Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 24. April 2018

Kicken zwischen Steak und Wurst

23. April: Warum der Müll am Grill-Wochenende liegen blieb

Seit fast 40 Jahren spielen wir Freizeitkicker nun schon an jedem Sonnabendvormittag auf der Stadtparkwiese Fußball. Welches Bild sich uns jetzt am vergangenen Sonnabend bot, spottet jeder Beschreibung. Das gesamte Areal war übersät mit Resten des Grill- und Spaßevents vom Vorabend. Komplette Grills (plus dazugehörige Originalverpackungen) mit zum Teil angeschmorten Würsten, Steaks und anderem Grillgut darauf, sowie Teller, Besteck, Flaschen und Glasscherben lagen flächendeckend verteilt auf der Wiese herum. Selbst Handtücher, Wolldecken und Luftmatratzen wurden offensichtlich von den grillgestressten Teilnehmern an Ort und Stelle zur Fremdentsorgung bereit gestellt, da der Weg zu den vielen Abfallcontainer – die in 50 Meter Abständen um die Stadtparkwiese herum platziert stehen – eine wirklich unzumutbare Anstrengung bedeutet hätte. Nach einer halbstündigen Sammelaktion und etlichen gefüllten Abfallsäcken konnten wir übrigens unser Spiel beginnen. Auf die sonst üblichen, gepflegten Ü60-Blutgrätschen sowie jeglichen anderen Rasenkontakt wurde an diesem Sonnabend bewusst verzichtet. Kronenkorken und Scherben im Oberschenkel machen sich auch im hohen Alter nicht besonders gut.

Volker Fries, Hamburg

Danke für die Hilfe und die Geduld

23. April: Was uns lieb und teuer ist. Wir müssen die Arbeit in Pflegeheimen, Kliniken und Kitas endlich besser bezahlen

Als Betroffene betreue ich meinen Mann nach zwei Schlaganfällen und vaskulärer Demenz mit Unterstützung einer ambulanten Tagespflege zu Hause und kann durch den täglichen Einsatz der Mitarbeiter und Fahrer deren schwierige Situation beurteilen. Ebenso die Lage in einigen Heimen, in denen die Eltern von Freunden untergebracht sind. Es ist eine Schande, was die Politik sich leistet im Umgang mit Alten, Kranken, Behinderten und Kindern. Betreuer, Pfleger und Krankenhauspersonal arbeiten oft am Limit ihrer Kräfte und werden bei körperlich und mental schweren Einsätzen mit Minilöhnen abgefertigt. Dazu kommt noch die oft mangelnde Wertschätzung dieser Arbeit. Ein großes Lob gilt den im Kommentar erwähnten Zuwanderern, ohne deren Hilfe viele Dinge im täglichen Pflegebedarf nicht mehr möglich wären, zum Beispiel die Fahrer, die ihre schwere Arbeit mit den Behinderten äußerst hilfreich und geduldig ausüben, trotz der täglichen Staus durch den Hamburger Baustellenverkehr. Vor diesen Menschen kann man nur Hochachtung haben. Ebenso, wie vor den vielen jungen Menschen – früher Zivildienstleistende – die heute engagiert ihren Einsatz im Pflege- und Erziehungsbereich leisten.

Eleonore und Klaus Hellberg, Hamburg

Ein Schlag ins Gesicht

23. April: Lesermeinung zur Karikatur Seite zwei

Die Karikaturen auf Seite zwei sind meist treffend gezeichnet und oft erheiternd. Was Sie allerdings heute von Mario Lars ausgesucht haben, ist ein Schlag ins Gesicht für alle, die Familie oder Freunde auf Intensivstationen liegen haben und für Mitmenschen, die HIV-positiv sind und Angst um ihr Leben haben.

Stefan Schmidt, Seevetal

Abstieg auf Raten

23. April: Die Steh­auf­männ­chen aus Hamburg. Der abgeschriebene HSV macht den Abstiegskampf mit dem 1:0 gegen Freiburg wieder spannend

Der HSV stieg bereits vor Jahren ab – in die sportliche Bedeutungslosigkeit. Jetzt ist es amtlich. Beinahe. Es ist beileibe nicht das Resultat einer schlechten Saison. Es war ein Trend, der sichtbar und immer deutlicher wurde. 2009 wurden bereits Choreographien für eine Meisterschaftsfeier einstudiert. Was für eine Arroganz. Anschließend hatte der Kompass nur noch eine Richtung: abwärts. Jahrelang wärmte man sich an der Alster an den Lagerfeuern der Erinnerung vergangener Erfolge. Das ist vor allem eines: zu wenig.

Klaus Schuessler, per E-Mail

Fehlbelegung ist ungerecht

20. April: Das Dilemma mit den So­zi­al­woh­nun­gen. Hamburg steckt 250 Millionen Euro in ein Förderprogramm. Und dennoch sinkt der Bestand

Mit Akribie wird die Entwicklung der öffentlich geförderten Wohnungen in Hamburg aufgezeichnet. Aber ein wesentlicher Faktor wird weder von den Kommentatoren noch von der Redaktion bedacht: Bereits nach wenigen Jahren leben in den knappen bezahlbaren Wohnungen, die für Bedürftige bereitstehen sollen Mieter, deren Einkommen über die Grundsätze der Berechtigung hinaus gewachsen sind. Man nennt das Fehlbelegung. Die Quote der Fehlbelegung geht schnell von 10, 20, 30 Prozent auf schließlich 70 Prozent. Längere Bindungsdauern verschärfen das Problem. Die gesetzliche Vorschrift Fehlbelegungen auszugleichen, wurde vom Hamburger Senat 2002 gestrichen. Die Stadt fördert mit seinen knappen Mitteln nun also Wohnungen, die von Mietern belegt sind, die zu einem wachsenden Anteil kein Anrecht auf die soziale Förderung haben. Es gibt keine vergleichbare Sozialleistung, die ein Bürger aufgrund eines einmaligen Nachweises dauerhaft erhält. Der Hamburger Senat findet das gerecht. Ich nicht.

Lorenz Flemming,, Hamburg

Kein Screening über siebzig

14./15. April: Durch Früh­er­ken­nung die Chancen auf Heilung erhöhen. Zehn Jahre Mam­­mo­­gra­­fie-Scree­­ning. 500.000 Ham­bur­ge­rin­nen nahmen das Angebot an

Leider fehlte ein kritisches Wort, dass die Untersuchungen mit 70 Jahren enden. Daraus könnte man schließen, dass der Brustkrebs danach nicht mehr auftritt – falsche Hoffnung. Und es lässt den Verdacht aufkommen, dass das früher schon einmal zitierte sozialverträgliche Ableben nicht unwillkommen ist.

Herbert Hengstenberg, per E-Mail

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