Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 7. August 2018

Mindestens noch 33 Spieltage

6. August: Kein Grund zur Panik

Kaum war das Spiel vorbei, bekam ich einen kleinen Videofilm aufs Handy mit der Melodie: „Es geht schon wieder los; das kann doch wohl nicht wahr sein“. Was gemeint war, ist klar. Nach dem auch ich mich kurzzeitig geärgert hatte, nun meine persönliche Analyse: Jüngste Mannschaft nach 46 Jahren im Profifußball; unnötiger, kolossaler Mediendruck in vier Großbuchstaben. Auch von anderen Medien. Was soll das? Die Spieler wollten ja, was man besonders in den ersten 20 bis 30 Minuten sehen konnte. Bitte etwas mehr Geduld für „unsere“ junge Truppe. Als ich in meiner aktiven Zeit als Betreuer mit meinem damaligen Verein „SSV Großensee“ zum Tabellenletztenplatz rutschte, wurde vorher diskutiert wie hoch wir „die schlagen“. Wir verloren 3:9 (!) und schlichen aus dem Stadion. Nur weg. Jetzt sage ich: Hiergeblieben Jungs. Es werden wieder andere Tage kommen. Mindestens noch 33 Spieltage. Viel Glück! „Wir schaffen das.“

Detlef Riedel, Hamburg

Ich gebe die Hoffnung nicht auf...

4. August: In­te­gra­tion – das Ende einer Illusion

Als eine türkischstämmige Deutsch-Türkin möchte ich anmerken, dass man die „positive Identifikation mit Werte- und Rechtsordnung“ als allererstes in der Familie bekommt und bekommen sollte, unabhängig von der Nationalität. Ist es so schwer zu verstehen oder zu akzeptieren, dass man sich nicht „nur“ zu einem Land bekennen kann oder muss? Ich bin sowohl geprägt von meinen türkischen Wurzeln als eine dort geborene, aber auch durch die gesamte Zeit meiner Jugend und Erwachsenenjahre hier in Deutschland. Beide möchte ich nicht missen. Aber denjenigen, die gespalten sind, machen es die Seehofers und Söders zu einfach, sich noch mehr zu isolieren. Integration – es ist ein Armutszeugnis auf beiden Seiten, wenn man sich nach all den Jahren immer noch den Kopf darüber zerbrechen muss – bedeutet für mich, Aufgeschlossenheit, Toleranz und Verständnis für das fremde und neue aller Gesellschaftsschichten auf beiden Seiten. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, solange es Eltern gibt, die wie ich versuchen, ihren Kindern zu vermitteln, beide Identitäten haben zu können und das als eine Bereicherung zu verstehen und diese auch so zu leben.

Berna Sahin, per E-Mail

Wünschen hilft nur im Märchen

4. August: Still­stand beim Klima. Der extreme Sommer zeigt auch, wie die Politik die Energiewende ausbremst

Immer wieder hört und liest man von der Energieversorgung ohne Gas, Öl und Kohle, ohne Kernkraft sowieso. Vom gleichwertigen Ersatz jedoch nicht. Wie auch im Bericht angegeben, erreichen Wind- und Photovoltaik-Kraftwerke selten ihre Nennleistung, nicht nur bei Extremhitze wie jetzt. Wer A wie Ausstieg sagt, muss aber auch B wie Ersatzbeschaffung sagen. Nur Forderungen zu formulieren, ist zu wenig. Alte Bauernregel: Man darf das alte Wasser erst wegschütten, wenn man neues hat. Das gilt auch bei der Umgestaltung der Energieversorgung. Das ist ja in Ordnung, aber wie der Ersatz der abzuschaltenden, kerntechnischen und fossilen Kraftwerke zu bewerkstelligen sei, davon hört und liest man kaum etwas. Wünschen allein hilft nur im Märchen.

Dr. Friedrich Weinhold, Norderstedt

Einfluss der Weltbevölkerung

Auch mir macht der Klimawandel Sorgen, die oft vereinfachende Berichterstattung in den Medien auch. Wird das kleine Deutschland durch schnelle und gravierende Maßnahmen auch nur die gegenläufigen Entwicklungen z.B. in den USA kompensieren können? Und warum wird die Zunahme der Weltbevölkerung mit ihren Auswirkungen auf die Umwelt fast immer ausgeklammert? Scheinen diese Vernetzungen für den durchschnittlichen Leser zu kompliziert?

Manfred Wiech, Barsbüttel

Der Blick in den Mikrokosmos

6. August: Legendäre Linsen. Vom Beginn der Mikroskopie bis zur High-Tech-Forschung erzählt eine Ausstellung. Berlin war einst berühmt für den Blick aufs Kleine

Eine Reise nach Berlin lohnt sich immer, auch zu einer Ausstellung über historische Mikroskope. Es gibt allerdings auch im Medizinhistorischen Museum Hamburg im UKE eine respektable Ausstellung historischer Lichtmikroskope aus den Jahren 1848 bis 1970 und ein Elektronenmikroskop von 1958. Gezeigt wird die über die Jahrhunderte zunehmende technische und optische Leistung der Mikroskope und ihre Bedeutung für Diagnostik und Therapie von Krankheiten. Überraschend ist, mit welch kleinem und unscheinbaren Mikroskop z. B. Antoni van Leeuwenhoek zusammen mit dem Studenten Johannes Ham bereits im Jahr 1677 die Samenzellen des Menschen entdeckte. Und dann gibt es einen originalen histologischen Schnitt aus der Hand von Prof. Camillo Golgi aus dem Jahr 1888, in dem die von ihm versilberten Nervenzellen und Gliazellen noch heute zu studieren sind. Dazu werden auch die für die Anfertigung histologischer Schnitte benötigten Mikrotome gezeigt und die histologischen Techniken erläutert. Es ist faszinierend, zu sehen, mit welcher Kreativität Instrumente geschaffen wurden, die den Blick in den Mikrokosmos ermöglichen.

Prof. Dr. Adolf-Friedrich Holstein, Medizinhistorisches Museum Hamburg

Klimawandel und Hundstage

4. August: Ja, das Wetter macht irre

Das war eine Schumacher-Kolumne zum Dahinschmelzen. Zuviel Hitze auf einmal kann so manches Organ zum Austrocknen bringen. Der Klimawandel und die Hundstage vom 23. Juli bis 23. August haben bisher ihre volle Wirkung gezeigt. Klimaanlagen und Ventilatoren sind zurzeit der Verkaufsrenner. Die Besucher des Heavy-Metal-Festivals in Wacken haben den Schlamm vergeblich gesucht. Dafür flossen zum Abkühlen reichlich Mineralwasser und andere Getränke.

Rita Humpke, Hamburg

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