Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 6. Juni 2018

Danke für die sonntägliche Ruhe

4. Juni: Blackout im Flughafen. Und plötzlich ging nichts mehr. Gestern um neun Uhr brach das Chaos über den Hamburger Airport herein

Also, ich habe den Blackout sehr genossen. Diese Ruhe. Durch die Instandhaltungsarbeiten der Start- und Landebahnen war der Fluglärm in letzter Zeit über dem Stadtparkgebiet oder in Barmbek beträchtlich. Deshalb war die sonntägliche Ruhe ein Genuss. Wegen einer Großbaustelle ist zudem unsere Straße aktuell keine Durchgangsstraße und auch viel ruhiger. Es ist erstaunlich, wie viel mehr Lebensqualität es bedeutet, wenn Auto- und Fluglärm wegfallen. Ich wünsche mir, dass dieser Aspekt bei den Hamburger Städteplanern Berücksichtigung findet.

Birke Kleinwächter, per E-Mail

Sinnlose Sicherungsmaßnahme

Auch ich war von dem Blackout betroffen und komme mit 24 Stunden Verspätung nach Hamburg zurück. Das Kommunikationschaos war auch bei meinem Zwischenaufenthalt in Helsinki zu spüren, pure Nichtkommunikation. Richtig wütend macht aber, wenn die Flughafensprecherin mitteilt, dass es nicht erlaubt wäre, Starts und Landungen zuzulassen, wenn die Stromversorgung nur noch an dem Notaggregat hängt. Da fragt man sich doch, warum der Betrieb mit einem solchen Notfallsystem erlaubt ist, das im Notfall gar nicht eingeschaltet werden kann, sondern sogar abgeschaltet werden muss? Wer genehmigt einen solchen Unsinn und wer überprüft solche anscheinend sinnlosen Sicherungsmaßnahmen? Gewiss ist nur, Politik und Flughafen-(Miss)-Management werden auch dies auf außergewöhnliche, nicht vorhersehbare Umstände zurückführen, wie beim Kofferchaos, dann ungerührt zur Tagesordnung übergehen und wir Passagiere werden dies leider auch weiterhin klaglos hinnehmen. Bis zum nächsten Mal.

Dr. Horst Braunwarth, per E-Mail

Niendorf – Paradies ohne Fluglärm

Ich sage nur Danke. Danke für einen paradiesischen Sonntag im Garten, ohne Fluglärm. Danke für eine tiefenentspannte Nacht, ohne Fluglärm. Kein lästiges Aufwachen mitten in der Nacht, weil irgendwelche „Bewegungen“ am Flughafen ein Weiterschlafen unmöglich machen. Danke dafür, dass bei diesen sommerlichen Temperaturen Fenster und Türen geöffnet werden konnten, ohne dröhnende Turbinengeräusche. Danke, dass ich endlich einmal ausschlafen konnte. Statt Maschinenlärms um kurz nach sechs, der uns täglich gnadenlos aus dem Schlaf reißt, herrschte Stille. Nur der fröhliche und hinreißende Gesang der vielen Vögel in unserem Garten war zu hören. Und es stank nicht nach Kerosin. Ein Gefühl wie im Paradies – für einen einzigen Tag. Wir leben im wunderschönen grünen Niendorf, leider zu weit von den offiziellen Fluglärmzonen entfernt, um in den Genuss von geförderten Schallschutzmaßnahmen zu kommen. Schade. Dafür gibt es ja aber das neue Dieselfahrverbot, um ein paar Menschen in zwei Straßen in Hamburg vor den Folgen der schlechten Luft zu schützen. Und wer schützt eine Viertelmillion Menschen vor den Folgen krankmachenden Lärms durch die Flugzeuge? Nun haben wir Sommer in Hamburg und die Massenabfertigung in der Ferienzeit rollt wieder auf den Hamburger Westen zu. Danke für einen Tag Atempause.

Sabine Pauli, per E-Mail

Eine Riesenblamage

Es ist schon eine Riesenblamage für die Planer und die Betreiber der Elektroversorgung auf dem Flugplatz. Ein Fehler sollte normalerweise von der Elektroanlage im Millisekundenbereich selektiv abgeschaltet werden, um den restlichen Betrieb sicherzustellen. Ersatznetzanlagen für Krankenhäuser und Versammlungsstätten müssen innerhalb von 15 Sekunden alle Verbraucher auf Volllast übernehmen. Ersatznetzanlagen für Sprinkleranlagen dürfen bei Alarm nicht abschalten. Der Flughafen hat Ersatznetzanlagen, aber wofür? Wenn das ein Tankschiff gewesen wäre, würde das jetzt hoch und trocken auf Schiet sitzen und möglicherweise noch eine Umweltkatastrophe verursachen.

Hans J. Koch, Hamburg

Rentenkasse wird geplündert

4. Juni: Scholz will kein Steuergeld für Mütterrente

Wieder einmal wird die Rentenkasse für Ausgaben geplündert, die gerechterweise aus Steuermitteln zu leisten wären. Politiker, Selbstständige und Beamte beteiligen sich nicht, obwohl es sich um die Finanzierung von Aufgaben der Allgemeinheit handelt. Das Bundesverfassungsgericht hat in verschiedenen Urteilen seit 1981 deutlich gemacht, dass für die gesetzliche Rentenversicherung im Vergleich zu anderen Altersvorsorgesystemen (Beamtenversorgung, berufsständische Versorgung) der Gleichheitsgrundsatz (Artikel 3) des Grundgesetzes nicht gilt. Es ist erschreckend, mit welchem Selbstverständnis und mit welcher Selbstverständlichkeit unsere staatlichen Eliten ein Zweiklassenrecht bei der Altersversorgung verinnerlicht haben und auch durchsetzen, das es so in keinem demokratischen Rechtsstaat Europas gibt. Die Ausgleichszahlungen des Bundes an die Rentenkasse sind aber regelmäßig zu gering, so dass die Last bei Arbeitern und Angestellten liegen bleibt. Folge: Die Rente sinkt auf ein beschämendes Niveau von 48 Prozent.

Herbert Heins, Hollenstedt

In Würde alt werden

4. Juni: 70 Jahr, blondes Haar. Wie schlägt man die Biologie?

Als fast 70-Jährige kann ich den Körperkult und das Verleugnen des Alters der Alten nicht nachvollziehen. Wenn man nicht dement ist, bleiben Geist und Seele eben jung, der Körper aber nicht. Warum verleugnen so viele Alte das Altwerden? Statt dankbar zu sein, hofieren sie den Zeitgeist, um gleichzeitig Kuchen, Speisen à la Oma zu preisen. In Würde alt werden, sollte ich ohne den Wahn, jung bleiben zu müssen und mal einfach dankbar sein.

Antje Netz, Hamburg

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