Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. August 2018

Türkei hat Recht auf Hilfe verspielt

21. August: Soll Deutsch­land der Türkei helfen? Was spricht dafür und was dagegen

Dem Despoten Erdogan darf Deutschland nicht mit einem einzigen Euro helfen. Wer unser Land mit Nazideutschland vergleicht, wer zigtausende von Türken unschuldig im Gefängnis hält, wer Journalisten einkerkert, nur weil sie über Tatsachen berichten, wer den wirtschaftlichen Niedergang seines eigenen Landes selbst herbeigeführt hat, indem er eine falsche Wirtschafts- und Finanzpolitik befördert, nur um wiedergewählt zu werden, hat jegliches Recht auf deutsche Hilfe verspielt.

Jutta Brendel, Norderstedt

Sonderabgaben für reiche Türken

Die Ursachen der wirtschaftlichen und währungspolitischen Krisen in der Türkei sind vielfältig. Leider schaden Misswirtschaft und Korruption dem eigenen Land immer mehr. Es fehlt an Solidarität. Die Lösung zur Abhilfe der Probleme könnte sehr einfach sein. Der schwerreiche türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mit seinem Führungsstab sowie die vermögenden Türken sollten sich gemeinsam verpflichten, die finanzielle Misere durch Sonderabgaben (türkischer Soli) langfristig gesetzlich zu regeln, bevor nach Milliardenkreditgebern Ausschau gehalten wird.

Rita Humpke, Hamburg

Hilfe gegen Zugeständnisse

Man kann sich nur noch wundern, wie Frau Nahles und Herr Gabriel zur Türkei-Hilfe aufrufen. Der Natopartner Türkei unterläuft schon seit einiger Zeit die Politik der Nato, und wenn Erdogan die Möglichkeit bekommt, eine Atombombe zu bauen, wird er sie auch wahrnehmen. Spätestens beim Besuch in Deutschland wird Erdogan um finanzielle Hilfe ersuchen, vielleicht sogar fordern. Deutschland und Europa dürfen sich nicht erpressen lassen, sie sitzen doch am längeren Hebel. Neben den nötigen Sicherheiten für die Kredite, wäre jetzt die Möglichkeit, Erdogan zu politischen Zugeständnissen zu bewegen. Wenn Herr Erdogan dazu nicht bereit ist, sollte es auch keine Hilfe geben. Das System Erdogan in der Türkei sollte von Deutschland und Europa nicht unterstützt werden.

Fred Bonkowski, per E-Mail

Zölibat abschaffen

20. August: Wie das System Kin­des­miss­brauch be­güns­tigt. Ein Hamburger Sexualforscher über Machtverhältnisse, Zölibat und den restriktiven Umgang mit Sexualität in der katholischen Kirche

Es ist logisch, dass die katholische Kirche versucht, die seit ewigen Zeiten vorkommenden Missbrauchsfälle unter der Decke zu halten, nach Möglichkeit zu vertuschen und wenig zur Aufklärung beizutragen. Die jetzt bekannt gewordenen Missbrauchsfälle aus den USA sind allerdings in dieser Menge sehr ungewöhnlich und sollten nachdenklich machen. Missbrauchsfälle hat es in der katholischen Kirche schon immer gegeben,

aber wesentlich mehr als in der evangelischen. Der Grund liegt auf der Hand: Im Gegensatz zu den katholischen Priestern dürfen die evangelischen Pfarrer heiraten und somit ihre Sexualität normal ausleben. Den katholischen Priestern ist das dank des unsinnigen Zölibats verwehrt und so müssen sie sich ein anderes Ventil suchen und das sind in der Regel kleine Jungen, die zum Beispiel als Messdiener immer verfügbar sind. Die katholische Kirche sollte sich ihrer ethischen Verantwortung bewusst werden und schnellstens für eine Abschaffung des Zölibats sorgen, dann nimmt auch der Missbrauch drastisch ab.

Helmut Jung, Hamburg

Das Kindeswohl mit Füßen treten

18./19. August: Der Kampf um David

Ich bin entsetzt, dass niemand die Verzweiflung des Kindes aufgreift und begreift und dementsprechend handelt. Ich hätte gedacht, es gäbe die therapeutische Unterstützung für Mutter und Kind in einer gemeinsamen Unterkunft – ohne traumatische Trennung. Die Verzweiflungstaten des Kindes werden ignoriert. Das Kindeswohl in diesem Fall mit Füßen getreten. Die Situation ist nicht nachvollziehbar und grausam.

Loni Caning, Sasel

Ränkespiel der Politik?

18./19. August: BUND: ,Fernwärmekauf ist gutes Geschäft‘. Gutachten: Übernahme zu überhöhtem Preis sinnvoll

Kohlekraftwerke sind schädlich. Sie stoßen CO2 und Abwärme aus, liefern aber Strom wann immer wir ihn benötigen, zu jeder Tages- und Nachtzeit und auch bei Windstille. Vorerst können wir auf sie wohl nicht verzichten. Ich verstehe überhaupt nicht, warum wir nicht den Ausstoß der Abwärme dadurch verhindern, dass wir diese nutzen indem wir uns daran erwärmen und dadurch das Moorburger Kohlekraftwerk ein wenig umweltfreundlicher machen und die Elbe und den Himmel schonen. Nach meinem Verständnis findet hier ein Ränkespiel der Politik und Verbände zu Lasten der Fernwärmekunden und der Umwelt statt.

Dr. Wolfgang Meyer-Hofmann, per E-Mail

Soziales Netz nur in Notlagen

18./19. August: ,Sank­tio­nen wirken kon­tra­pro­duk­tiv‘. SPD-Chefin Andrea Nahles über Korrekturen bei Hartz IV

Frau Nahles irrt sich meiner Meinung nach, wenn sie Konsequenzen zum Beispiel beim unberechtigten Bezug oder anderem gesetzeswidrigen Verhalten von Hartz-lV-Empfängern ablehnt. Damit erziehen wir Menschen, die sich nicht an Regeln halten, die soziale Gesellschaft als Selbstbedienungsladen betrachten und nicht als soziales Netz in Notlagen. Wer sich an der Gemeinschaft gesetzeswidrig bereichert, sei es als Banker, Arbeiter oder Hartz-lV-Empfänger muss auch die Konsequenzen tragen. Gerade die Sozialdemokraten, die Gleichheit und Brüderlichkeit beschwören sowie soziale Hilfe fördern, sollten das nie vergessen.

Klaus Greve per E-Mail

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