Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 14. Juni 2018

Rechtsfreier Raum Jungfernstieg?

13. Juni: Brenn­punkt Jung­fern­stieg. Am Wochenende überwacht die Polizei rund um die Uhr, was an der Alster passiert

Nach einigen unangenehmen Erfahrungen am Jungfernstieg habe ich es aufgegeben, mich dort mit Freunden zu treffen. Es ist unerträglich, wie einer der schönsten Plätze unserer Stadt durch randalierende und provozierende Gruppen eingenommen wird. Die polizeilichen Maßnahmen greifen leider ins Leere, weil der ganze Justizapparat kaputtgespart wurde. Das wissen die betreffenden Gruppen und lachen doch nur über diese Maßnahmen, denen kaum Konsequenzen folgen. Hamburg ist in der Beziehung ein rechtsfreier Raum. Unser Justizsenator sollte sich dem mal nachts am Jungfernstieg aussetzen.

Dietlind Thiesse, per E-Mail

Ein ratloser St. Paulianer

12. Juni: Von der Partyzone zum Welt­kul­tur­er­be? Neues Selbstverständnis für den Kiez durch Unesco-Bewerbung

Nach dem Studium mehrerer Tageszeitungen zum Thema Immaterielles Kulturerbe für den Kiez, also St. Pauli, bin ich als gebürtiger St. Paulianer in Zweiter Generation ziemlich ratlos. Ich kenne noch das Vorkriegs-St.-Pauli, die Zerbombung des Stadtteils, den schwarzen Markt in der Talstraße/Jägerstraße (heute Wohlwillstraße) bis zum Pferdemarkt. Die Kneipen, in denen sich Seeleute aller Nationen tummelten, die Bewohner des Stadtteils, die ihrer Beschäftigung auf dem Schlachthof, auf den Werften und im Hafen nachgingen, alles Dinge von gestern und nicht rückholbar. Heute ist dieser Stadtteil geprägt durch massenhafte Events und immer mehr Touristen, die die Bewohner, auch die der Neustadt, zunehmend nerven. Soll etwa dieser Zustand in einem Weltkulturerbe der UNESCO festgeschrieben werden? Wer hat eigentlich den Nutzen einer solchen Festschreibung? Sind es die Kneipen und sogenannte In-Lokale? Unterstützer wie Olivia Jones und andere leben vom Touristenrummel und haben sicherlich nur ihren eigenen Profit im Auge. Es ist aber nicht im Interesse der Bewohner, wenn immer mehr Horden Betrunkener nachts lärmend durch die Wohnstraßen ziehen.

Ingo Kleist, per E-Mail

Großer Spaß für Beatles-Fans

12. Juni: Be­geis­tern­der Starr-Auf­tritt. Ex-Beatle serviert dem Publikum im Stadtpark ein Hit-Potpourri

Ein glänzend aufgelegter Ringo Starr, eine Band von absoluten Weltklassemusikern, ein tolles Wetter und ein Überraschungsgast zum Schluss (Klaus Voormann): Dieses Konzert war ein großer Spaß für alle Beatles-Fans. Und kaum zu glauben: In zwei Jahren wird der kürzlich zum Ritter geschlagene Sir Richard sagenhafte 80 Jahre alt. Rock on, Ringo!

Michael Zastrow, Hamburg

Senat muss endlich handeln

12. Juni: Iranische Moschee provoziert Stadt

Die Dreistigkeit, mit der zum wiederholten Male Vertreter des islamischen Zentrums gegen vertragliche Vereinbarungen mit dem Hamburger Senat verstoßen, ist kaum zu überbieten. Unsere Hamburger Regierung scheint das nicht zu stören. Anders ist die Untätigkeit des Senats in dieser Sache kaum zu interpretieren. Anstatt die Verträge schon beim ersten Mal zumindest zu stornieren, hat man diese Leute weiter gewähren lassen, deren Gedankengut von Intoleranz, Homophobie, Frauenverachtung, Antisemitismus und Gewalt geprägt ist. Laut Staatsvertrag können Vertreter dieser Moschee sogar Religionsunterricht in unseren Schulen abhalten. Wann wird der Hamburger Senat seiner Verantwortung endlich gerecht und beendet das Treiben dieser verfassungsfeindlichen Einrichtung?

Dr. Gerold Schmidt-Callsen, per E-Mail

Schnelle Entscheidung treffen

11. Juni: Elek­tro­ni­sche Ge­sund­heits­karte steht vor dem Scheitern. Bundesregierung sieht aufwendiges Projekt noch immer in der „Einführungsphase“

Die Einführung einer Elektronischen Gesundheitskarte hat ja schon eine etwas längere Geschichte. Das Vorhaben ist aus meiner Sicht auch gerechtfertigt, um bürokratischen Aufwand zu minimieren im Zeitalter der Digitalitsierung. EDV-Experten hätten jedoch die technische Entwicklung von Smartphones voraussehen können. Noch unverständlicher wird es, wenn man sich die bisher aufgelaufenen Kosten anschaut. Mit alter Technik möglicherweise bis zu 1,7 Milliarden Euro. Wie gehen Politiker mit Geld um, das ihnen nur zur treuhänderischen Verwaltung gegeben wird? Aber wenn die Krankenkassen bereits über Alternativen nachdenken bzw. praktizieren, dann trifft auch sie eine Mitschuld. Und die Selbstverwaltungen sind meines Erachtens überfordert. Da kursieren so viele unterschiedliche Meinungen.Es ist nur zu hoffen, dass bald eine klare und richtungsweisende Entscheidung getroffen wird und nicht noch weiteres Geld verbrannt wird.

Helmut Pingel, per Mail

Jeder kann die Umwelt schützen

9./10. Juni: Eine Woche ohne Plastik. Was ein Abendblatt-Redakteur bei seinem Selbstversuch erlebte

Es ist nie zu spät damit anzufangen, Plastik einzusparen. Es ist mühsam, weil die Plastiklobby sehr gute Arbeit geleistet hat, genau wie die Zuckerlobby. Und wir als Verbraucher sind sehr bequem. Ich verstehe nicht, dass so viele Plastikflaschen mit Wasser gekauft werden, obwohl wir in Hamburg gutes Trinkwasser in der Leitung haben. Auch die ganzen Zuckergetränke sind überflüssig. Wenn wir darauf verzichten würden, wäre der Plastikflaschenberg auch schon sehr viel kleiner, die überflüssigen Kilo würden sich verflüssigen und Karies wäre nur ein kleines Problem. Es ist auch schwer, Kleidung aus nachwachsendem Material zu kaufen. Das Angebot ist teuer und die Verkäufer gucken skeptisch, wenn ich Sportshirts aus Baumwolle suche. Jeder kann seinen Teil dazutun, dass wir in einer sauberen Welt leben.

Gudrun Perlbach, Hamburg

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