Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 25. Mai 2018

Entwurf wirkt kühl und abweisend

24. Mai: Blockiert diese Pflanze den neuen Fern­bahn­hof? Die Nel­ken-Ha­­fer­schmiele steht auf der Roten Liste

Früher zeichneten sich Bahnhöfe durch einladende Architektur aus, die Reisende willkommen heißen sollte. Alle drei Entwürfe zeigen langweilige Klötze, aus der Idee der reinen Zweckmäßigkeit geboren. Man bekommt den Eindruck, man solle einen großen Bogen um den Bahnhof machen, denn das Ganze wirkt kühl und abweisend. Da sich die Entwürfe in ihrer Gesichtslosigkeit so ähneln, ist es völlig egal, wer von den Siegerentwürfen gewinnt. Es bleibt die Frage, ob es keine ansprechenderen Entwürfe gab.

Dorothea Ehlers, Hamburg

Hamburg blockiert sich selbst

Auf die Frage, ob diese Pflanze den Bau des neuen Fernbahnhofs blockiert, muss man feststellen, dass nicht die Pflanzen, sondern die Hansestadt Hamburg sich selbst blockiert: Die Planer, die Gestalter, der Umweltschutz und insbesondere die Politik, hier passt nichts zusammen, und jede neue Planung wird durch den willkürlichen Einspruch der Naturschützer in Frage gestellt. Wie will man die Stadt mit mehr Menschen bevölkern, Wohnungsbau fördern, mehr Infrastruktur inklusive dem Ausbau der Elbe planen, damit Hamburg überhaupt lebensfähig bleibt und arbeitstechnisch ausgebaut werden kann, wenn überall ein Wurm oder ein seltenes Pflänzchen alle Pläne der rot-grünen Politiker außer Kraft setzt? Der Senat sollte Prioritäten setzen und die lebenswichtigen Belange der Menschen berücksichtigen, damit die Bevölkerung eine Zukunftsperspektive hat.

Eleonore und Klaus Hellberg, Hamburg

Fahrverbot: Unsinnige Maßnahme

24. Mai: Schau­fens­ter­po­li­tik mit Diesel. Hamburg gibt den Vorreiter bei Fahrverboten. Dabei geraten die Fakten aus dem Blick

Vielen Dank für den hervorragenden Kommentar. Besser kann man diese unsinnige Maßnahme nicht beschreiben. Ich würde dies unter den fragwürdigen Schnellschüssen von Donald Trump subsumieren und als „alternative Fakten“ bezeichnen. Die Politik glaubt ja auch, dass die Bürger ihre Autos abschaffen, nur weil sie in Neubaugebieten keine Parkplätze mehr finden, die ja seit einigen Jahren nicht mehr geschaffen werden müssen. Unsere Zahlen sehen anders aus: Wir haben uns vor vier Jahren ein Dieselfahrzeug angeschafft, dass nur fünf bis sechs Liter Kraftstoff auf 100 Kilometer verbraucht, die Hälfte des vorherigen Benziners. Und für kürzere Strecken wird seit Jahrzehnten das Fahrrad benutzt.

Susanne Bollow-Meyer, per E-Mail

Ist das niedlich oder verrückt?

Hamburg hat auf seinem Stadtgebiet den drittgrößten Hafen in Europa, mit allein fast 30 Kreuzfahrtschiffbesuchen im Juni. Den fünftgrößten Flughafen Deutschlands mit über 400 Starts und Landungen pro Tag und die A7, einen der meistgenutzten Autobahnabschnitte in Deutschland mit über 150.000 Fahrzeugen täglich und Lkw-Staus bis zum Horizont. Jetzt soll die Umleitung von ein paar tausend Dieselfahrzeugen auf naheliegende Ausweichstraßen „in der Stadt für saubere Luft sorgen“. Ist das noch niedlich, oder schon verrückt?

Dr. Thomas Tasche, Hamburg

Eingriff in die Grundrechte

Ein Dieselfahrverbot ist, auch wenn es nur um die dauerhafte Sperrung einzelner Strecken geht, ein Grundrechtseingriff. Deshalb hat das Leipziger BVerfG klargestellt, dass der Grundsatz der Verhältnismäßigkeit beachtet werden muss. Das setzt Erforderlichkeit und damit zuallererst Geeignetheit voraus. Zweck eines Dieselfahrverbotes ist die Reduzierung der innerstädtischen Stickoxidbelastung. Die kann man sicher erreichen, wenn Dieselfahrzeuge ausgesperrt werden. Darum geht es bei den Hamburger Durchfahrtsbeschränkungen aber nicht. Die Fahrzeuge sollen nur umgeleitet werden, heißt, die Luftbeeinträchtigung wird lediglich verlagert. Das ist ein bisschen so, als wenn man bei einem Auto den Auspuff von links nach rechts verlegt und sagt: so, jetzt ist er sauberer. Die anstehenden Streckensperrungen können das Ziel, eben die Luftverbesserung innerhalb der Stadt, so nicht erreichen. Damit erscheinen sie mir ungeeignet und nicht verhältnismäßig. Ich denke mal, dass andere Städte genau deshalb mit der Umsetzung von Fahrverboten/Streckensperrungen zögern. Ein kurzfristig wirkendes und gleichzeitig rechtlich unbedenkliches Mittel scheint es nicht zu geben. Wenn Politik dann aber einfach irgendetwas macht und den Zweck dabei aus den Augen verliert, ist das genau das, was Herr Iken Schaufensterpolitik nennt. Recht hat er.

Ulrich Kolitschus, Hamburg-Sülldorf

Endlich ungestört schlafen

23. Mai: Lärm über Win­ter­hude, Ruhe in Niendorf. Piste in Ost-West-Richtung wird für zwei Wochen gesperrt, Flugzeuge starten zwischen Norderstedt und Alsterdorf

Was für ein Segen, die Piste 05/23 wird für zwei Wochen gesperrt. Leider nur für zwei Wochen und nicht für zwei Monate. Aber immerhin... Wir können dann bei dieser Hitze auch mal nachts das Fenster geöffnet lassen, ohne dass wir bis kurz vor Mitternacht vom schlafen abgehalten und um kurz nach sechs Uhr morgens aus dem Schlaf gerissen werden. Erst gestern flogen wieder sechs Maschinen weit nach elf Uhr, die letzte um zehn vor zwölf Uhr, donnernd über Stellingen.

Anke Tobaben, per E-Mail

Berichtigung

22. Mai: Leserbrief Unvorhersehbare Auswirkungen zum Leserbrief der Woche. Naturschutz wird diskriminiert

Anmerkung der Redaktion: In dem Leserbrief von Dagmar Jestrzemski wurde eine Zeitangabe gekürzt. Dadurch konnte der Eindruck entstehen, dass der Tiedenhub um 1900 bei 2,50 m lag. Korrekterweise muss der Satz heißen „1973 lag der Tidenhub bei 2,50 m“.

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