Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 31. August 2018

Ignoranz erzeugt Gegenwehr

30. August: Das perfide Spiel der AfD

Das eruptive Aufbrodeln der vom rechtsradikalen Mob angeführten widerlichen Ausschreitungen sind das Ergebnis einer Politik, die sich radikal von den Sorgen und Befürchtungen der Bürger abgewandt hat und nicht zur Kenntnis nimmt, dass durch den Zustrom von Menschen aus zum Teil extrem anderen Kulturkreisen und deren Ansprüche die „Alt-Bürger“ allein gelassen werden. Jede auch nur ansatzweise kritische Anmerkung über offensichtliche Probleme mit Zuwanderern wird kategorisch als „rechts“ und „rechtsradikal“ abgebügelt. Gegenwehr entsteht daraus – und treibt letztendlich die derart Beschimpften in die Reihen des Pöbels. Die jetzigen Flammen gilt es zu löschen, die Brandursachen müssen aber erkannt werden.

Gerhard Klußmeier, Rosengarten

Kleines Ergebnis – großer Erfolg?

30. August: Das Null­sum­men­spiel. Vom Rentenpaket der Koalition profitieren Mütter und Geringverdiener

Es treibt einen wirklich in den Wahnsinn, dass sich in der Politik nichts tut, kleinste Ergebnisse werden als große Erfolge verkauft. Will man uns für dumm verkaufen? Der Finanzminister verrät nicht, wie er die 48 Prozent der Rente garantieren will und ist nicht bereit, über den Tellerrand zu schauen. Wann werden endlich alle Verdiener zur Rentenbeitragszahlung einbezogen wie in Österreich? Warum ist man nicht bereit, den eigenen, nicht mehr richtig funktionierenden Entwurf zu verwerfen, und erfolgreichere Modelle zu adaptieren?

Elvira Kleinschmidt, per E-Mail

Der Sparer zahlt die Zeche

29. August: Die grie­chi­sche Tragödie – Fort­set­zung folgt

Der Fall Griechenland wird wohl die Blaupause für ähnliche Fälle in der Zukunft sein: Wenn ein EU-Land pleite ist, ist es schon aufgrund seiner Mitgliedschaft im Euro-Verbund systemrelevant und erhält unbegrenzt Kredite zu extrem niedrigen Zinsen, sowie eine zeitlich unbegrenzte Aussetzung der Tilgung. Dann sind alle zufrieden, denn der Schuldenschnitt, der ja Geld gekostet hätte, wurde vermieden und keiner merkt etwas davon. Ist das das neue Heilmittel? Weil dann auch der Euro niedrig bewertet bleibt und so Deutschland als Exportnation weiterhin prosperiert? Unterm Strich zahlt aber der Sparer wieder die Zeche.

Rüdiger Weiß, Großhansdorf

Unangebrachte Rezeptur

Dr. Gerken hat sicher recht mit seinem Zweifel an der Nachhaltigkeit des derzeitigen griechischen „Aufschwungs’“. Die Rezeptur, die er Griechenland empfiehlt, ist freilich zu großen Teilen unangebracht. So fordert er „die Bereitschaft der Bevölkerung zum Konsumverzicht, damit mehr Geld für Investitionen zur Verfügung steht“. Weiß er, wovon er da spricht? Der griechische Mindestlohn beträgt derzeit im Monat 740 Euro brutto (pro Stunde 3,39 Euro), für Menschen unter 25 Jahren 511 Euro. Dieser Mindestlohn wird oft unterboten, besonders im für Griechenland so wichtigen Tourismusgewerbe, das noch dazu seine Angestellten während der nachfrageschwächeren Monate großenteils in die Arbeitslosigkeit entlässt. Neun von zehn Arbeitslosen leben ohne Arbeitslosengeld oder vergleichbare Sozialleistungen, ohne Hilfen aus dem Familienverband könnten sie nicht weiterleben. Viele Griechen leben gezwungenermaßen ohne Krankenversicherung. Werden sie krank, wird das Familienbudget zusätzlich belastet. Die große Masse der Bevölkerung ist also seit Jahren zu radikalem Konsumverzicht gezwungen. Bei immer mehr Menschen hat das schon zur radikalsten Form von Konsumverzicht geführt: dem Selbstmord. Dementsprechend ist eine andere Rate stark rückläufig: die der Geburten. Säuglinge sind schließlich Konsumenten in Reinkultur. Konsumverzichtappelle wären denen gegenüber angebracht, die sich in Juwelierläden und Luxusrestaurants herumtreiben und ihre Steuerzahlungspflicht als unzumutbare Last empfinden.

Jürgen Kasiske, Hamburg

Die meisten haben kein Problem

29. August: EU-Um­fra­ge: Große Mehrheit gegen die Zeit­um­stel­lung

Die Stärke des CDU-Europaabgeordneten Peter Liese und die seiner populistischen Mitstreiter mag Mathematik nicht sein. Aber kann er mir einmal erklären, warum sich 99,4 Prozent der Bürger der EU nach der Meinung von 0,6 Prozent der EU-Bürger richten sollen? Ich will gar nicht unterstellen, dass diese, würde die Zeitumstellung tatsächlich abgeschafft, zu den ersten gehören würden, die anschließend, je nach Art der Neuregelung, entweder darüber klagen werden, dass es im Sommer nun zu früh dunkel oder im Winter zu spät hell wird. Zeitumstellungen, wie die Millionen Reisenden beweisen, die beruflich in andere Zeitzonen reisen müssen oder die riesige Zahl der Urlauber, die gerne ihren Urlaub in der Türkei, auf den Kanaren, in Portugal, Ägypten oder anderen Weltteilen verbringen, haben keine Probleme, innerhalb kurzer Zeit wiederholt ihre Uhr umstellen zu müssen. Nur zu Hause darf das nicht zweimal im Jahr passieren? Sollte man hier nicht doch eher auf die 99,4 Prozent der Bevölkerung hören, die damit offensichtlich kein Problem haben?

Horst Dippel, per E-Mail

Palmaille: mehr Verkehrslärm

29. August: Stickoxid-Mes­sun­gen: Re­kord-Be­las­tung an den Lan­dungs­brücken

Durch die Umleitung der Lastwagen und Pkw hat sich natürlich die Belastung auf den alternativen Strecken verstärkt. In der Palmaille und Breiten Straße hat nicht nur der Verkehrslärm stark zugenommen. Die Anwohner sind jetzt auch doppelt durch Stickoxyde von Seiten der Straßen und der Elbe durch den Schiffsverkehr belastet. Kein Wunder, dass an den Landungsbrücken die höchsten Werte gemessen werden. Haben sich die Verantwortlichen keine Gedanken darüber gemacht?

Karin Johannsen, Altona

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