Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. Juli 2018

Die Kritik geht zu weit

5. Juli: Daniel Günthers Ab­rech­nung mit der CSU

Die Hybris des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten ist schon seit längerem offenkundig. Bei allem Ärger über den Zustand der Koalition in Berlin und dem Verhältnis der Schwesterparteien läuft die Schuldzuweisung in Anbetracht einer Politik, die sich seit September 2015 in der Bedienung von Einzelschrauben verliert, statt zu erkennen, dass es sich bei der „Flüchtlingskrise“ um eine Völkerwanderung handelt, die ganz andere Maßnahmen erfordert, fehl. Und wenn es in Schleswig-Holstein, fernab der bayerischen Grenze und damit von den Zuwanderungsströmen in den letzten Jahren, zurzeit einigermaßen kommod ist, sollte man sich nicht zu früh freuen und mit der Kritik nicht zu weit springen. Es ist sicher schön, dass die hiesige CDU wieder an der Spitze einer Regierung ist. Sie ist hinsichtlich der Landesgröße und der Wahlergebnisse im Vergleich zur CSU eher ein kleineres Licht und im Gegensatz zur bayerischen Schwester auch Lichtjahre von einer absoluten Mehrheit entfernt.

Peter Schmidt, Wedel

Ein Stück Hamburg verschwindet

5. Juli: Rahls­ted­ter Freibad zieht um. Das Hallenbad an der Rahlstedter Bahnhofstraße soll ausgebaut werden

Und wieder verschwindet ein Stück altes Hamburg. Und das neue Hallenbad mit dem Ende des Rahlstedter Freibades samt der Zerstörung von knapp 30.000 Quadratmetern Landschaftsschutzgebiet wird uns nun auch als große Wohltat für den massiv bebauten Stadtteil verkauft. Gut, dass man die Kinder von heute – mit elektronischen Geräten ausgestattet – auf kleinstem Wohnraum unterbringen kann.

Sven Beeck, Hamburg-Rahlstedt

Langbusse für Reiherstiegviertel?

4. Juli: Hamburg baut Nah­ver­kehr aus: Längere U-Bah­nen, größere Busse. Bürgermeister Peter Tschentscher verspricht: ,Kapazitäten steigen um bis zu 30 Prozent‘

Aus welchem Hut möchte denn Herr Tschentscher die nötigen S-Bahn-Züge zaubern? Bis Dezember stehen bestenfalls acht Fahrzeuge zur Verfügung. Das mag für die Langzüge der S2 oder der S11 reichen. Mit den 12 weiteren Fahrzeugen ab Dezember 2019 wird die S3 mit viel Glück mit Langzügen fahren. Aber mehr ist bisher nicht bestellt, trotz Aufforderung durch die Bürgerschaft. Auch habe ich bisher keinen 21 Meter langen Bus auf der Linie 13 durchs enge Reiherstiegviertel fahren sehen. Sind denn die zusätzlichen Polizisten zur nötigen Verkehrsregelung bereits eingestellt? Die Kapazitätsausweitung im HVV ist zwingend für die wachsende Stadt. Vielleicht mag sich der Bürgermeister dazu einen zuständigen Senator suchen, der etwas von Bussen und Bahnen versteht?

Mathias Bölckow, Hamburg

Am Stadtrand nur im Stundentakt

Zum Winterfahrplan sind also im öffentlichen Nahverkehr viele Verbesserungen geplant, die die HVV-Kunden überzeugen sollen. Leider profitiert wieder einmal nur der innerstädtische Bereich von diesen Verbesserungen. Verbesserungen in den Randgebieten sind auch dieses Mal nicht geplant. Auch wir wohnen in Hamburg, zahlen unsere Steuern, mit denen der öffentliche Nahverkehr großzügig unterstützt wird. Unser Bus der Linie 120 fährt nach wie vor im Stundentakt. Es muss doch möglich sein, zumindest in den Morgen- und Abendstunden den Bus im 30-Minuten-Takt fahren zu lassen und zu Abfahrtzeiten, die ein pünktliches Erscheinen am Arbeitsplatz ermöglichen. Es sollte sich auch einmal um Verbesserungen in den Randgebieten von Hamburg gekümmert werden.

Rüdiger Duckstein-Reimer, Hamburg

Pflegende Angehörige entlasten

4. Juli: 35.000 Pfle­ge­kräfte gesucht. Drei Bundesminister wollen die Bezahlung und die Arbeitsbedingungen von Fachpersonal verbessern

Alles, was die professionelle Pflege stärkt, ist zweifelsohne zu begrüßen. Doch der konzertierte Fünf-Punkte-Plan des Trios Giffey, Heil und Spahn greift immer noch zu kurz, um den Pflegenotstand in Deutschland wirklich zu beseitigen. Das zeigt sich auch daran, dass wieder einmal der weitaus größte Teil der Pflegenden unter den Teppich gekehrt werden soll: Die ehrenamtlich pflegenden Angehörigen. Über 3,3 Millionen pflegebedürftige Menschen gibt es laut Bundesgesundheitsministerium in Deutschland, Tendenz steigend. 76,4 Prozent von ihnen werden zu Hause gepflegt, rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, ganz allein oder mit minutenweiser Unterstützung ambulanter Pflegedienste. Sehr viele von ihnen geben dafür ihren Beruf auf, verschleißen ihre Gesundheit, geraten in die soziale Isolation und schliddern geradewegs in die Altersarmut. Und das alles unbezahlt und mit der Aussicht auf eine mickrige Rentenerhöhung. Um die Pflege in Deutschland wirklich menschenwürdig – für Pflegebedürftige und Pflegende – und anständig bezahlt zu gestalten, braucht es ein paar mehr Punkte im Plan der konzertierten Aktion: Bedarfsgerechte Entlastung für die pflegenden Angehörigen und eine anständige soziale Absicherung gegen Armut gehören dazu.

Carin Schomann, Hamburg

Gepäck verspätet – Gutschrift

4. Juli: Warum immer mehr Jets nach 23 Uhr landen. Air­­port-Chef Michael Eg­gen­schwi­ler über das Warten auf den Koffer

Flughafen-Chef Eggenschwiler hat den Anspruch, dass nach 30 Minuten der erste Koffer auf dem Gepäckband ankommt. Es geht aber noch deutlich besser. Die zweitgrößte Airline der Welt, Delta Airlines, gibt auf ihrer Homepage ein Versprechen. Falls der Zeitraum ab Öffnung der Türen des Flugzeugs bis zum ersten Koffer auf dem Gepäckband länger als 20 Minuten dauert, erhält der Kunde 2500 Meilen auf seinem Vielfliegerkonto. Und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Zeit auch eingehalten wird. Eine Meilengutschrift war für mich niemals notwendig.

Bernd Glodek, Hamburg-Schnelsen

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.