Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. September 2018

Vergebungsriten helfen nicht

13. September: Tau­send­fa­cher Miss­brauch. Neue Studie der Deutschen Bischofskonferenz über sexuelle Gewalt an Minderjährigen präsentiert dramatische Zahlen

Man kann es drehen und wenden, wie man will: Der tausendfache Missbrauch Minderjähriger ist nicht die Summe der Taten einzelner „fehlgeleiteter“, „schwacher“ oder „verirrter“ Klerikaler. Der abscheuliche Missbrauch ist in den inhaltlichen Strukturen der katholischen Kirche angelegt. Das Festhalten am Zölibat und eine restriktive, autoritäre und chauvinistische „Sexuallehre“ sind seine Hauptwurzeln. Solange diese nicht in Frage gestellt und beseitigt werden, bleibt Missbrauch in der katholischen Kirche allgegenwärtig. Päpstliche Vergebungsriten helfen alten und zukünftigen Opfern da wenig.

Hans-Jürgen Fuß, Bendestorf

Hinten wird man nicht getroffen

13. September: Seehofer stellt sich hinter Verfassungsschutz-Chef

Alle schießen auf den waidwunden Herrn Maaßen und unser Innenminister Seehofer stellt sich hinter den Verfassungsschutz-Chef. Dort wird er nämlich nicht selbst getroffen. Um den „Richtigen“ wirkungsvoll zu schützen, sollte er sich vor seinen Amtschef stellen. Oder deutet der Schritt nach hinten vielleicht schon den Gedanken an einen möglichen weiteren Schritt in diese Richtung an?

Rolf Wüpper, Hamburg-Eidelstedt

Projekt umgehend stoppen

13. September: Elbtower – Streit um Kauf­ver­trag

Dieser Tower ist hässlich und passt überhaupt nicht zum Hamburger Stadtbild. Dieses Projekt sollte umgehend gestoppt werden und stattdessen lieber die City-Hochhäuser sanieren. Aber es geht hier wohl eher um Prestige und die Denkmalsetzung von selbstgerechten Politikern. Mit welcher Leichtigkeit die rot-grüne Hamburger Regierung mit diesem Turm Hamburg verschandeln will, ist eine Schande.

Ingrid Kallbach, per E-Mail

Innige Verbindung mit Lkw

12. September: Auf dem Rad nach Westen – dieser Weg ist steinig und schwer

Bis zu meiner Pensionierung vor einigen Jahren bin ich nicht regelmäßig, aber häufig mit dem Rad von Seevetal-Emmelndorf zu meiner Dienststelle in Blankenese gefahren. Die Idee der Fahrradstadt Hamburg kam damals auf, was sich unter anderem darin zeigte, dass der recht sichere und noch wenig befahrene Radweg an der Georg-Wilhelm-Straße aus Richtung Hamburg kommend gesperrt und durch einen gefühlt 60 Zentimeter breiten „Schutzstreifen“ ersetzt wurde. Da kamen schon sehr innige Verbindungen zum starken Lkw-Verkehr auf. Vorsicht und Rücksichtnahme meinerseits, aber auch nahezu aller Autofahrer und Fußgänger haben dafür gesorgt (und sorgen auch noch heute auf meinen vielen Radtouren dafür), dass ich bisher ohne Blessuren geblieben bin.

Jürgen Hanisch, Seevetal

Am Bedarf vorbeigeplant

Es wäre wirklich schön, wenn sich die Velorouten am Bedarf orientieren würden. Es grenzt schon an Wahnsinn, wenn man für weniger als 100 Radfahrer je Richtung pro Tag Radwege zu Schnellstraßen ausbauen will. Die Einwohner der Stadtteile im Hamburger Westen wollen nicht mit dem Auto in die Stadt fahren, sondern erwarten, dass endlich ausreichend kostenlose Park-and-Ride-Plätze geschaffen werden, um mit der S-Bahn in die Hamburger Innenstadt zu fahren. Diese kostenlosen Parkplätze werden erheblich billiger für die Stadt sein als der Ausbau von Radwegen für viel zu wenig Radfahrer auf einer viel zu langen Strecke. Der Ausbau der Radwege sollte sich lediglich auf den Citybereich und die Stadtteile um die Alster, den Unibereich, Eppendorf, Eimsbüttel, St. Pauli und Ottensen beschränken, weil nur dort das Fahrrad vielfach das beste Verkehrsmittel ist.

Helmut Koppermann, Wedel

Wohltat Radwanderweg

Man kann auch über Moskau nach Paris, sagt schon der Volksmund. Ich schlage ADFC-Expertin Sabine Hartmann für ihre nächste Tour in den Hamburger Westen den Radwanderweg an der Elbe vor. So gut wie keine Engstellen, kein Kopfsteinpflaster und vor allem keine Tuchfühlung mit dem Straßenverkehr. Von diesem Wanderweg ist jede Elbvorortgemeinde leicht erreichbar. Zugegeben, vom Hamburger Rathaus zu den Landungsbrücken und über den Fischmarkt ist es ein wenig anstrengend. Dafür sind aber die restlichen 18 Kilometer eine Wohltat.

Heiko Felter, per E-Mail

Toleranz auf die Spitze getrieben

10. September: Furcht vor zweitem Chemnitz. Ein Deutscher stirbt in Köthen nach Auseinandersetzung mit Afghanen

Wie viele von uns bin auch ich entsetzt über die rechten Tendenzen, die in Teilen unserer Gesellschaft offenbar Einzug gehalten haben. Aber bevor man allein die Zuwanderer dafür verantwortlich macht, sollte man auch auf die politisch überkorrekten Mitbürger schauen, die seit etlichen Jahren versuchen, die Toleranz bis zur Perversion auf die Spitze zu treiben, im Zusammenhang mit Migranten stets nur von Rechten sprechen und bei Erwähnung von Pflichten sofort hysterisch aufkreischen. Leider hat die Politik sich in der Vergangenheit zu oft von diesen Leuten beeinflussen lassen. Hätten die verunsicherten Bürger, die sich von der AfD Hilfe erträumen, rechtzeitig gespürt, dass auch die Zuwanderer in die Pflicht genommen werden, hätte man bestimmt vieles verhindern können. Dieses Phänomen lässt sich ja auch in Skandinavien beobachten. Auch in Schweden wollte man Toleranz-Weltmeister werden, hat es jedoch auch versäumt, für eine vernünftige Integration der ins Land gelassenen Migranten zu sorgen und so die Bürger gegen die Politik aufgebracht.

Michael Busch, per E-Mail

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