Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 21. Juni 2018

Termine nur über SMS oder E-Mail

20. Juni: Warten, bis der Arzt kommt

Zu der Terminvergabe von Privat- und gesetzlich Versicherten gibt es leider noch eine Variante: Es gibt Praxen, die Termine nur über SMS oder E-Mail vergeben. Nun hat ja nicht jeder ein Smartphone oder einen Computer. Der Hinweis, sich an die Ärztekammer zu wenden nützt nicht wirklich, weil der Arzt bei einer Rüge für diesen Patienten nie wieder einen Termin hat. Bei Fachärztemangel ein Problem.

Renate Sparr, ehrenamtliche Betreuerin,

per E-Mail

Schöne Maschinen, toller Sound

20. Juni: Harleys dröhnen am Wo­chen­ende durch die Stadt

Es hätte auch heißen können: Harley-Biker mit ihren schönen Maschinen und tollem Sound besuchen Hamburg. Ja, es wird diese Tage ein wenig lauter in Hamburg. Aber auch ein „Schlagermove“, der Hafengeburtstag oder auch jedes Fußballspiel sind laut. Warum nur immer so eine Welle? Eine Stadt wie Hamburg sollte für möglichst viele und unterschiedliche Veranstaltungen Platz und Toleranz haben. Und schließlich ist es nur ein Mal im Jahr für zwei Tage! Ich jedenfalls gehe gerne auf die „HarleyDays“ zum gucken, hören, staunen und auch Kopfschütteln.

Stefan Runge, Hamburg

Unser Markusplatz in Hamburg

19. Juni: Spektakuläre Pläne für die Alster. CDU will auf dem Wasser zwei neue Promenaden mit Platz zum Flanieren und für Gastronomie errichten

Die vorgeschlagene gastronomische Landgewinnung und formverändernde Reduzierung der knappen Binnenalsterfläche wäre eine sehr befremdliche Stadtbildveränderung. Die kompakte, scharfkantige Binnenalster muss auch weiterhin als Becken im Kontrast zu ihrer großen Schwester, dem See Außenalster ablesbar bleiben. Das wird kein Stadtplaner anders sehen. Man sollte lieber den Fokus auf unseren „Markusplatz“, den Rathausmarkt, richten. Die Bushaltestelle mit ihrem Glasdach- Stahlgewitter könnte mittelfristig einer Markisen beschatteten Café-Trattoria-Zeile weichen. An analoger Stelle befindet sich in Venedig immerhin das weltberühmte Café Florian.

Rüdiger Soll, Hamburg

Alsterblick nicht mehr möglich?

Wer sich die öffentlichen Räume unserer Stadt aneignen will, trifft offenbar auf wenig Widerstand. Da wuchern neue Nutzungen wichtige Blickbeziehungen zu wie Krebsgeschwüre: Öffentliche Toiletten (früher in Verkehrsbauten und öffentlichen Gebäuden), Paketverteilstationen (früher in Postämtern auf Baugrundstücken), Kioske (früher in Verkehrsbauten oder in Ladenflächen), Werbeflächen (früher an der Stätte der Leistung) und nun noch die Randflächen der Alster mit der Aussicht auf ein permanentes Alstervergnügen. Nach dem Foto im Abendblatt völlig ohne Werbung. Wer will denn das durchhalten? Die Idee ist genauso absurd wie der frühere Plan für ein Freibad an der Außenalster. Die Sanierung des Alsterpavillons hat die Finanzbehörde seinerzeit mit der Hergabe öffentlicher Freiflächen beidseits des Pavillons finanziert. Längst ist schmerzhaft zu erkennen, wie diese Wucherungen die wichtigen Blickbeziehungen zur Alster so verstellen, dass von ihr kaum noch etwas zu sehen ist. Will der Senat es zulassen, dass auch die übrigen Ränder der Binnenalster so zugebaut werden, dass den Bürgern und Besuchern der vertraute Blick auf die Alster nicht mehr möglich ist?“

Hans Lafrenz, Hamburg

Vorzüge einer Berufsausbildung

19. Juni: 2500 freie Lehr­stel­len in Hamburg und 19. Juni: Neues Schulfach für Ham­burg

Da kann ich als betroffene Mutter nur sagen: Die Einführung des Schulfachs Berufs- und Studienorientierung in Hamburg wird allerhöchste Zeit, um schwerwiegende politische Fehler aus der Vergangenheit zu korrigieren. Seit Beginn des Bologna-Prozesses in Europa wird deutschen Schülern und Schülerinnen eingeredet, sie müssten unbedingt Abitur machen und danach wenn möglich studieren. Dabei wird außer Acht gelassen, wie erfolgreich die europaweit fast einmalige „Duale Berufsausbildung“ von Ausbildungsbetrieb und Berufsschule in Deutschland junge Leute auf das Berufsleben vorbereitet. Auch danach gibt es großartige Möglichkeiten sich immer weiter zu qualifizieren. Nun sucht man händeringend junge Leute, die die freien Lehrstellen in der Hamburger Wirtschaft besetzen. Und man legt ein Programm wie „shift-hamburg“ auf, mit dem man Studienaussteiger/innen von den Vorzügen einer Berufsausbildung überzeugen möchte, damit es auch in Zukunft noch Handwerker gibt oder Personal, das unsere Pakete verteilt, in Altenheimen und Krankenhäusern arbeitet und unsere Kinder in den Kitas betreut.

Susanne Kruse, Hamburg

Barcelona zum Vorbild nehmen

20. Juni: Hier fahren bald Autos ohne Fahrer. Autonome Testwagen, App für freie Parkplätze, automatischer Ticketkauf: Was Hamburg bis 2020 alles plant

Die Hamburger Pläne können noch nicht ganz überzeugen. Zum einen nützen einige wenige Leuchtturmprojekte von neuen Mobilitätsideen herzlich wenig, solange sich der rot-grüne Senat weiterhin vor einem Gesamtkonzept für eine moderne Verkehrspolitik drückt, wie es etwa beim diesjährigen ITS-Ausrichter (ITS World Congress) in Kopenhagen schon seit Jahrzehnten existiert. Zum anderen fehlt bei den neuen Smartcity-Anwendungen eine strikte Vorgabe dafür, dass die gesammelten Daten selbst in anonymisierter Form komplett in öffentlicher Hand bleiben und nicht zum „neuen Gold“ für die beteiligten Partnerfirmen werden. Deshalb sollte die Politik hier den Rechtsrahmen in jedem Fall noch einmal nachbessern und sich eine Metropole wie Barcelona zum Vorbild nehmen, wo eine solche Regulierung der Digitalisierung bereits Standard ist.

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

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