Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 28. Juni 2018

Eine ,bahnbrechende‘ Idee

27. Juni: Richtig schreiben lernen!

Man hat lange auf eine bahnbrechende Idee des Hamburger Schulsenators warten müssen. Jetzt ist sie da: Die Kinder sollen in der Schule lesen und schreiben lernen. Einfach genial.

Peter Kröncke, per E-Mail

Mehr Lernprogramme für Kinder

Richtig: Üben, wiederholen und testen sind die Schlüsselbegriffe für das Erlernen der Schriftsprache, und die sollte jeder, der unsere Bildungseinrichtungen besucht, mit 14 Jahren beherrschen. Da gibt es jetzt für die Schüler sogar deutlich mehr – vielleicht noch nicht ausgeschöpfte – Anreize als früher: durch neue methodische Ansätze mit individualisierten Lernprogrammen und dem Rechtschreibkorrekturprogramm. Aber auch nicht verschweigen darf man die besonderen Herausforderungen von Städten mit hohem Ausländeranteil und sozialen Problemen. Ein Vergleich mit Regionen ohne geballte sprachliche und soziale Defizite verbietet sich fairerweise. Sonst endet das Ganze mal wieder in einer ungerechten Lehrerschelte.

Uwe-Carsten Edeler, Hamburg

Mehr politische Debatten!

27. Juni: Bundespräsident Frank-Walter Stein­meier beklagt den Asyl-Streit zwischen CDU und CSU

Ich möchte Herrn Steinmeier zurufen: Hurra, es wird wieder gestritten. Noch besser wir hätten die Debatte überall, angefangen im Parlament und den Medien. Seit drei Jahren hat unsere Demokratie in manchen Phasen Ähnlichkeiten mit China oder Nordkorea. Die Kanzlerin entscheidet ohne Parlament und Nachbarstaaten einzubinden. Eine hochbrisante Stellungnahme des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages wird ganz überwiegend verschwiegen. Diese Stellungnahme hätte vor der Bundestagswahl öffentlich diskutiert werden müssen. Stattdessen wird ganz jede Diskussion abgewürgt, Kritiker werden als rechts oder gleich als Nazis diffamiert. Unsere besten Philosophen werden nach erster Kritik als nationalkonservativ ausgegrenzt. Und dann wird noch höhnisch behauptet, wir hätten doch Meinungsfreiheit. So findet man keine guten Lösungen für große Probleme. Bitte mehr Streit in der politischen Debatte.

Udo Kellermann, per E-Mail

Strecke mit bekannten Schwächen

27. Juni: DB will mehr Geld für die marode Marsch­bahn ausgeben

Wer die Bahnstrecke Hamburg-Westerland regelmäßig nutzt, weiß schon seit Jahren, wo ihre Schwächen liegen: Die Strecken zwischen Hamburg und Elmshorn und Niebüll und Westerland sind chronisch überlastet. Verspätungen sind an der Tagesordnung, verpasste Anschlüsse sehr ärgerlich. Dafür sind zwei politische Fehlentscheidungen mitverantwortlich: Prekär wurde es mit der Ausschreibung des Autozugverkehrs zur Insel Sylt. Leider wurde nicht die Option der Ausschreibung an nur einen Betreiber gewählt, wie es bei den Nahverkehrsleitungen der Fall ist, sondern der „freie Wettbewerb“. Deshalb gibt es seit zwei Jahren ein umfangreicheres Angebot an Autozügen, die aber alle freien Trassen der weitgehend eingleisigen Strecke zwischen Westerland und Niebüll besetzen. Jede kleine Störung kann dadurch weitreichende Folgen für den gesamten Fahrplan haben. Der Markt regelt den Verkehr? Der im letzten Jahr verabschiedete Bundesverkehrswegeplan hat diesem Zustand in keiner Weise Rechnung getragen. Für die genannte Strecke wurde lediglich für die Strecke Niebüll-Klanxbüll „potenzieller Bedarf“ zugestanden, was so viel heißt, wie „kann wegfallen“. Die Elektrifizierung der gesamten Strecken, um die an der Nordseeküste geerntete Windkraft zu nutzen, wurde überhaupt nicht in Erwägung gezogen. Was hätte man da an Schadstoffemissionen vermeiden können.

Matthias Reuter, Hamburg

Zulagen für die Großstadt

25. Juni: Mehrheit der Hamburger Po­li­zis­ten wohnt nicht in Hamburg. Beamte leben aus mehreren Gründen über­wie­gend im Umland

In den 1970er-Jahren bekamen die Beamten in Städten wie Hamburg und München eine Großstadtzulage (bei mir waren es monatlich DM 150) um mit den in der Wirtschaft gezahlten höheren Gehältern mitzuhalten, die aber nach einigen Jahren Sparmaßnahmen zum Opfer fiel. Viele Konzerne stellten damals für ihre Arbeitnehmer günstige Dienstwohnungen zur Verfügung. Irreführend ist in dem Artikel die Feststellung, Lehrer würden „deutlich mehr verdienen“: Sie bekommen das gleiche Gehalt wie alle anderen, nur gehören sie mit mindestens acht Jahren Ausbildungszeit allesamt dem höheren Dienst und damit der höchsten Qualifikationsstufe und Besoldungsstufe an. Die Bezüge im öffentlichen Dienst wurden im Lauf der Jahre kontinuierlich und unauffällig weiter gekürzt durch die Streichung von Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld und Erhöhung der Selbstzahlungen bei der Krankenversorgung.

Ruth Wirth, per E-Mail

U-Bahnwaggon für Fahrräder

26. Juni: Hochbahn kündigt Umbruch im Nahverkehr an. Verkehrsunternehmen setzt auf Elektrobusse und mehr Service

Steigerung der Fahrgastzahlen, passgenaues Mobilitätsangebot, kundenfreundliche Informationseinrichtungen und Streckenausbau – alles erfreulich positiv, was der HVV zu vermelden hat. Aber warum bitte ist für den HVV die Einrichtung von einem U-Bahnwaggon nur für Fahrräder und Radfahrer immer noch kein Thema? Die separate Beförderung der Räder böte allen Fahrgästen doch endlich mehr Fahrkomfort, würde mehr Rad- und Autofahrer auf die U-Bahn umsteigen lassen und möglicherweise das Defizit noch weiter verringern. Denn bei einem solchen Angebot wären Fahrgäste vermutlich sogar bereit, eine geringe Transportgebühr für die Mitnahme des Fahrrads zu zahlen. Und man könnte sich die lästigen Sperrzeiten für die Mitnahme der Räder sparen.

Peter M. Lange, Henstedt-Ulzburg

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