Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. August 2018

Jede Überschreitung ist eine zu viel

31. Juli: Re­kordein­nah­men durch BIitzer. Immer mehr stationäre Radaranlagen spülen mehr Geld in Kassen, 2017 bereits zehn Millionen Euro. Wo am meisten verdient wird

Ich frage mich als Leser und Autofahrer, was die zum wiederholten Mal geführte krude Diskussion (vielleicht Sommerloch?) mit dem Aufmacher „Rekordeinnahmen durch Blitzer“ erreichen soll. Es macht mich fassungslos, wenn selbst ernannte Verkehrsexperten über den Radaranlagenstandort entscheiden wollen. Da werden Tempolimitüberschreitungen als Gelddruckmaschinen diskreditiert und damit letztlich nur der Abzockermythos gestärkt. Warum werden die Ursachen für die Höhe der Bußgelder nicht thematisiert? Denn in Anbetracht der bekannten Folgen von Überschreitungen des Tempolimits ist jede Überschreitung, unabhängig vom Standort des „Blitzers“ eine zu viel oder wird die Überschreitung an bestimmten Stellen, die nach Lesart des Experten keine Gefahrenschwerpunkte sind, toleriert? Für eine seriöse und ehrliche Diskussion zu dieser Problematik empfehle ich dem Abendblatt den abgezockten Blitzereinnahmen mal die Folgen von zu schnellem Fahren, wie z. B. Aufwendungen für medizinische Behandlung der Verkehrsopfer, Kosten für Polizei- und Rettungsdiensteinsätze, Straßenreinigung, usw. gegenüber zu stellen.

Dieter Weidel, Hamburg

Kosten sind eklatant gestiegen

2. August: Blind­gän­ger – das explosive Risiko beim Bauen

Jeder Hamburger Bauherr kennt das: Vor Beginn der Bauarbeiten muss die Kampfmittelfreiheit des Baugeländes gesichert sein. Aber auch Grundeigentümer, die z. B. einen Gasanschluss legen lassen wollen, sind betroffen. Zwar kann der Eigentümer auf dem Grundstück auf eigenes Risiko aufgraben, aber er ist auch für den öffentlichen Grund vor dem Grundstück verantwortlich. Das übliche Verfahren ist die Luftbildauswertung durch die Hamburger Feuerwehr. Die Kosten muss der Grundeigentümer übernehmen. Und diese Kosten sind in den letzten Jahren eklatant gestiegen. Im Jahr 2013, also vor 5 Jahren, wurden für eine Stunde Luftbildauswertung 71,00 Euro berechnet. Heute werden für dieselbe Leistung 135,00 Euro berechnet. Wohl gemerkt: 135 Euro pro Stunde für einen Sachbearbeiter. Das ist eine Erhöhung um ca. 90 Prozent in fünf Jahren. Das kann mit allgemeiner Kostensteigerung nicht begründet werden. Im Regelfall kann man von drei bis vier Stunden Bearbeitungszeit ausgehen. So sind für den Gasanschluss 400 bis über 500 Euro Zusatzkosten zu kalkulieren. Und der Eigentümer hat keine Wahl. Die Alternative, einen Fachbetrieb mit einer „Baubegleitenden Kampfmittelsondierung“ zu beauftragen, ist noch teuer.

Heiko Fromm, Hamburg

Was haben wir falsch gemacht?

1. August: Zuschuss für Beamte zur ge­setz­li­chen Kran­ken­ver­si­che­rung

Wie viele andere gesetzlich Krankenversicherungspflichtige bin auch ich entsetzt über die neuen Privilegien für Beamte. Bisher haben sicher viele Beamte, nicht nur die mit Vorerkrankungen, sich gerne in den Schoß der Solidargemeinschaft der gesetzlichen Krankenversicherung begeben. Sie können als freiwillig Versicherte nach meiner Kenntnis damit auch ihre Kinder und ggf. die Ehefrau kostenfrei mitversichern. Die private Krankenversicherung für ihre Kinder und Ehefrau wäre auf Dauer viel teurer als der halbe Beitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung. Die Kosten dafür tragen wir, nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch wir Rentner. Während unseres Berufslebens haben wir fleißig Beiträge für die Krankenversicherung und die Rentenversicherung und Steuern aus unserem Bruttoeinkommen gezahlt. Jetzt zahlen wir, wie jeder Arbeitnehmer auch, unsere Beiträge zur Krankenversicherung und aus unserer Bruttorente zusätzlich anfallende Steuern. Von den beträchtlichen Lohnsteigerungen der Vergangenheit sind wir wegen der vielen Dämpfungsfaktoren abgeschnitten. Jetzt bekommen Beamte wieder einen Bonus. Was haben wir nur falsch gemacht?

Renate Rojahn, per E-Mail

Autos sind gefährlicher

3. August: Ab 2019 mehr Rad­ler-Kon­trol­leure

Keine Frage, auch Radfahrer haben sich an die Verkehrsregeln zu halten, aber um das Thema in Relation zu setzen sei bemerkt, dass 65 Prozent der Unfälle zwischen Radlern und Kraftfahrzeugen durch Autofahrer verursacht werden. Die Todesfälle von Radlern in jüngster Vergangenheit, verursacht durch unaufmerksam abbiegende Kfz-Führer, sind doch wohl noch in Erinnerung. Den Protagonisten für eine Nummernschildpflicht für Radler sei gesagt, dass diese Kfz-Führer auch nicht davon abhält gegen Verkehrsregeln zu verstoßen oder gibt es einen Autofahrer der in der Stadt Tempo 50 fährt? Die Polizei sollte sich in erster Linie um Autos kümmern, denn diese haben ein viel größeres Gefährdungspotential als Radler und Fußgänger. Wann wird denn nun mal nachhaltig gegen Falschparker auf Fuß-und Radwegen vorgegangen?

Matthias Christen, per E-Mail

Keine private Wasserentnahme

3. August: Fischster­ben: Nabu fordert mehr Bäche. Wie Naturschützer die Hitze-Folgen eindämmen wollen. Vorerst keine neuen Fälle

Überall, von der Oberalster bis zur Außenalster, brummen die Pumpen zur Bewässerung der dürstenden Gärten entlang des Alsterlaufs. Die Behörden der Stadt Hamburg müssen spätestens jetzt handeln und die Privatentnahme von Wasser aus öffentlichen Gewässern unterbinden. Angesichts der dramatischen Lage in den Hamburgern Gewässern ist das leider unumgänglich. Mittelfristig muss wohl oder übel eine Gesetzesinitiative auf den Weg gebracht werden, die die gängige Praxis der privaten Wasserentnahme regelt und die spätestens bei extremen Wetterlagen wie derzeit zum Greifen kommt.

Chris Dreyer, Hamburg

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