Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 12. Juli 2018

CSU setzt Gleichgewicht aufs Spiel

11. Juli: Seehofers eigene Agenda. Der Innenminister sorgt wieder einmal für Irritationen

Es ist ärgerlich und schädlich, dass in den Berichterstattungen immer der Streit zwischen CDU und CSU genannt wird. Dabei ist es seit geraumer Zeit die CSU, die unverantwortlich und aus purem Eigennutz ein gewisses Gleichgewicht der Kräfte aufs Spiel setzt. Frau Merkel hingegen hat sich bei all den Anwürfen, die eine Entlassung Seehofers gerechtfertigt hätten, immer würdig und höflich verhalten, was mir viel Respekt abnötigte. Statt sich jetzt leise zurückzuziehen, werden die fragwürdigen Ergebnisse dieses Streits großmäulig der CSU gutgeschrieben. Und die Katze lässt noch immer das Mausen nicht. Jetzt fällt Seehofer der Kanzlerin schon wieder in den Rücken. Was muss denn noch alles passieren, damit dieser Egomane endlich den Hut nehmen muss?

Christian Fischer, per E-Mail

Gehört die Nachricht auf den Titel?

11. Juli: Wie regiert man mit Zwillingen?

Als langjährige Abendblatt-Leserin frage ich mich allen Ernstes, ob eine solche Nachricht unbedingt und dann auch noch auf Ihrer Titelseite nebst Folgeseite erfolgen muss. Es ist für Frau Fegebank sicherlich eine glückliche und beglückwünschenswerte Tatsache, mit Zwillingen schwanger zu sein, aber, dass sich nunmehr die Hamburger Politik fragen soll, wie man mit diesem „Umstand“ regiert, ist zu viel des Guten. Ich denke, dass sich die gewählten Politiker, auch in der Sommerpause, wichtigeren Fragen stellen sollten, als der von Ihnen suggerierten.

Birgitta Müller, per E-Mail

Entlastung für die Innenstadt

11. Juli: Stop­pen Nach­barn Ha­fenCity-Ein­kaufs­zen­trum? Woh­nungs­ei­gen­tü­mer wollen das Mil­li­ar­den­pro­jekt ver­hin­dern

Ich habe schon vor Jahren über das Projekt in der HafenCity gelesen. Von Widerstand war damals nichts zu lesen. Jetzt, nach Beginn der Bauarbeiten regt sich der Widerstand der Bürger. Der Gesamtkomplex ist doch gut durchdacht: Wohnungen, Büros, Hotels, Einkaufszentrum und Parkhaus. Klar entsteht da Verkehr. Hamburg ist aber eine Stadt des Handels und grüne Ruheoasen sind besser außerhalb der Stadt zu finden. Im Übrigen ist so ein Einkaufszentrum mit Tiefgaragenplätzen ein sinnvoller Ausgleich zur Hamburger Innenstadt, in der das Parken durch Poller und Parkbänke immer mehr verhindert wird. Der Einzelhandel leidet jetzt schon darunter. Das Einkaufszentrum in der HafenCity ist da eine willkommene Entlastung. Einzelinteressen einiger Bewohner müssen da hinten angestellt werden.

Wolfgang Knobel, Drage

Orwell lässt grüßen

11. Juli: 40 neue Hilfs­po­li­zis­ten gegen Ver­kehrs­sün­der in Hamburg

Die Hilfspolizisten sollen also gegen Verkehrs- und Müll-„sünder“ vorgehen, gegen Wirte, die ihre Tische auf die Straße stellen, gegen Bürger, die bei Rot die Straße überqueren, und das Beste an der Sache ist: Sie kostet nichts, denn die Hilfssheriffs spielen ihr eigenes Gehalt leicht wieder ein, durch Bußgelder nämlich. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Denn auf einmal ist keine Rede davon, dass nur an Unfallschwerpunkten kontrolliert wird. Wo werden wohl die Hilfspolizisten kontrollieren, wenn sie ihr eigenes Gehalt einspielen und darüber hinaus etwas für die Stadtkasse erwirtschaften sollen? Die Verbieter, Überwacher und Kontrollierer von Rot-Grün schlagen zu, und Orwell lässt grüßen.

Dr. Rita Knobel-Ulrich, Drennhausen

Keine Konzerte mehr in der Woche

5. Juli: Fangt endlich pünktlich an! Eric Clapton und die nervigen Verspätungen der Rockstars

Ihr Bericht ist zwar schon eine Woche her, aber es ist mir ein Bedürfnis, Ihnen meine Zustimmung für Ihren Kommentar auszudrücken. Sie haben soooo recht. Wir haben uns in den letzten Jahren über zwei Konzerte geärgert, die wegen Vorgruppe (was vorher nicht bekannt war) und Umbaupause etwa anderthalb Stunden später angefangen haben. Das eine Konzert waren die Eagles, bei solch teuren Karten extrem ärgerlich, das andere war Dan Reed. Dieses fantastische Konzert haben wir bereits nach einer halben Stunde verlassen müssen, da schon viel mehr als die eingeplante Zeit verstrichen war. Auch ärgerlich ums Geld. Die Musiker scheinen den Bezug zur Lebenswelt ihrer Zuschauer komplett verloren zu haben, anders ist eine solche Verspätung bei Konzerten, die auch noch mitten in der Woche stattfinden, nicht zu erklären. Meine Konsequenz: Keine Konzertbesuche mehr in der Woche, egal, wie groß meine Begeisterung für den oder die Musiker ist.

Christine Pagel, per E-Mail

Wichtige kulturelle Stimme

6. Juli: ,S­hoah‘-Re­gis­seur ist tot. Der Dokumentarfilmer und Autor Claude Lanzmann starb mit 92 Jahren in Paris

Vielen Dank für den Artikel zum Tode von Claude Lanzmann. Während sein Tod in Frankreich zu einer erneuten positiven Auseinandersetzung mit dem Werk und vor allem dem Leben dieses großen französischen Intellektuellen geführt hat, war die Pressereaktion in Deutschland nicht angemessen. Schon als Jugendlicher im Kampf gegen die Nazis in der Résistance aktiv, als Herausgeber der legendären linken Zeitschrift „Les temps modernes“ war Lanzmann schon vor seinen Filmen eine wichtige Stimme in der europäischen Kultur. Seine Filmprojekte – vor allem über die Shoah – vermehrten seine Bedeutung und werden ihn lange überdauern. Diese Filme sind heute aktueller denn je – in einer Zeit, in der Juden und Israelis sich in Deutschland nicht mehr sicher fühlen können, weil sie durch Neonazis, radikale Muslime und Pseudolinke bedrängt werden. Es ist daher sehr verdienstvoll, dass das Hamburger Abendblatt an diesen großen Mann erinnert.

Dr. Matthias Soyka, Hamburg Bergedorf

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