E-Mail

Professor Kuck ist kein Einzelfall

Was ist mit denen, die nicht prominent sind, nicht von Professor Kuck behandelt wurden und trotzdem eine privatärztliche Rechnung von ihm erhalten haben, ohne ihn auch nur gesehen zu haben? So wie wir. Seine Leistungen, die erbracht wurden, möchte ich nicht in Zweifel ziehen, aber die Art und Weise wie sich an Patienten bereichert wurde. Dies ist offensichtlich kein Einzelfall. Es gibt noch mehr „schwarze Schafe“.

Sibylle Kadar, per E-Mail

Erinnerung an die Kunsttreppe

13./14. Oktober: 70 Jahre Hamburger Abendblatt. Die Geburtstagsausgabe

Am Wochenende habe ich mit großem Interesse die Jubiläumsausgabe 70 Jahre „Hamburger Abendblatt“ gelesen. Leider fand ich keinen Hinweis auf die „Kunsttreppe“ im Hanse Viertel und ihrem Förderer und Betreuer dem ehemaligen Feuilleton-Redakteur Paul Theodor Hoffmann, Kürzel pth (1961-1987). Er hatte nach seinem Renteneintritt die Kunsttreppe aus der Taufe gehoben, 14 Jahre war er Mentor von 137 jungen Hamburger Künstler und Künstlerinnen. Jeden Monat stellte er eine Künstlerin oder einen Künstler im „Wochenend-Journal“ und auf der „Kunsttreppe“ im Hanse Viertel vor. Er war unermüdlich auf der Suche nach neuen Künstlern. 2002 verlieh ihm der damalige Chefredakteur Menso Heyl kurz nach seinem 80. Geburtstag die „Gustav-Schiefler-Medaille“ der Lichtwark-Gesellschaft, laut Urkunde für seine Verdienste um die Förderung der bildenden Künste in Hamburg durch Idee und Durchführung der „Kunsttreppe“ seit 1987.

Katharina Koch, per E-Mail

Es bleibt ein frommer Wunsch?

13./14. Oktober: Wer ständig schreit, dem hört niemand zu

Nach dem berechtigten Hinweis auf die Bürger-, statt Politikverdrossenheit nun auch noch ein kritischer Blick auf die Rolle der Medien in der derzeitigen Krise des demokratischen Systems. Eine wichtige Ursache ist damit erkannt, zur Lösung müsste aber natürlich auch das Hamburger Abendblatt beitragen. Denn auch Sie haben drei Gespräche der GroKo-Parteivorsitzenden innerhalb einer Woche zur Personalie Maaßen zur Staatskrise hochgeschrieben und die gänzlich absurde Vorstellung genährt, während dieser Woche habe jegliche Sacharbeit der Bundesregierung geruht. Ihre Analyse „wer ständig schreit, dem hört niemand mehr zu“ wird indes derzeit nicht zur Lösung beitragen. Denn aktuell wird ausschließlich derjenige gehört, der schreit. Wie soll etwa ein Medium mit einer ausgewogenen Analyse der Hamburger Verkehrspolitik, unter Einschluss verschiedener Koordinationsmängel bei den Baustellen aber eben auch der diversen erfolgreichen Aspekte auf Resonanz und Auflage hoffen, wenn das Abendblatt zeitgleich mit einem vermutlichen „Baustellenchaos“ aufmacht? Derartiges will der Wutbürger nun einmal hören. Die Medien sehen sich zu Recht als vierte Gewalt im Staate. Um aus der oben genannten Spirale herauszukommen, müssten sie sich kollektiv der mit ihrer Macht verbundenen Verantwortung besinnen. Da diese verfassungsrechtlich nicht festgelegt ist, wird dies leider ein frommer Wunsch bleiben, oder?

Jan Ehrig, Hamburg-Kirchwerder

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.