Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 2. Juli 2018

Noch viele offene Fragen

30. Juni/1. Juli: Hat Merkel in Brüssel genug erreicht? EU-Gipfel einigt sich auf eine Verschärfung der Migrationspolitik

Nein, sie hat nichts erreicht. Es gibt noch viele offene Fragen. Der nordrhein westfälische Ministerpräsident lobte das Ergebnis. Welches Ergebnis? Es gab kein Ergebnis. Alles steht auf weiter so und wir schaffen das. So werden wir es aber nicht schaffen.

Hans-Peter Hansen, Hamburg

Verfrühte Jubelschreie

Die üblichen Jubelschreie über angebliche Bilateralerfolge zur Migrantenpolitik von Merkel in Brüssel sind verfrüht. Ein Rücknahmeabkommen mit Griechenland, das wirtschaftlich an Deutschlands Tropf hängt, ist keine Sensation, aus Spanien kommen sowieso nicht viele Migranten nach Deuschland. Und was ist mit den anderen 26 EU-Staaten? Wie sagt man so schön: Der Berg kreißte und gebar eine Maus.

Dr. med. Dietger Heitele, Hamburg

Zeitverträge sind ein Skandal

28. Juni: Uni-For­scher bangen um ihre Jobs. 160 Wissenschaftler von Drittmittelbefristungen betroffen – mehr als ein Dutzend Forscher mussten schon gehen

Was passiert, wenn Institutionen von Zahlen getrieben anstelle von Köpfen gelenkt werden, macht die Hamburger Uni gerade deutlich. Weder Forschung noch Lehre noch Bildung – derer sich die Universität laut der Inschrift über dem Eingang zum Hauptgebäude verpflichtet fühlen sollte - können sich ohne die richtigen Menschen an den richtigen Orten exzellent entwickeln. Wer, wenn nicht die Wissenschaftler des Mittelbaus bilden das Fundament für die akademische Infrastruktur, die der rot-grüne Senat so gerne ausbauen möchte? Aber Forschung, Lehre und Bildung sind mehr als Labore oder Gebäude. Dass sich Wissenschaftler in Hamburg von Zeitvertrag zu Zeitvertrag hangeln müssen, ist ein Skandal. Mit der Politik, die die Hamburger Regierung betreibt, wird die Stadt jedenfalls nicht zu einer internationalen Wissenschaftsmetropole.

Melanie Lange, per E-Mail

Existenzangst durch Zeitverträge

Der Artikel macht mich fassungslos. Die Bildung und Forschung wird in Sonntagsreden immer als wichtigster Baustein unserer Wettbewerbsfähigkeit benannt und dann erfährt man, dass die Beschäftigungssituation der Forscher noch prekärer ist, als in der freien Wirtschaft. Dort ist die Befristung auf maximal zwei Jahre begrenzt. Wie viele der wissenschaftlichen Mitarbeiter müssen bundesweit regelmäßig um ihre Existenz fürchten? Der Fachkräftemangel wird allerorten beklagt und gleichzeitig sind die Universitäten nicht in der Lage eine Lösung zu finden, um ihre langjährigen Fachkräfte zu halten und mit anständigen Verträgen auszustatten? Es macht mich traurig, dass der schwarze Peter zwischen Politik und Universitätsverwaltung hin und her geschoben wird, während den Beschäftigten im Mittelbau der Forschung der Boden unter den Füßen wegbricht.

Rolf Jahnke, Hamburg

Besorgniserregende Entwicklung

Mit Bestürzung habe ich den Artikel gelesen. Die Hansestadt Hamburg sieht sich als Innovations- und Wissenschaftsstandort und will sich auch international mit diesem Ruf etablieren. Gleichzeitig sollen Wissenschaftler, die diese Innovationen vorantreiben und zudem noch Mittel für die Universität einwerben, an der sie forschen, aber nicht weiterbeschäftigt werden. Das ist bestenfalls paradox – aber vor allem besorgniserregend und empörend.

Susanne Walloschek, per E-Mail

Der Bahnkunde wird nass

29. Juni: Dänen entwerfen neuen Bahnhof. Internationaler Wettbewerb ist entschieden. Das Büro C. F. Møller Architekten erhält den Zuschlag

Die Entscheidung ist gefallen. Hamburg bekommt einen weiteren Leuchtturm. Am Diebsteich für mehrere Hundertmillionen Euro. „Eine städtebaulich adäquate Lösung für den zweitwichtigsten Bahnhof Hamburgs“, findet Stadtentwicklungsexperte Dirk Kienscherf (SPD). Mit viel Glas und viel Grün. Aber wurde dabei auch an die Nutzer des Bahnhofs gedacht? An die eigentliche Bestimmung eines Bahnhofs? Da lässt die Bahn ihre Kunden buchstäblich im Regen stehen. Eine durchgehende Bedachung der Bahnsteige ist nicht geplant. Das sei zu teuer. Da Hamburg viele Monate im Jahr nicht gerade sonnenverwöhnt ist und hier nicht nur der Regen leise von oben rieselt sondern oft gepaart ist mit Wind, Sturm, Hagel und Schnee, selbst Unwetter kommen gelegentlich vor, werden viele Bahnkunden durchnässt in die Bahn steigen müssen und sich überlegen, ob sie nächstes Mal lieber das Auto nehmen. Obendrein soll es keine direkte Anbindung an Hamburgs Westen geben. Das bedeutet dann wohl, dass alle aus dem Westen kommenden Bahnkunden mit Sack und Pack schon in Altona einmal umsteigen müssen, um überhaupt erst mal zum Fernbahnhof zu kommen. Dort werden sie kaum Sinn haben für die Schönheit der Eingangshalle, wenn sie gleich dem widrigen Wetter auf den Bahnsteigen ausgesetzt sind. Die Deutsche Bahn sollte sich vorrangig als Dienstleister für ihre Kunden verstehen, ihnen die Nutzung der Züge so angenehm und komfortabel wie möglich machen.

Karin Lesser, per E-Mail

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