Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. Juni 2018

Aus dem Herzen gesprochen

14. Juni: Seehofer hat recht

Ihre Gedanken haben mir während des Frühstücks den Ärger über diverse politische Geschehnisse vergessen lassen. Ich bin mit Sicherheit nicht der einzige, dem Sie damit aus dem Herzen sprechen. Sie können sich aber einer größeren Zustimmung sicher sein, als es manche realitätsfernen Politiker für möglich halten. Allerdings müssen Sie nun vermutlich in Kauf nehmen, als rechts eingeordnet zu werden. Oder sich aber mit dem Makel an den Pranger gestellt zu sehen, mindestens latent ein Gedankengut der AfD vertreten zu haben. Leider gibt es in Deutschland in Sachen Flüchtlingskrise zwischen den Meinungspolen Pro und Kontra keine Nuancierungen, vor allem keine zu wählende Partei. Ich wünschte mir, auch in den Video- und Audiomedien einmal einen solch klaren – vor allem realitätsnahen – Standpunkt zu hören. Chapeau!

Jo Brauner, per E-Mail

An der Realität vorbei

Man gewinnt allmählich den Eindruck, dass Frau Merkel nicht mehr in der Lage ist, die Realität als solche wahrzunehmen. Wie kann es sonst geschehen, dass selbst die bisher in Nibelungentreue zu ihr stehende CDU-Fraktion mit großer Mehrheit den Plan von Horst Seehofer unterstützt? Wie kommt sie zu der Überzeugung, dass die anderen EU-Staaten einer gemeinsamen Lösung des Migrationsproblems in ihrem Sinne zustimmen könnten, wenn Kurz, Seehofer und Salvini eine „Achse der Willigen“ bilden wollen und liberale Staaten wie Dänemark und Schweden ihre Grenzen immer schärfer kontrollieren. Wie soll eine europäische Lösung aussehen, wenn die Osteuropäer eine Aufnahme von Migranten strikt ablehnen?

Ernst Mutz, per E-Mail

Ist das deutsche Gerechtigkeit?

14. Juni: Zeit der Buße. Volkswagen muss in der Diesel-Affäre in Deutschland eine Milliarde Euro zahlen

Na toll. VW kauft sich auch in Deutschland frei und die Betroffenen gucken in die Röhre. Deutsche Gerechtigkeit sieht in meinem Rechtsempfinden anders aus.

Ich werde von der Zulassungsbehörde gezwungen, meinem Auto die Software aufspielen zu lassen, obwohl nicht völlig nachgewiesen wurde, dass diese dem Auto nicht schadet, oder es wird zwangsweise vom Kreis stillgelegt. Danke VW dafür! Leider habe ich keine Milliarde Euro, mit der ich mich freikaufen kann.

Andreas Itzenplitz , per E-Mail

Lebensqualität geht verloren

13. Juni: Brennpunkt Jungfernstieg. Am Wochenende überwacht die Polizei rund um die Uhr, was an der Alster passiert

Täuscht der Eindruck, oder konnten die Hamburger Bürger früher unbesorgt auch nach Ladenschluss am Jungfernstieg flanieren und den Sonnenuntergang genießen? Dass die Polizei die Videoüberwachung ausweiten möchte, ist zwar angesichts der geschilderten abendlichen Ereignisse verständlich, trägt aber sicher nicht dazu bei, dass man beschwingt nach dem Shoppingbummel oder dem Theaterbesuch dort verweilen möchte. Leider entsteht der Eindruck, dass immer mehr Orte und Plätze unserer schönen Stadt langsam zu unwirtlichen Gegenden werden. Auch so stirbt die Freiheit und Lebensqualität Stück für Stück. Zusammen mit den heute nötigen Sicherheitskontrollen bei Fanfesten (wie unbeschwert war noch die WM 2006), Weihnachtsmärkten, Konzerten, etc. zeigt sich hier eine sehr ungute Entwicklung.

Klaus Wenzel, per E-Mail

Frühzeitiger informieren

Konzert der Foo Fighters. Viel Lärm, wenige Be­schwer­den

Wer eine Gartenparty mit vielen Gästen und Musik plant, tut gut daran, die Nachbarn über sein Vorhaben frühzeitig zu informieren. Diese können sich darauf einstellen und gegebenenfalls den Abend bei Freunden oder im Kino verbringen. Alle wären zufrieden. Die FKP Scorpio, Ausrichter des Konzerts auf der Trabrennbahn, hat von solchen Gepflogenheiten offensichtlich noch nie etwas gehört. Als Anwohner haben wir erst zwei Tage vor dem Konzert mitbekommen, dass etwas Großes bevorsteht. Mehrere Trucks fuhren auf das Rennbahngelände, im Volkspark waren kilometerweise Absperrgitter aufgestellt. Wer am Sonntagabend zu einer beschaulichen Grillparty eingeladen hatte, oder sich intensiv auf den folgenden Arbeitstag vorbereiten wollte, konnte das vergessen. Die Gäste wären wegen der weiträumigen Absperrungen auch nicht angekommen. Freilich gab es auch diejenigen, die das Konzert kostenfrei im Garten oder im Volkspark genossen haben. Ich finde es in Ordnung, wenn vereinzelt Konzerte auf der Trabrennbahn durchgeführt werden, aber bitte mit frühzeitiger Ansage.

Jürgen Beeck, Hamburg

Längere Schulwege sind zumutbar

8. Juni: An­sturm­ auf Stadt­teil­schu­len – El­tern­räte alar­mie­ren Behörde. Hamburgs Stadtteilschulen haben so viel Zulauf wie noch nie

Sollten viele Eltern tatsächlich endlich einsehen, dass sie ihren Kindern keinen Gefallen damit tun, sie unbedingt aufs Gymnasium zu schicken, obwohl deren Leistungen nur durchschnittlich sind und Grundschullehrkräfte davon abraten? Nun jedoch führt dieser heilige Elternwille zu einem neuen Problem: Er bringt mühsam erarbeitete und erfolgreiche Schulkonzepte einzelner Stadtteilschulen durch hohe Anmeldezahlen in Gefahr. Einem Fünftklässler ist durchaus zuzumuten, längere Schulwege in Kauf zu nehmen, um auf eine Stadtteilschule zu gehen, die noch ausreichend Kapazitäten räumlicher, personeller und konzeptioneller Art hat. Wohin der Elternwille geführt hat, konnte man ja an den rund 700 frustrierten Rückläufern vom Gymnasium sehen. Ich halte es für sinnvoller, die Schulbehörde würde die Schüler nach den strukturellen Gegebenheiten statt nach dem Elternwillen verteilen.

Ina Behrens, per E-Mail

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