Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. August 2018

Einigung durch Schiedsverfahren

18./19. August: Neue Schnellverfahren: Hamburger sollen Klagen bald im Internet ein­rei­chen können

Klagemöglichkeiten im Internet dürften die Menge der Klagen steigern. Sinnvoller, sowohl im Sinne der Begrenzung als auch der Regelung, wäre ein verpflichtendes Schiedsverfahren bis zu einem bestimmten Streitwert. Vielleicht würde das auch einer Einigungskultur zugute kommen.

Peter Wigandt, per E-Mail

Fernwärmenetz aktiv umgestalten

18./19. August: BUND: ,Fern­wär­me­kauf ist gutes Geschäft‘

Es ist bezeichnend, wie sehr sich die Gegner des Rückkaufs des Fernwärmenetzes auf rein betriebswirtschaftliche Kennzahlen zur Wertermittlung stützen. Die vordringlichste Aufgabe, der wir aber gegenüberstehen, der Schutz des Klimas und damit der Erhalt unserer Lebensgrundlagen und der soziale Zusammenhalt, wird nicht betrachtet. Die Kosten, die sich für die Gesellschaft ergeben, wenn wir nichts für den Klimaschutz tun, werden negiert. Der Rückkauf des Fernwärmenetzes gibt uns die Möglichkeit dies aktiv umzugestalten und damit den Notwendigkeiten des Klimaschutzes Rechnung zu tragen. Er gibt uns die Möglichkeit, die Akteursvielfalt in der Wärmebereitstellung zügig zu erhöhen, ohne Blockadehaltungen des Netzbetreibers überwinden zu müssen. Dies eröffnet uns die Möglichkeit, die Folgekosten des Klimawandels zu minimieren. Im Gegensatz zu Geschäftsführern von Industrieunternehmen ist es Aufgabe der Politik, die Möglichkeiten, die sich mit dem Rückkauf des Fernwärmenetzes eröffnen, und deren Wirkung auf Gesellschaft und Umwelt mit in die Bewertung des Fernwärmenetzes einfließen zu lassen. Dies ist sicher nicht einfach, aber ich bin mir sicher, dass bei einer umfassenden Kosten-Nutzen-Analyse, unter Berücksichtigung aller betriebswirtschaftlichen und ökologischen Faktoren, der Wert des Fernwärmenetzes den des vertraglich vereinbarten Kaufpreises übersteigt.

Jörg Behrschmidt, Hamburg

Auf Fleisch verzichten

18./19. August: Die 100 großen Fragen des Lebens. Wie kann ich die Welt ver­bes­sern?

Der Appel an jeden Einzelnen sich für Nachhaltigkeit stark zu machen ist ein grundsätzlich guter. Klimawandel, Artensterben und Ressourcenknappheit sind Themen, die ich immer häufiger in den Medien sehe. Doch warum lässt die vorgeschlagene Herangehensweise an diese Probleme immer den wohl wichtigsten Faktor aus? Unsere Ernährung bzw. der Konsum von tierischen Produkten. Professor Martina Neuburger sagte in dem Interview, dass der Verzicht Auf Fleisch das Klima nicht „rette“. Jedoch ist die Tierindustrie für mindestens 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich. Das ist bereits mehr als alle Autos, Schiffe und Flugzeuge zusammen. Dazu kommt noch die massive Entwaldung, der exorbitante Wasserverbrauch und der enorme Kalorienverlust. All das sind Problematiken, die der Verzehr von tierischen Produkten mit sich zieht. Wenn einem die Umwelt und die zukünftigen Generationen wichtig sind, reguliert man den Konsum oder stellt die Ernährung ganz um. Mangelt es dieser riesigen Industrie an Nachfrage, wird sich das Angebot automatisch verkleinern, was dem Klima am effektivsten hilft.

Louis Krohn, per E-Mail

Sand aus Südostasien

18./19. August: Ein Zwerg­staat will größer werden. In Monaco soll neuer Stadtteil im Mittelmeer entstehen

Selbst der wüstenreiche Oman hat sich Sand aus den Meeren um Australien für seine Anlagen geholt. Und die Fischer an Südostasiens Küsten haben immer weniger gesunden Meeresgrund, da dort sehr viel Sand entnommen wird. Ihnen Allen wird durch diese gigantischen Bauten ihre Lebensgrundlage genommen. Es kippt also nicht nur vor Monaco das maritime Ökosystem. Den Reichen scheint der Rest der Welt egal zu sein.

Friderun Böttger, per E-Mail

Jugendämter unter Druck

18./19. August: Der Kampf um David

Der Artikel zeigt sehr plastisch, wie überzogene Kontrollerwartungen mancher Medien und Politiker die Jugendämter unter Druck setzen. Das Ergebnis schadet mehr, als es nutzt: Eltern werden erst bevormundet, dann sanktioniert und später ausgebootet. Eltern werden zu Gegnern des Hilfesystems. Am Ende leiden vor allem die Kinder. So verlieren die Jugendämter ihren eigentlichen Auftrag aus dem Blick: Um der Kinder willen Eltern in Not langfristig mit Beteiligung, Transparenz, Respekt und Mitgefühl zu unterstützen. Hoffentlich greift die Hamburger Enquetekommission zu Kinderrechten und Kinderschutz das Thema auf und empfiehlt der Bürgerschaft einen Richtungswechsel im Kinderschutz.

Martin Apitzsch, Kinder- und Jugendhilfe, Diakonisches Werk Hamburg

Kleiner Mensch – großer Schaden

Trotz des ausführlich geschriebenen Berichtes kann man als Außenstehender nicht wirklich beurteilen, wer in dieser Sache recht hat, die Wahrheit wiedergibt. Aber wenn dies alles auch nur annähernd stimmt, so bin ich erschrocken über die Radikalität, mit der hier Entscheidungen getroffen werden. Dokumente, Beschlüsse werden der Mutter und deren Rechtsbeistand vorenthalten, was vermuten lässt, dass Unrecht geschieht. Eine fehlende Bindung zu den Großeltern, wird als Begründung benutzt, auch sie von der Betreuung ihres Enkels auszuschließen. Warum aber das Kind eine nähere, förderliche Beziehung zu ihm völlig fremden und häufig wechselnden Heimmitarbeitern haben soll, ist nicht plausibel. Das alles macht traurig, so man doch mit Gewissheit sagen kann, dass diesem kleinen Menschen von allen Beteiligten großer Schaden zugefügt wird, dessen Folgen ihn ein Leben lang belasten werden.

Doris Wolff, per E-Mail

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