Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 18. Oktober 2018

Touris: Segen und Fluch zugleich

17. Oktober: Bal­ler­mann in Hamburg? Ausgerechnet gegenüber Touristen wachsen die Vorbehalte

Hamburg ist eine tolle Stadt und wie so viele andere Städte ein Touristenmagnet. Ja, darüber kann man sich als Bewohner freuen. Aber generelle kritische Gedanken zum Massentourismus müssen gestattet sein. Ich finde seit langem, dass die Flut der Touristen, die oft von Kreuzfahrtschiffen kommen oder gern in All-inclusive-Hotels wohnen, den besuchten Ort, das besuchte Land nicht zwangsläufig bereichern. Sie drängen durch die Straßen und über die Plätze, konsumieren die Sehenswürdigkeiten auf ihrem Handy oder Tablet und das war es dann. Gegessen und getrunken wird im Hotel oder auf dem Schiff. Hauptsache billig, das gilt auch für die An- und Abreise. Da interessiert es den Reisenden offensichtlich nicht sehr, ob die Umwelt leidet, Städte ihren Charme verlieren und die Restaurants in der Umgebung Verluste machen. Der Massentourismus ermöglicht auch Leuten mit wenig zu reisen, das ist Segen und Fluch zugleich.

Doris Wolff, per E-Mail

Eine überzeugende Europäerin

17. Oktober: Seehofer bleibt – Barley geht. Während sich der CSU-Innenminister an sein Amt klammert, plant die SPD-Justizministerin bereits ein Leben nach der großen Koalition

Bei der Europawahl im Mai 2019 geht es darum zu verhindern, dass die Anti-Europäer um Salvini, Le Pen, Strache, Wilders, Orban, Kaczynski und Gauland die Mehrheit im Europaparlament übernehmen, um das Friedensprojekt Europa zu beenden. Sie kandidieren für ein Parlament, das sie abschaffen wollen. Katharina Barley persönliche Vorteile zu unterstellen, wenn sie als überzeugte und überzeugende Europäerin mit einer eindrucksvollen europäischen Biografie als Kandidatin für das Europaparlament antritt und dafür ihr Ministeramt aufgibt, ist schon erstaunlich. Oft wird Politikern vorgeworfen, dass sie an ihren Ministerämtern kleben. Bei Horst Seehofer mag das stimmen, Katharina Barley dagegen wagt etwas und verzichtet auf ihr Amt.

Winfried Wolf, per E-Mail

Urlaubsflüge nur ab Lübeck

17. Oktober: Warum bei Lufthansa so viele Flüge ausfallen. Vorstand Harry Hohmeister über die Gründe für das Chaos am Himmel und Pläne am Standort Hamburg

Zumindest für Hamburg lassen sich Flugausfälle und Verspätungen relativ einfach reduzieren, indem die derzeit etwa 130 Flugziele und 160.000 Flugbewegungen pro Jahr auf Ziele reduziert werden, die lediglich für den Geschäftsreiseverkehr interessant sind. Für Urlaubsziele bietet sich der nahe gelegene Flughafen Lübeck-Blankensee an, insbesondere wenn die geplante S-Bahnlinie 4 über Bad Oldesloe hinaus nach Blankensee verlängert werden würde. Eine solche Entscheidung würde allerdings erfordern, dass sich der Flughafen Hamburg und die „wachsende Stadt Hamburg“ von dem Größenwahnsinn, dass alle Luftwege nach Hamburg führen, verabschiedet.

Hans-Peter Hansen, Hamburg

Früher war Altona schöner

16. Oktober: Wohnen in Altona. Eine sehenswerte Sonderausstellung im Altonaer Museum beschäftigt sich mit dem Wandel des Stadtteils

War Ottensen früher wirklich nicht so schön, Frau Dauschek? Die Bilder zeigen anderes. 1909 hatten die Häuser nur drei Stockwerke, es gab Vorgärten und Bäume, breite Fußwege, die noch zahlreichen Kinder konnten auf der Straße spielen. Dagegen 2018: sechs Stockwerke in Würfelbauweise mit viel Schatten, schmale Fußwegstreifen, parkende Autos, keine Bäume, keine Vorgärten. Und wo sollten da Kinder spielen, wenn es so viele gäbe?

Peter Thöl, per E-Mail​

Drei-Schicht-Betrieb in England

13./14. Oktober: Bau­stel­len-Är­ger in der City. Autofahrer und Geschäftsleute von vielen Sperrungen genervt. Mitte November sollen die Arbeiten enden

Es drängt sich bei mir der Verdacht auf, dass man sich in der Verkehrsbehörde den Hintern plattsitzt und sich seiner quasi Unkündbarkeit freut und das mit Untätigkeit quittiert. Statt Arbeiten zu koordinieren und schnelle Bauausführung zu forcieren, geht es wohl viel eher um den billigsten Anbieter. Das erste Geld wird schon bezahlt, sobald auch nur abgesperrt wird. Hin und wieder kommen dann sogar Arbeiter auf die Baustelle, können aber jederzeit wieder abgezogen werden – wenn es woanders lukrative Aufträge gibt. Vertragsstrafen bei Verzögerungen? Fehlanzeige! Auf Autobahnen das gleiche Bild: Kilometerweise abgesperrt und gerade mal zwei Arbeiter springen dort herum. Aber nur von acht bis 16 Uhr, dann ist Feierabend. Als ich das in England Freunden erzählte, wollten sie das nicht glauben, von wegen „German Efficiency“. Dort wird selbstverständlich im Drei-Schicht-Betrieb gearbeitet, abends unter Flutlicht. Die deutschen Behörden schlafen weiter.

Jörg Ökonomou, Hamburg

Mietbetrug bei WG-Zimmern

11. Oktober: Viele Studenten finden in Hamburg keine Wohnungen mehr. ,Last-Minute-Zimmer‘ als Nothilfe

Von einer Wohnung können Studenten nur träumen. Für sie geht es doch eher um ein WG-Zimmer. Hier wird die Situation erschwert durch fast schon kriminelle Vorgehensweisen von einigen, wohl wenigen Studenten, die ihre Zimmer zur Zwischenmiete anbieten. Von den Zwischenmietern wird eine Kaution von drei Kaltmieten (im Fall meiner Tochter in Höhe von 1600 Euro) verlangt, die dann nicht mehr zurückgezahlt wird. Der „Vermieter“ kommt auch zehn Monate nach Beendigung des Mietverhältnisses nicht nach, die Kaution auch nur teilweise zu erstatten, ist telefonisch nicht zu erreichen und wohnt nicht mehr im angegebenen Zimmer. Da bleibt nur der Weg zum Rechtsanwalt.

Marianne von Hagen-Baralt, per E-Mail

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.