Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 15. Mai 2018

Endlich wieder zwei Stadtderbys

14. Mai: ,Wir kommen wieder!‘. Sie trauern, sie leiden, aber sie machen sich und dem Verein Mut: Nach dem Abstieg des HSV hoffen viele Fans auf den Wiederaufstieg

Hand aufs Herz: Es wurde auch Zeit, der Abstieg war überfällig und unausweichlich. Missmanagement, Egotrips, Fehlentscheidungen, Finanzkrisen, Skandale haben den Verein zersetzt, den Fokus vom sportlichen Erfolg abgelenkt. Die Lösung der Probleme wurde immer auf die Zukunft verschoben, und wenn es am Saisonende doch wieder geklappt hatte, lagen sich Vorstand, Spieler und Fans alle in Hochmut und Überheblichkeit in den Armen und sagten, nächstes Jahr wird wieder alles gut. Wenn bei der Lizenzerteilung die wichtigste Botschaft des Vorstands die Unabhängigkeit des Vereins ist, statt den Fokus auf die Basis des sportlichen Überlebens zu legen, dann ist etwas falsch in einem Sportverein. Das musste irgendwann bestraft werden. Der Abstieg hätte vor Jahren kommen müssen, um so bereits frühzeitig dieser Fehlentwicklung zu begegnen. Und doch hat Hamburg auch etwas zu feiern: Endlich wieder zwei Stadtderbys in dieser wunderbaren Stadt, und der FC Bayern kommt auch nicht vorbei. Was will das Fußballerherz mehr? Leid tun uns die kleinen HSV-Fans, die bittere Tränen vergießen an diesem Wochenende für einen Verein, der eigentlich eher einer AG als einem Sportverein ähnelt. Vielleicht sollte es Aufgabe des Vorstands sein, die Uhr im Stadion persönlich auszuschalten, quasi als Zeichen des Neuanfangs für alle.

Marc Rauch, per E-Mail

Willkommen beim SV Sandhausen

Liebe HSV-Fans, seid bitte nicht traurig, ein schneller Wiederaufstieg in die Erste Liga sollte machbar sein. Für den SV Sandhausen geht jedoch ein Traum in Erfüllung: gleiche Liga wie der berühmte HSV. Als gebürtiger Sandhäuser kann ich versichern, der Ort ist reizvoll und sehr gastfreundlich. 3000 zuletzt dorthin mitgereiste Pauli-Fans können das bestätigen.

Wolfgang Scheuring, per Mail

Davon geht die Welt nicht unter

Davon geht die Welt nicht unter, es hat nicht sollen sein. Der letzte Hoffnungsschimmer für den HSV ist nicht in Erfüllung gegangen. Die Spieler haben ihr Bestes gegeben. Die Abschlussszenarien einiger Besucher auf der Zuschauertribüne war dagegen widerlich und peinlich.

Rita Humpke, Hamburg

Alles Gute, HSV

Wir müssen schweren Herzens den Dino der Ersten Bundesliga zu Grabe tragen. Christian Titz hat noch einmal alles versucht. Tatsächlich ist es ihm gelungen, dem Verein neues Leben „einzuhauchen“. Leider zu spät. Dass er den Spielern dafür dankte, was sie in den letzten acht Wochen zu leisten bereit waren, dafür habe ich wenig Verständnis. Die Saison besteht aus 34 Spieltagen. Wenn man davon „gefühlte“ 29 Spiele seine Leistung nicht „voll abruft“, und das seit Jahren, muss man sich nicht wundern, wenn man absteigt. Ich wünsche dem HSV in der zweiten Liga alles Gute.

Claus-Peter Grot, Linau

Einlasskontrollen verschärfen

14. Mai: HSV will Pyro-Chao­ten raus­wer­fen

Nach den Ereignissen am letzten Spieltag stehen zwei Fragen im Raum: Wie kommen die Pyros, Verkleidungen und Sturmhauben in das Stadion? Warum werden die Chaoten nicht sofort dingfest gemacht? Der normale Stadionbesucher muss bei der Einlasskontrolle sein Schlüsselbund auspacken und die Mütze absetzen. Idioten kommen mit allem Unerlaubten in den Block. Dafür kann man kein Verständnis aufbringen.

Martin Meffert , per E-Mail

Mütter in der Teilzeitfalle

12./13. Mai: Karriere trotz Kind. Zum Muttertag mal ein ehrlicher Blick hinter die Fassade

Die Situation vieler Mütter in deutschen Betrieben, die Sie beschreiben, trifft auch auf internationale Konzerne, die mit Familienfreundlichkeit werben zu. Je höher – und damit auch besser bezahlt – die Position der Frau ist, um so schwieriger gestaltet sich die Rückkehr. Diverse Bewerber aus eigenen Reihen stehen bereit, und gleichwertige Arbeitsplätze sind bei der Rückkehr nicht vorhanden. Wie schade für die Unternehmen, hoch motivierte, gut ausgebildete Frauen nicht abzuholen. Als Arbeitsrechtlerin versuche ich den Müttern Mut zu machen, ihre Rechte auf einen gleichwertigen Arbeitsplatz einzufordern und dem Arbeitgeber zu zeigen, dass sie zurückkommen und kämpfen. Das Recht auf Rückkehr zur Vollzeit würde helfen. Denn die Teilzeitfalle wirkt bis ins Rentenalter fort und wird die Mütter dann wiederum einholen.

Jasmin Stahlbaum-Philp, per E-Mail

Flüchtlinge zeigten Solidarität

4. Mai: Macht und Ohnmacht. Ellwangen, die Polizei und der Mob: Der Irrsinn der Abschiebepraxis wird sichtbar

Miguel Sanchez qualifiziert die etwa 150 afrikanischen Flüchtlinge, die die Verhaftung eines der ihren vorerst vereitelten, als „Mob“. Diese Wortwahl würdigt ausgerechnet Menschen herab, die überall antrainierte egoistische Reaktionsmuster überwanden und sich mit einem bedrohten Mitmenschen solidarisierten. Diesen Menschen ging es in einem Land, dessen Politik sich gegen sie richtet, nicht um die Demonstration einer in ihren Ausmaßen vernachlässigbaren Macht, sondern darum, Bedrohungen nicht völlig ohnmächtig gegenüberzustehen. Ist Miguel Sanches mit dem neuesten Großaufmarsch der Polizei in Ellwangen zufrieden? Togo übrigens, um auf die Heimat des zur Abschiebung vorgesehenen Flüchtlings einzugehen, hat ein autoritäres Regime Erdoganschen Zuschnitts. Vor dem Ersten Weltkrieg war das Land eine deutsche Kolonie, in der eine von deutschen Offizieren befehligte Polizei auch mit der Schusswaffe jeglichen Widerstand gegen die Kolonialherrschaft brach.

Jürgen Kasiske, Hamburg

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