Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. Juli 2018

Der Grund ist nie das Alter allein

20. Juli: Alt und be­nach­tei­ligt. Ehrenämter, Kredite, Mietverträge: Senioren fühlen sich im Alltag diskriminiert. Ein 84-Jähriger begehrt jetzt auf

Unser Kommentar zu diesem Artikel: Sich auch im Alter zur Wehr setzen und sich für eine Sache einsetzen. Wir versuchen als Verein schon seit elf Jahren das Image und die Einstellung zum Alter positiv zu verändern. In vielen Bereichen des Lebens wird immer noch entweder gesagt „Dafür bin ich zu alt“ oder aber „Dafür sind sie zu alt“. Was hat das Alter mit Aktivitäten, Engagement, Einsatz, Lebensweise, etc. zu tun – gar nichts. Krankheit, finanzielle Mittel, die Lebenssituation können Argumente sein, etwas nicht mehr tun zu können oder tun zu dürfen, aber nie das Alter allein.

Dagmar Hirche, Wege aus der Einsamkeit e.V.

Wir Alten haben wenigstens Zeit

Ich kann Herrn Thielböger nur zustimmen, auch mir hat man das Schöffenamt mit Bezug auf mein Alter verwehrt. Aber auch die Ehrenämter sind zum Teil sinnlos und nervig nach dem Motto, die Alten haben sowieso nichts Besseres zu tun. Es zählt mehr, wie lang man dabei ist als das was mein leisten oder bieten könnte. Derzeit begegne ich Altersdiskriminierung, wo ich es nie vermutet hätte: bei den Tierschutzvereinen. Ich habe beleidigende Mails erhalten ob meiner Dreistigkeit einen älteren Hund zu mir nehmen zu wollen. Verlangt wird in einer Selbstauskunft eine präzise Darstellung der Lebenssituation einschließlich Personalausweisnummer, sowie auch der finanziellen Situation und ein Lichtbild – fehlt nur noch eine Schufa-Auskunft und ein polizeiliches Führungszeugnis. Als wenn jüngere Menschen nicht auch verunglücken oder sterben könnten. Wir Alten haben wenigstens genügend Zeit für die Hunde, aber das zählt wohl nicht. Auch soll man das Tier lediglich auf dem Bild „bestellen” – es wird dann eingeflogen für viel Geld – und nicht zu vergessen die Vorabkontrolle der Häuslichkeiten.

Monika Hencken, Hamburg

Verpackungen haben auch Vorteile

17. Juli: Kampf dem Ver­pa­ckungs­wahn. Junge Hamburger Umweltschützer zeigen mit Supermarkt-Aktion, wie viel Plastikmüll beim Einkaufen anfällt

Es ist eine nette Aktion, wenn Hamburger UmweltschützerInnen mal ihren Einkauf „entkleiden“. Aber was zeigt so eine einmalige Aktion, was nicht schon bekannt ist? Man sollte die jungen Menschen mal drei Wochen lang beim Einkauf begleiten. Vielleicht spüren sie Alternativen auf oder resignieren. Wie viel Wasser wird zum Beispiel für die Reinigung der vielen Behälter verbraucht? Wirklichkeitsnaher wäre allerdings, eine junge Familie mit zwei kleinen Kindern zu begleiten. Dann sieht man, welche Vorteile Verpackungen haben. Ich habe eben bei den Johannisbeeren auf die Kunststofftüte verzichtet mit dem Ergebnis: Während des Transports haben sich die Beeren im Korb verteilt.

Peter Fritz, per E-Mail

Jeder Pfifferling wird geprüft

Leider haben viele Verbraucher die Angewohnheit zum Beispiel Obst und Gemüse sehr sorgfältig auszusuchen und jeden Pfifferling, jeden Apfel und jede Pflaume genauestens zu prüfen. Ich finde das nicht sehr angenehm und unhygienisch. Deswegen: Entweder auf dem Markt oder doch verpackt kaufen.

Michael Eilers, Hamburg

Schuld hat nicht nur das Handy

19. Juli: Handys weg! und Bä­der­land: El­tern ­müs­sen ­mehr aufpassen

Die Hauptursache für die zunehmende Abwendung der Eltern von ihren Kindern ist leider nicht das Handy, sondern die Ausrichtung der Kinderkarren. Dabei sollte eigentlich jeder wissen, dass Kinder – ganz besonders die kleinen – eine hohes Maß an Zuwendung, an Blickkontakt benötigen, um sich angstfrei entwickeln zu können. Doch für die Industrie ist es so einfacher und gern erzählt man den Eltern die Mär davon, dass die Lütten nicht früh genug damit anfangen können, die Welt zu entdecken. Wenn das Karreschieben nicht mehr ganz so langweilig wäre, man die Kleinen an- bzw. in die Augen sehen könnte, bliebe mit Sicherheit auch so manches Handy in der Tasche, denn das, was man dann sehen und erleben kann, ist wahrhaft bereichernder, und es würden sich wieder engere Beziehungen zwischen Eltern und Kindern aufbauen als dies derzeit zu beobachten ist.

Edith Aufdembrinke, DAGO Kinderlobby e.V.

Verlust an Individualität

18. Juli: Weniger Passanten in Hamburgs Ein­kaufs­s­tra­ßen

Es liegt nicht an der einfallslosen Architektur oder dem Busverkehr. Der Käuferschwund ist eine Folge der rigorosen Vernichtung von Parkplätzen in der Innenstadt. Außerdem ist Dank einer wenig vorausschauenden Politik immer mehr Konkurrenz in unmittelbarer Nähe entstanden oder in Planung. Hinzu kommt, dass der Online- Handel den Warenhäusern immer mehr das Wasser abgräbt. Und wenn ein Geschäft schließt, entsteht dort der nächste Fastfood-, Burger- oder Snackladen. Dieser Prozess ist leider auch seit Jahren in Hamburgs Innenstadt zu verfolgen, deren Angebot an Geschäften zusehends an Individualität verliert und damit austauschbar wird.

Martin Wucherpfennig, per E-Mail

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