Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 23. Mai 2018

Stadtplanung ohne den Menschen

22. Mai: Rot-Grün: ,Hamburg kann 2,2 Millionen Einwohner ver­tra­gen‘

Wenn man sieht, wie das bisherige Streben nach mehr Wohnraum Hamburg verändert hat, so mag ich mir gar nicht vorstellen, wie das ist, wenn noch mehr Einwohner nach Hamburg geholt werden sollen. Die immer gleichen gesichtslosen Kastenhäuser, die jeden Freiraum schließen und zudem kaum bezahlbar sind, während in anderen Landstrichen ganze Dörfer sterben. Zudem sind die Mieten kaum bezahlbar. Das Ganze wirkt auf mich wie ein Zusammenschluss mit der Bauwirtschaft, die erheblich von dem Programm profitiert. Wo bleibt der Mensch? Allein die Magistralenplanung zeigt, dass an ihn zuletzt gedacht wird. Welche Argumente der Hamburger Politik gibt es für das Streben, die Einwohnerzahl unserer Stadt zu erhöhen? Ich will mich gerne überzeugen lassen.

Petra Buuck, per E-Mail

Lebensqualität wird weiter sinken

Laut SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf könnte Hamburg zwei bis 2,2 Millionen Einwohner vertragen. Die jeweiligen Bevölkerungsdichten betragen dementsprechend zwischen 2410 und 2914 Einwohner pro Quadratkilometer. Abzüglich der großen Wasser-, Gewerbe- und Hafenflächen sowie Flächen in landwirtschaftlich geprägten Stadtteilen ist die Bevölkerungsdichte aber tatsächlich deutlich höher, vermutlich auf dem Niveau von München. Schon heute ist Hamburg was Lebensqualität betrifft nur Mittelmaß. Selbst das dürfte zukünftig nicht mehr zu halten sein. Die angemessene Bevölkerungszahl liegt vermutlich bei etwa 1,5 Millionen Einwohnern, was deutlich während der Sommerschulferien im Straßenverkehr zu spüren ist. Die Bevölkerungszahl sollte also verringert und nicht weiter gesteigert werden. Das würde aber ein Bekenntnis zur Entwicklung der Metropolregion Hamburg erfordern. Was ist daran eigentlich so schwierig? Vermutlich längst überholtes kleinstaatliches Denken in den Köpfen unserer hanseatischen Politiker.

Hans-Peter Hansen, Hamburg

Vermummte überschreiten Grenze

22. Mai: Vermummte belagern Po­li­zis­ten­haus. 60 Linke belästigen Frau und Kinder, als Beamter im Einsatz ist

Wie kann es sein, dass in Deutschland lebende Menschen so engstirnig sind und das Leben von unschuldigen Frauen und Kindern bedrohen. Das linksautonome Spektrum im Wendland hat hier nicht nur die Grenze von Anstand und Vernunft überschritten, sondern wird psychisch gewalttätig und zeigt sich clanmäßig kriminell.

Thomas Köpke, Itzstedt

Ein einmaliges Ereignis

19./20./21. Mai: Glücklich das Land ohne Traum­hoch­zei­ten. Warum interessiert Millionen Menschen in Deutschland das Jawort eines Windsors?

Ich bin absolut kein Königshaus-Anhänger, aber dieses einmalige Ereignis wollte ich mir doch nicht entgehen lassen: Ein durch die Presse berühmt, berüchtigter englischer Prinz heiratet eine drei Jahre ältere afro-amerikanische Frau, eine Bürgerliche. Spielt ihr Beruf eine Rolle? Als gebürtige Amerikanerin und nun eingefleischte Europäerin finde ich diese einzigartige Verbindung, allein kulturell und geschichtlich beachtenswert. Meghan (und Harry) hat Geschmack bewiesen und die kirchliche Trauung war stillvoll aber auch ungezwungen und ungewöhnlich. Die wunderbare Musik war bewegend und die Predigt von Reverend Curry enthusiastisch und visionär. Die wird man nicht so leicht vergessen. Die geladenen Gäste festlich gekleidet, ein Augenschmaus. Eine zivilisierte Gesellschaft. Warum muss man immer auf Bier- und Fußballniveau stehen bleiben? Eine Liebeshochzeit ist doch was zum feiern, egal in welchem politischen Regime wir leben.

Margaret Tzanakakis, per E-Mail

Sehnsucht nach Vollkommenheit

Ich habe am Pfingstsonnabend mit meinem 20-jährigen Enkel die Hochzeit von Harry und Meghan im Fernsehen genossen – und dabei natürlich nicht von Kaiser Wilhelm geträumt. Warum verfolgten wir zwei, wie Millionen Sozialdemokraten, Republikaner und Feministen sicher auch, so gern diese Zeremonie des britischen Königshauses? Es ist unsere alte Sehnsucht nach Schönheit (das Gebäude, die Musik, die Kleider, die Pferde, die Kutsche), Tradition (die weltlichen und christlichen Rituale) und Liebe (über Geschlecht, Land und Abstammung hinweg). Es war wie eine Mischung aus Martin Luther Kings Rede mit Joan Baez Gesang damals beim Marsch auf Washington oder der Beginn von Sportweltmeisterschaften und Olympiaden mit den gemeinsam gesungenen Nationalhymnen. Über beides macht sich (fast) niemand lustig und es regt sich auch (kaum) einer auf, im Gegenteil, beim Fußball kommentieren sogar Männer den Stil der Mannschaftstrikots, neue Tätowierungen und angesagte Haarschnitte und haben ganz ohne Scham manchmal Tränen in den Augen. Die Debatte erinnert mich an meine Kindheit, wenn mein Opa meine Oma mit ihrer „Frau im Spiegel“ belächelte und sie seine Leidenschaft bei Radioübertragungen der lokalen Fußballspiele ignorierte. Wir brauchen alle Träume oder wie es in der Bibel steht: Glaube, Liebe, Hoffnung.

Julia Berendsohn, per E-Mail

Für deutsche Werte eintreten

18. Mai: Müssen Fußballer De­mo­kra­ten sein? Der Fall Gündogan und Özil zeigt: Ein Umdenken ist er­for­der­lich

Ich meine, wer bei sportlichen Spielen den deutschen Namen und seine Werte vertritt, sollte auch dafür eintreten wollen. So gesehen, kann ich die Großzügigkeit von Joachim Löw zu den Erdogan-Freunden nicht verstehen. In der freien Marktwirtschaft, wo selbst der Betrug noch Ermessens-Freiräume hat, mag nationale Enge verpönt sein, aber bei sportlichen Spielen unter nationalen Fahnen sollten deutsche Werte schon hochgehalten werden.

Siegfried Meyn, Hamburg

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