Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 19. Juni 2018

Tiefgarage im Überseequartier

18. Juni: Hamburg geht gegen Raser vor: Viele neue Blitzer, mehr Kon­trol­len

Unversöhnlich bekämpfen sich die beiden Volksparteien, als ob sie in der Verkehrspolitik noch alte Rechnungen offen hätten. Sie sollten dem Verkehrsexperten Jörg Knieling mehr zuhören, der empfiehlt, in die Innenstadt nicht mehr mit dem Auto zu fahren. Es mutet in dem Zusammenhang anachronistisch an, dass der Senat die neue „Innenstadt“ der Hafen-City, das Südliche Überseequartier, mit einer dreigeschossigen Tiefgarage ausstatten will, als ob hier an der schönen Elbe noch einmal die autogerechte Stadt aus den Nachkriegszeit wiederbelebt werden soll.

Bruno Brandi, per E-Mail

CSU gefährdet Demokratie

18. Juni: Gegner im Asyl­streit. Die Union zerfällt in der Flüchtlingsfrage in zwei Lager

Wissen Söder, Seehofer & Co. eigentlich, was sie mit ihrem Zündeln alles aufs Spiel setzen? Lautet ihre Devise tatsächlich: „Bayern first, Deutschland second“? Wer sich so bei der AfD anbiedert, muss sich nicht wundern, wenn die liberale Demokratie in Deutschland den Bach runter geht.

Ernst Christian Schütt, Hamburg-Lokstedt

Bayerische Plattitüden

In der UN wird Deutschland mit 184 Vertretern von 193 Nationen in den Sicherheitsrat gewählt. Diese politische Hochachtung verdanken wir Frau Merkel und welt- sowie europapolitisch weitsichtigen Mitstreitern. Nun wollen machthungrige Politiker aus Bayern mit engstirnig nationalen – mehr bayerischen – Plattitüden sich parteipolitisch retten und setzen dabei das in Europa und der Welt bewährte analytische Politikwesen Deutschlands aufs Spiel. Sie sympathisieren mit rechtspopulistischen Vertretern wie Victor Orban und der AfD. Und 14 Tage dem politischen Widersacher zu geben, erscheint ihnen zu lang, denn eine europäische Einigung könnte ihnen ja die Butter vom Brot nehmen. Mir sind europa- und weltpolitisch denkende und handelnde Politiker lieber.

Klaus-Henning Becker, Tostedt

Merkel denkt pragmatisch

„Die Kanzlerin ist dafür bekannt, ein Problem vom Ende her zu denken und zu lösen.“ Ich will nicht beurteilen, wie Frau Merkel denkt. Sie handelt jedenfalls nicht strategisch, sondern pragmatisch und nur, wenn es sich nicht vermeiden lässt. Falls sie „vom Ende her“ gedacht hätte, wären uns eine zweimalige überstürzte Energiewende und 2015 die planlose Öffnung der Grenzen ohne Rücksicht auf die Folgen erspart geblieben.

Jens Petersen, Hamburg

Verdiente Niederlage

18. Juni: 0:1 – die große Ent­täu­schung. Schwacher WM-Auftakt gegen Mexiko

Das war alles andere als weltmeisterlich. Die Niederlage gegen Mexiko war mehr als verdient und in der Höhe noch glücklich. Was sich in den Vorbereitungsspielen schon gezeigt hatte, wurde nun bestätigt: Die Abwehr ist unbeweglich, das Mittelfeld ohne Inspiration und der Angriff harmlos. Gegen die wuseligen Mexikaner sahen die Mannen um Manuel Neuer mehrfach alt aus. Nun geht es gegen die kantigen Schweden schon um Alles. Wenn sich die Mannschaft nicht hundertprozentig steigern kann, wird das Unternehmen Titelverteidigung bereits beendet sein, bevor es richtig begonnen hat.

Martin Wucherpfennig, per E-Mail

Ausharren, bis die Scholle schmilzt

16./17. Juni: Wir Bären auf der Eis­scholle. Unsere Welt glich einst einem festen Grund – inzwischen wähnen wir uns ohne festen Halt im Meer des Irrsinns

Ich gebe Matthias Iken recht, dass für die meisten Deutschen Frieden, Freiheit und Wohlstand selbstverständlich sind. Mehr oder weniger gewalttätige Kritiker von rechts oder links nehmen die schweigende Mitte nur als lästiges Übel wahr, dessen sich der Staat anzunehmen hat. Außerdem überschlagen sich die Schreckensnachrichten in den Medien derart, dass die Bürger abstumpfen. Aber wofür soll der brave, anständige Mensch sich stark machen, wenn er nicht einmal stolz auf die Errungenschaften der Deutschen nach dem grausamen Krieg sein darf? Ständig werden ihm die Gräueltaten des Nationalsozialismus vor Augen gehalten, obwohl er zu dieser Zeit noch gar nicht geboren war. Also leben die Bürger der Mitte lieber schweigsam vor sich hin, schwimmen im Mainstream und beschränken sich auf die Lösung ihrer eigenen Probleme. Sie selbst nennen die gegenwärtige Weltsituation ein Meer des Irrsinns. Da bleiben wir doch lieber auf unserer Eisscholle sitzen, bis diese geschmolzen ist. Erst dann suchen sich die Menschen zwangsweise neue Wege.

Christiane Mielck-Retzdorff, per E-Mail

Politikerin mit Weitsicht

14. Juni: Seehofer hat recht. Der Minister wagt den Machtkampf

Merkel weiß, dass das Dublin-Abkommen das Grundübel der europäischen Asylpolitik ist. Es lädt die gesamte Flüchtlingsproblematik bei den Außengrenzenstaaten ab, insbesondere Italien und Griechenland. Dass dies keinen Bestand haben kann, demonstriert Italien gerade. Wie wäre wohl die öffentliche Meinung in Deutschland, was wären die Forderungen Seehofers, wenn Bayern an der Mittelmeer-Außengrenze läge und die anderen Seehofers Europas Deutschland alle Verantwortung nach dem Sankt-Florians-Prinzip zuschieben würden? Deswegen hat Merkel Recht, wenn sie eine gesamteuropäische Lösung fordert. Als Politikerin mit Weitsicht und Verantwortungsbewusstsein für Deutschland und Europa ist ihr klar, dass eine Politik, die mit Tunnelblick auf eine bevorstehende Landtagswahl auf nationale Alleingänge setzt, weder fair gegenüber Italien und Griechenland ist, noch nachhaltig sein kann.

Horst Hecht, Hamburg

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