Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 17. September 2018

Bestraft wird der „kleine Mann“

15./16. September: Um­welt-Ak­ti­vis­ten blo­ckie­ren Lan­des­ver­tre­tung von NRW

Ich wundere mich über die geringe Unterstützung seitens der Bevölkerung für die Umwelt-Aktivisten, die bekanntermaßen eine Abholzung des Hambacher Forstes verhindern wollen. Lautstark wird von der Regierung der Ausstieg aus der Kohle mit geplanter Abschaltung von Kohlekraftwerken verkündet, aber statt diesen Dreckschleudern allmählich den Garaus zu machen, bestraft man lieber den „kleinen Mann“, der sich dereinst ein Dieselfahrzeug leisten konnte, mit Fahrverboten.

Dr. Udo Fuchs, Hamburg

Pöbeleien in Schwerin

15./16. September: Leserbrief der Woche: Ich habe wieder Angst

Der Brief von Herrn Becker hat mich sehr berührt. Ich kann dieses Gefühl sehr gut verstehen. Schon in den 90er-Jahren wurden meine Schüler und Schülerinnen (überwiegend Migranten) bei einem Ausflug nach Schwerin von dortigen Jugendlichen angepöbelt und verhöhnt. Als bei einer späteren Reise einer anderen Klasse nach Rostock Auseinandersetzungen im Zug zu eskalieren drohten, beschlossen wir, zukünftige Exkursionen in diesen Teil Deutschlands zu unterlassen. So neu ist also dieses Problem nicht, nur die Politik reagierte bis heute nicht. Ich frage mich, wer hier eigentlich integriert werden musste und muss.

Ina Behrens, per E-Mail

Keine Beteiligung Deutschlands

15./16. September: Das Syrien-Dilemma und Russlands Versuch einer An­nä­he­rung

Mit der „Operation Gomorrha“ wurde Hamburg vor 75 Jahren durch Flächenbombardements der englisch-amerikanischen Streitkräfte fast in die Steinzeit zurückgebombt.Tausende starben elendig im „Feuersturm“. Die westlichen Alliierten wussten sich nicht anders zu helfen, um endlich den Widerstand Nazideutschlands zu brechen. Wenn man heute Bilder aus Aleppo, Mossul oder Rakka sieht, so sieht man fast keinen Unterschied zur damaligen Situation. Auch in Syrien sahen die westliche Koalition unter den USA bzw. Russland keine andere Möglichkeit, als durch massive Bombardements die IS-Fanatiker zu beseitigen, auch wenn die Zivilbevölkerung darunter sehr leiden musste. Sie wird sich in Idlib hoffentlich rechtzeitig zurückziehen können. Darauf sollten diplomatische Gespräche hinwirken. Die 70.000 islamistischen Gotteskrieger stehen dort vor ihrer letzten Schlacht, die Trump und möglicherweise auch die CDU unverständlicherweise vermeiden möchten. Soll denjenigen ein Hinterland bleiben, die vom syrischen Boden aus grausame Verbrechen in Westeuropa ausführen lassen und im Nahen Osten begangen haben? Will „der Westen“ das militärisch sogar erzwingen, indem er Militärschläge mit dem Gerede von Giftgaseinsätzen des syrischen Regimes bereits vorzubereiten beginnt? Es sollte klar sein, dass Deutschland sich nicht an weiteren unseligen militärischen Abenteuern des US- Präsidenten Trump beteiligt, zumal dies ohne UN-Mandat beabsichtigt ist.

Dr. Sigmund Blank, Hamburg

Verschiebung des Problems

15./16. September: Jeder fünfte Bau-Lehr­ling in Hamburg ist ein Flücht­ling

„Jeder fünfte Baulehrling ein Flüchtling“ ist im ersten unkritischen Hinsehen ein schönes Ergebnis von Integrationsbemühungen. Nachdenklich wurde ich durch ein Gespräch mit einer Ausbilderin für Krankenpflege und Altenpflege. Derzeit besteht ein extremer Mangel an ausreichenden Kräften in Deutschland. Die derzeitige Lösung wird in der Zuwanderung von Fachkräften nach Deutschland gesehen. Das aber gerade diese Strategie dazu führt, dass gerade in diesen Herkunftsländern ebenso ein hoher Bedarf besteht und wir, die reichen Deutschen, alles heranziehen, was wir eben benötigen, führt zu gravierenden Problemen in den Herkunftsländern. Im selben Atemzug rühmen wir uns der Entwicklungshilfe und vergessen dabei, dass wir dort existenzielle Probleme schaffen, was Fachkräfte angeht. Ich sehe das als kurzsichtigen Irrweg an, wir müssen grundlegend umdenken.

Manfred Puls, per E-Mail

Eine Institution wird geopfert

12. September: Völ­ker­kun­de­mu­se­um ­heißt jetzt Markk. Das Ausstellungshaus am Rothenbaum feiert seine Umbenennung

Gegen eine Neuausrichtung eines Museums kann es wenig Einwände geben, wenn sie wissenschaftlich begründet wird. Hier wird jedoch eine hanseatische, historisch-wissenschaftliche Institution politischen Strömungen geopfert. Ja, man distanziert sich sogar von dem guten Ruf dieses renommierten Museums durch eine neue Namensgebung. Da der neue Name zu lang ist, verstümmelt die Urheberin ihn selbst sogar noch durch eine nichtssagende Abkürzung. Man würde hinter „Markk“ eher ein neues Kaufhaus als ein Museum vermuten, geschweige denn unter diesem Namen nach einem solchen suchen. Es erhebt damit keinen Anspruch mehr auf eine förderungswürdige Bildungseinrichtung mit dem Anspruch, wissenschaftlich geführt zu werden. Einer der ehemaligen Direktoren des Museums für Hamburgische Geschichte, Prof. Walter Hävernick, hätte dafür nur den Kommentar übrig gehabt: Je gelehrter, je verkehrter.

Helmut Thomsen, Hamburg-Rahlstedt

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