Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. September 2018

Auf wahre Probleme konzentrieren

20. September: Weit weg vom Bürger. Entscheidung über Maaßen steigert Politikverdrossenheit

Da macht ein Verfassungsschutzpräsident eine unbedachte Äußerung über ein Video im Internet, und schon gebärden sich die Politiker und Bürger, als wäre dadurch die deutsche Demokratie in ernsthafter Gefahr. Wenn Donald Trump ständig Fake News verbreitet, beschädigt das kaum sein Ansehen. Unsere Politiker nutzen aber die Gelegenheit, um sich gegenseitig zu zerfleischen und die Demokratie endgültig in Misskredit zu bringen. Das Ausland schüttelt den Kopf oder lacht sich tot. Erstens sichert uns das Grundgesetz ein Recht auf freie Meinungsäußerung zu, und zweitens sollten die Deutschen nicht aus jeder Mücke einen Elefanten machen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Etwas mehr Gelassenheit und die Konzentration auf wirklich wichtige Probleme würden unseren Politikern gut zu Gesicht stehen. Doch lieber arbeiten sie in trauter Eintracht daran, den deutschen Bürgern die Freude am Leben in unserem schönen Land zu nehmen.

Christiane Mielck-Retzdorff, per E-Mail

Seehofers Husarenstück

Ein pyrrhusartiges Husarenstück Seehofers. Merkel und Nahles düpiert wie kleine Mädchen und deutlich geschwächt, hätten sie den unliebsamen „Aufsteiger“ Maaßen doch am liebsten auf Nimmerwiedersehen in die Wüste geschickt. Dieses Ansinnen ist krachend gescheitert – mit unabsehbaren Folgen für einen gedeihlichen Fortbestand der Großen Koalition.

Thomas Prohn, per E-Mail

Probleme durch „Nordstaat“ lösen

19. September: Was nützt mir die schönste Stadt der Welt, wenn ich sie mir nicht leisten kann? Die At­trak­ti­vi­tät der Metropole Hamburg hat einen sehr hohen Preis

Solange Hamburg am Status eines Stadtstaates festhält, werden sich die Probleme, die mit dem Wohnungsbau (Platz und bezahlbare Mieten) einhergehen, nicht lösen lassen. Jedes Jahr müssen Tausende von Wohnungen gebaut werden, doch es soll weder Grün vernichtet werden, noch sollen Hochhäuser entstehen. Man darf sich fragen, wie lange wohl noch kleinste Lücken für Neubauten gefunden werden. Unendlich lange wird es jedenfalls nicht sein. Viel vernünftiger wäre es, wenn sich Hamburg und Schleswig-Holstein entschließen könnten, einen Nordstaat zu bilden. Die Idee ist ja nicht neu, doch darüber nachzudenken, ist zwingend notwendig. Nicht nur das Wohnungsproblem könnte damit gelöst werden, sondern auch noch einige andere Probleme, die ein Stadtstaat zwangsweise hat.

Elfi Dröge, per E-Mail

Velorouten regelmäßig reinigen

19. September: Radwege-Test. Durchs Uni­vier­tel bis Niendorf – hier ist noch Luft nach oben

Was bislang noch nicht zur Sprache kam, ist die Reinigung der Velorouten. Jede Autofahrbahn wird regelmäßig mit Kehrmaschinen gereinigt, nicht jedoch die als Fahrrad-Fahrbahnen konzipierten Velorouten. Auf der Veloroute 3 etwa, entlang der baumreichen Stresemannallee, führt dies jeden Herbst dazu, dass der Weg zur Arbeit zur gefährlichen Laub-Rutsch-Partie wird. Die Stadtreinigung Hamburg fühlt sich nicht zuständig, weil die Reinigung Sache der Anlieger sei. Die wissen vermutlich noch nicht einmal von ihrem Glück, und auch das angefragte Bezirksamt Eimsbüttel hat keine Lust, die Anlieger auf ihre Kehrpflichten hinzuweisen. Bleibt also nur vorsichtiges Vorantasten mit dem Rad – und Laubmatsch und Dreck auf der Berufskleidung vorerst stoisch zu ertragen. Was Hamburgs Velorouten brauchen, ist ein umfassendes Unterhaltungskonzept. Sanierte Radwege sind toll, es muss sich nur jemand weiterhin geordnet und zuverlässig um sie kümmern.

Peter Ochse, Hamburg

Mathematikmuseum für Hamburg

18. September: Ein Sprung für Hamburg und Hamburg streitet um Science Center und Naturkundemuseum

Der Wert eines Science Centers oder eines Naturkundemuseums sollte vor allem daran gemessen werden, inwieweit Besucher motiviert werden, sich mit zukunftsrelevanten Themen zu beschäftigen. Das ist bei einem Science Center sicher mehr der Fall als bei einem reinen Naturkundemuseum. Vergessen wird bei der ganzen Diskussion auch immer die Mathematik. Ein Mathematikmuseum in Hamburg ähnlich dem Gießener Mathematikum wäre im ganzen norddeutschen Raum einschließlich Berlin einzigartig. Dort könnte auch das Interesse der Hamburger Schüler für Mathematik gefördert werden, was hierzulande bekanntlich bitter nötig ist. Ein Mathematikmuseum könnte auch problemlos in ein wünschenswertes umfassendes Science Center integriert werden. Bei der Höhe der Kosten sollte man sich an den Ausgaben für die Elbphilharmonie orientieren.

Hans-Joachim Rein, per E-Mail

Handyverbot in Frankreich

14. September: So digital soll Hamburgs Schul­un­ter­richt werden. In­ter­net­platt­form bietet Material für Lehrer. Schüler sollen mit Smart­phone lernen

Einerseits gilt von Regierungsseite die Mediensuchtgefahr bei Kindern und Jugendlichen als anerkannt. Andererseits treibt die gleiche Regierung das digitale Klassenzimmer voran. Das ist absurd. Übersehen wird dabei, dass in den französischen Schulen seit kurzem ein Handyverbot gilt, dass Bill Gates und Steve Jobs ihren eigenen Kindern den Umgang mit den neuen Medien erst mit 14 Jahren erlaubten. Die Steve-Jobs-Schulen in den Niederlanden haben sich nicht als Erfolgsmodell erwiesen. In der „New York Times“ gab es vor einigen Jahren einen Bericht auf der Titelseite, dass die Computerfachleute in Silicon Valley ihre Kinder in die dortigen Waldorfschulen schickten – wahrscheinlich die einzigen Schulen in Kalifornien ohne neue Medien in der Unter- und Mittelstufe.

Jos Meereboer, per E-Mail

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.