Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 27. April 2018

Straßen queren ohne Blickkontakt

26. April: Wie wird Hamburg zur Fahr­rad­stadt? Die Bürgerschaft debattiert über das rotgrüne Konzept. Die Opposition findet es ,ideologisch‘

Dem Artikel wäre noch hinzuzufügen, dass gefühlt 50 Prozent der Radfahrer ohne Licht unterwegs sind und offenbar nicht kontrolliert werden, schon gar nicht in den Abendstunden. Radfahrer fahren oft viel zu schnell, an Kreuzungen meist bei rot, wenn Fahrzeuge in allen Richtungen sekundenlang stehen, telefonieren mit dem Handy, sehen sich beim Spurwechsel nicht um und quetschen sich vor roten Ampeln zwischen die Fahrzeugkolonnen, so dass man Sorge hat, beim Anfahren ein Fahrrad zu touchieren oder selbst touchiert zu werden. Sie schießen vom Fußweg urplötzlich auf die Straße – oft noch in falscher Richtung. Vorschriftsmäßig und defensiv fahrende Radler sind in meiner Wahrnehmung die absolute Ausnahme. So ist es eigentlich nur eine Frage der Zeit, durch ungünstige Umstände mangels Reaktionsmöglichkeit in so einen unseligen Unfall zum Schaden aller Beteiligten verwickelt zu werden. Auch bei Fußgängern fällt zunehmend auf, dass sie ohne Blickkontakt zum Autofahrer die Straße betreten, um nicht warten zu müssen. Die Polizei muss zum Schutz der Radfahrer, aber auch zum Schutz aller Verkehrsteilnehmer, Radfahrer gezielt und weiträumig kontrollieren.

Annelie Kirchner, per E-Mail

Alle zwei Jahre zur Kontrolle

26. April: 78-Jäh­rige muss nach Unfall Füh­rer­schein abgeben. Seniorin hatte in Poppenbüttel drei Menschen überfahren. Baby weiter auf Intensivstation

Was muss denn noch alles passieren, bis sich auch in Deutschland endlich die Erkenntnis durchsetzt, dass es ab einem bestimmten Alter ohne eine verpflichtende Fahrtüchtigkeitsprüfung nicht mehr geht. Wo bleibt das Verantwortungsbewusstsein unserer Politiker? Oder gilt immer noch der Spruch: Freie Fahrt für freie Bürger? Wenn es nach dem ehemaligen Bundesverkehrsminister Dobrindt geht, wird es ja bei uns keine verpflichtenden Überprüfungen geben. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Fahrer mit extremen Gesundheitsbeeinträchtigungen als „tickende Zeitbomben“ unterwegs sind. Warum nehmen wir uns nicht endlich ein Beispiel an anderen europäischen Ländern? In Dänemark zum Beispiel braucht man ab 75 Jahren ein ärztliches Attest, wenn man seinen Führerschein verlängern lassen will, ab 80 Jahren ist jedes Jahr ein neuer Antrag erforderlich. In der Schweiz ist man ab 70 Jahren verpflichtet, im Abstand von zwei Jahren eine vertrauensärztliche Kontrolluntersuchung zu machen. Es wird Zeit, dass in Deutschland im Sinne der Fahrsicherheit von Seiten der Politiker endlich gehandelt wird.

Bernd Heß, Buchholz

Lärmfrei durch Dreifachverglasung

25. April: Brenn­punkt Flughafen. Hamburgs Airport ist Glücksfall und Ärgernis zugleich. Wie geht es weiter?

Ich wohne seit 33 Jahren in Alsterdorf (Wolfgang-Borchert-Siedlung) in der Einflugschneise des Flughafens. Meine drei Kinder haben keinen lärmbedingten Schaden genommen. Unbestritten ist, dass ein Flughafen nicht in die Stadt gehört. Eine Änderung haben jedoch die Politiker abgelehnt. Ich schlafe gut, bei dreifach verglasten Fenstern höre ich fast nichts von den Flugzeugen. Im Übrigen weiß jeder Alsterdorfer, dass der Flughafen seit Jahrzehnten sein Nachbar ist. Interessant wäre einmal zu wissen, wie viele Anwohner aus den „Nörgelgebieten“ den Hamburger Flughafen nutzen.

Erhard Frömmig, Hamburg

Kinder früher ins Bett schicken

25. April: Streit um späteren Schul­be­ginn. Politiker von SPD, CDU und Linken sind gegen eine Reform. Einige Schulen machen gute Erfahrungen damit

Wenn Eltern ihren Erziehungsauftrag ernst nehmen und ihre zehnjährigen Kinder spätestens um 21 Uhr ins Bett schicken und Fernseher und Smartphone ausgeschaltet bleiben, sind die Kinder am Folgetag auch um acht Uhr morgens nicht müde und können am Unterricht aktiv teilnehmen. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Diskussion um einen späteren Schulbeginn aktiv vor allem von den Lehrkräften geführt wird, denen ein Schulbeginn um acht Uhr selbst zu früh ist. Aus meiner Jugend kenne ich noch die Frühstunde um sieben Uhr, die mir und meinen Mitschülern auch nicht geschadet hat, auch wenn wir sie nicht mochten. Vom Unterricht am Sonnabend ganz zu schweigen. Aber das ist ein noch dickeres Brett.

Bernd Glodek, Hamburg-Schnelsen

Deutsche Werften bevorzugen

25. April: Die neue Hel­go­land-Fähre. Jungfernfahrt ist für kommenden Sonnabend geplant – Taufe am Freitag

Es mag ja politisch korrekt abgegangen sein mit der Vergabe des Bauauftrages für die neue Helgoland-Fähre, aber hier haben die Werften es schwer und kämpfen ums Überleben und den Bauauftrag erhalten Werften auf den Philippinen. Für mich ist das nicht recht nachvollziehbar und auch sicher nicht für die Werftarbeiter hier im Lande. Geld regiert die Welt, aber bitte nicht so.

Curt Dabbert, Hamburg

Zugänge besser kontrollieren

20. April: Dieb bestiehlt Pfle­ge­heim-Be­woh­ner im Schlaf. 40-Jähriger schlich sich in Zimmer hochbetagter Damen. Nun muss er für mehr als zwei Jahre ins Gefängnis

Auch ich habe diese Erfahrung leider gemacht. In den Jahren 2011 bis 2013 war meine Schwiegermutter im Pflegeheim. In dieser Zeit wurde ihr eine goldene Halskette mit dem Bild ihres verstorbenen Mannes gestohlen, weitere Mitbewohner waren auch betroffen. Problem: Die Einrichtung ist tagsüber für jedermann zugänglich. Die Lösung: Zugänge mit Kontrolle, natürlich ein Kostenfaktor. Demente Patienten freuen sich über jeden Besucher.

Ingrid Barkel, Hamburg

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.