Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 13. September 2018

Keine Nudeln ohne Kartoffeln

12. September: Fleisch ge­schäch­te­ter Tiere serviert: Schul­se­na­tor greift durch. Ties Rabe stellt klar: Kein Schüler in Hamburg hat ein Recht auf Halal-Speisen

Schulsenator Rabe hat Humor und die beste Lösung für die Mutter aller Probleme: Kartoffelbrei. Das erinnert mich an meine Zeit als Truppenarzt und Mitglied des Küchenausschusses in einer ostfriesischen Kaserne. Als Bayer machte ich damals, um die Eintönigkeit im Speiseplan zu mildern, den Vorschlag, statt täglich Salzkartoffeln, ab und zu Teigwaren als Beilage anzubieten. Eine Einigung wurde erzielt mit einem Reis- oder Nudeltag pro Woche. Da traf mich mit voller Wucht der Einwand eines einheimischen Soldaten: Könnte man an den Nudeltagen nicht auch Salzkartoffeln kochen? So hätte man eine Abwechslung. Schamhaft stimmte ich zu und zog außerdem die Forderung nach einer katholisch korrekten Freitagsspeise zurück. Dieser Wille zur kulinarischen Integration und religiösen Zurückhaltung brachte mir als Migranten bei den Friesen viel Sympathie.

Alfons Raith, per E-Mail

Markk ist Quark

12. September: Völ­ker­kun­de­mu­se­um ­heißt jetzt Markk

Mit dem Namen Völkerkundemuseum konnte jeder etwas anfangen, der neue Name Markk ist meiner Meinung nach Quark. Niemand verbindet mit der Abkürzung irgendetwas.

Dieter Craasmann, Hamburg

Verliebt in Frieda

12. September: Auf den Hund gekommen

Ich liebe es, über Frieda und ihr Rudel zu lesen, sei sie nun eine Dogge oder ein Zwergpinscher.

Inger Genge, per E-Mail

Zweitmeinung sollte Pflicht sein

11. September: Studie: Acht von zehn Ope­ra­tio­nen am Rücken sind über­flüs­sig. Krankenkassen werten Zweitmeinungen von Experten aus

Unbestritten ist die Zahl der (leider oft erfolglosen) Operationen bei Rückenschmerzen zu hoch. Das war auch schon vor der Studie der TK lange bekannt. In meiner Hausarztpraxis sehe ich viele Patienten, die ihre Rückenschmerzen am liebsten nach kurzem Schlaf (Narkose) für immer los sein möchten. Das ist attraktiv, denn monatelang zur Physiotherapie zu gehen und womöglich noch in der Freizeit Sport zu treiben, ist nicht jedermanns Sache. Nun wird immer über „das Recht der Zweitmeinung“ vor Operationen gesprochen. Das trifft den Kern aber nicht, denn schon jetzt darf jeder Patient zu so vielen Ärzten gehen, wie er will und Meinungen sammeln. Die Chipkarte eröffnet alle Wege, niemand kontrolliert, wie viele Ärzte konsultiert wurden. (Bezahlt wird aber nur pauschal für alle Ärzte zusammen). Viele Patienten wollen aber auch keine zweite Meinung und die Operateure drängen sie auch nicht dazu. Sinn bekommt das Verfahren also nicht durch ein Recht des Patienten auf Zweitmeinung, sondern durch eine Pflicht des Operateurs zur Zweitmeinung. Vor Operationen mit ungewisser Aussicht auf Erfolg (z.B. viele Bandscheibenoperationen) sollte die Hinzuziehung eines nicht direkt beteiligten Fachmanns Pflicht werden.

Dr. Klaus Stelter, Hamburg

Rente vor dem Kollaps

11. September: Beamte in die Rente ein­be­zie­hen? Arbeitsminister Heil erwägt, Staatsdiener in Versicherung zu integrieren

Hubertus Heil merkt, dass unsere Rentenversicherung vor dem Kollaps steht. Schon jetzt wird jede dritte Rente nicht aus Beiträgen, sondern aus Steuern bezahlt. In 2040 wird auf jeden voll ausgebildeten Arbeitnehmer ein Rentner kommen. Mit Beiträgen in Prozenten vom Arbeitslohn sind die Renten dann überhaupt nicht mehr zu finanzieren. Die Beamten mit einzubeziehen, wäre eine von den vielen unbrauchbaren Krücken, über die unsere Politiker nachdenken. Nur die totale Umstellung des Systems auf Steuerfinanzierung mit einer Grundversorgung für jeden seit 40-50 Jahren in Deutschland lebenden Steuerzahler (siehe Dänemark) könnte das sich aufbauende katastrophale Problem lösen. Die Politiker, die das den Bürgern nicht klar sagen wollen, versündigen sich an unserer Gesellschaft. Irgendwann werden auch jene Bürger, die Steuern zahlen, aber an den Vorteilen daraus, nämlich den steuerfinanzierten Renten, nicht teilhaben können, dies nicht mehr klaglos hinnehmen.

Bernd Wenzel, Buchholz

Zu spät zur Umkehr?

10. September: Macht das Handy aus

In seinem Kommentar hat Herr Haider den Nagel voll auf dem Kopf getroffen. Ich bin extrem genervt von Smartphones und den völlig überforderten Besitzern, die meiner Meinung nach nicht mit solchen Geräten umgehen können. Gott sei dank brauche ich solch ein Gerät nicht, denn ich lebe intensiv und in der Realität statt virtuell. Es ärgert mich besonders, dass die Leute ihre Smartphones fast nur noch zum Nachrichten versenden nutzen, ganz wenige telefonieren auch damit. Und wenn, dann so laut, dass jeder in der Umgebung jedes Wort mitkriegt, ob er will oder nicht. In der City kommen mir scheinbar ferngelenkte Menschen entgegen, die nichts von dem bemerken, was um sie herum passiert. Würde ich nicht permanent Rücksicht nehmen und ausweichen, wären Zusammenstöße auf dem Bürgersteig unausweichlich. Es ist schon sehr traurig, dass ausgerechnet ein siebenjähriger Junge jetzt mit einer Demo darauf aufmerksam machen muss. Ganz klar, dieser kleine Junge hat die Zeichen der Zeit erkannt und schreit nach Hilfe. Scheinbar ist er einer der wenigen, die es heutzutage noch wagen aufzubegehren. Auch das sagt genug über den Zeitgeist und den Zustand der Gesellschaft aus – und über Rabeneltern. Aber es ist wohl zu spät, denn sonst wären nicht 150, sondern 15.000 Teilnehmer im Demonstrationszug gewesen. Ich denke, das Kind ist in den Brunnen gefallen. Schade.

Hans Meins, per E-Mail

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