Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 1. Juni 2018

Fahrverbote in anderen Städten

31. Mai: Ver­kehrs­mi­nis­ter hält Hamburgs Die­sel­fahr­ver­bot für unnötig. Heute tritt es in zwei Straßen in Kraft

Verkehrsminister Scheuer sollte den Mund mal nicht so voll nehmen. In Sachen Verhinderung von Fahrverboten ist er genau so eine Niete wie sein Vorgänger Dobrindt. Weitere Fahrverbote in anderen deutschen Städten sind kaum zu verhindern, damit die Vorgaben eingehalten werden. Man könnte fast meinen, dass die Regierung von den Autokonzernen geführt und gesponsert wird, denn wie sonst kann es sein, dass die Konzerne hier in Deutschland, ganz anders als in den USA, sich alle Freiheiten herausnehmen können. Da wird betrogen und gelogen, dass die Schwarte kracht und die Regierung sanktioniert alles. Das Software-Update bei Dieselautos ist im Vergleich zur Hardware-Umrüstung fast wirkungslos und die betrogenen, bedauernswerten Dieselfahrer müssen, auch im Gegensatz zu den in dieser Hinsicht vorbildlichen USA, einzeln gegen die mächtigen, regierungsgestützten Konzerne klagen. Armes Deutschland.

Helmut Jung, Hamburg

Landleben attraktiver gestalten

31. Mai: ,Hamburg verkauft sich an In­ves­to­ren‘. Volkwin Marg, einer der großen Architekten der Stadt, im Gespräch mit dem Abendblatt

Ich bin Ihnen sehr dankbar für Ihre kritischen Beiträge über die wachsende Stadt. Hamburg plant gegen die Interessen und das Wohlergehen seiner Bewohner und gegen die Natur. Die Pläne für Oberbillwerder zum Beispiel werden beschönigend dargestellt und ohne den massiven Widerstand seiner Bewohner zu erwähnen. Die Möglichkeit, das Leben auf dem Land wieder attraktiver zu gestalten, wird von der Politik kaum in Erwägung gezogen, obwohl es hierfür schon vereinzelt private Bemühungen gibt. Das würde neue Denkansätze erfordern und für Hamburg den Verzicht auf höhere Steuereinnahmen. Da auch die Mehrheit der grünen Politiker hinter dem offiziellen Konzept steht, weiß ich nicht mehr, wen ich in Zukunft noch wählen kann.

Jutta Garbe, per E-Mail

Respekt und eine Prise Lächeln...

30. Mai: Was man auf Hamburgs Straßen erleben kann. Radfahrer klagen über Au­to­fah­rer – und Au­to­fah­rer über Rad­fah­rer

Tatsächlich wird es enger auf Hamburgs Straßen, in den letzen Tagen kam ich mir vor wie auf einer 12-Stunden-Fahrrad-Demo. Toll! Und statt immer nur über die anderen zu schimpfen, könnten wir es im Verkehr ja mit diesem Rezept versuchen: Aufmerksamkeit und Respekt. Vielleicht noch Augenkontakt und eine Prise Lächeln dazu...

Judith Brandenburg, per E-Mail

Willkommen im Großstadtverkehr!

Ich muss offenbar in den letzten zehn Jahren als Pendler mit meinem Fahrrad in einer anderen Stadt unterwegs gewesen sein, denn mein Empfinden deckt sich weder mit dem Bericht, noch mit den Leserbriefen. Ja, natürlich gibt es das geschilderte Fehlverhalten im Straßenverkehr und dass bei allen Verkehrsteilnehmern. Das ist auch nicht verwunderlich, sind doch überall Menschen unterwegs und das vielfach auch noch auf wechselnde Art und Weise: zu Fuß, mit dem Rad, mit der Bahn oder dem Auto, was gerade passt. Aber die beschriebene Dramatik kann ich nun wirklich nicht feststellen. Wer in seiner Wahrnehmung allein darauf fixiert ist, die Fehler der anderen zu sehen (und lautstark zu bemängeln), verliert den Rest – und nicht zuletzt auch sein eigenes Verhalten – aus dem Blick. Wir haben eine hohe Verkehrsdichte bei allen Verkehrsteilnehmern und man kann im Verkehr nicht vor sich hin dösen (oder aufs Smartphone gucken)? Willkommen in der Großstadt! Mit Ruhe, Gelassenheit und Rücksichtnahme geht es besser und wenn man es zulässt, wird man feststellen, das der Großteil der anderen Verkehrsteilnehmer so unterwegs ist, weshalb es im Großen und Ganzen ja auch täglich wieder klappt.

Sven Clausen, Hamburg

Jeder macht mal einen Fehler!

Leute, bitte kommt doch mal wieder runter und beschimpft nicht die eine oder andere Seite. Ich bin hauptsächlich Fahrradfahrer, fahre auch gelegentlich Auto und ich gehe zu Fuß. Ich rege mich jeweils über die Gruppe auf, zu der ich gerade nicht gehöre. Das ist menschlich. Aber meine Güte, lasst doch mal Nachsicht walten. Wir machen alle Fehler. Klar, einige benehmen sich rücksichtslos. Die gibt es aber bei den Autofahrern, Fahrradfahrern und bei den Fußgängern. Vielleicht würde es helfen, wenn man versucht, so aufmerksam wie möglich zu sein (und mehr) und manchmal einfach tief einzuatmen und sich zu überlegen, wie man selbst in manchen Situationen reagiert. Und im Übrigen: Hundertprozentige Sicherheit gibt es niemals. Jeder macht mal einen Fehler. Also bleibt jetzt mal alle auf dem Teppich und hört mit den Beschuldigungen auf.

Volker Kasch, Oststeinbek

Guter Service und moderate Preise

29. Mai: Das Sylt-Desaster. Chaos auf der wichtigen Strecke ist eine Blamage

Es ist schon auffällig, dass solche Zustände zu Bundesbahn-Zeiten nicht herrschten. Bahn und Post waren im Behörden-Zeitalter zwar Zuschussgeschäfte für den Staat, aber die Preise waren moderat und der Service zuverlässig. Schließlich wurde der Dienst durch Beamte verrichtet. Heute sind Bahn, Post und Telekom Melkkühe der Regierung. Statt volkstümliche Preise zu bieten, wie man es erwarten sollte, wird der Kunde abgezockt, nur um eine attraktive Dividende zu erwirtschaften. Aber der Kunde hat von der Privatisierung keinerlei Vorteile, weder moderate Preise noch besseren Service. Im Gegenteil: Kaputtsparungen statt Investitionen, die rechtzeitig erfolgen und nicht erst, wenn Schäden schon evident sind. Und zu verdanken haben wir das alles der EU. Anderenfalls wären das heute noch Staatsbetriebe.

Jochen Ebert, per E-Mail

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