Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 20. April 2018

Der Staat hat kapituliert

19. April: Geschlagen, weil er die Kippa trug. Ein Angriff auf einen jungen Israeli in Berlin schockiert das Land

Die Verzweiflung von Leonid Goldberg und von wohl allen in Deutschland lebenden Menschen jüdischen Glaubens ist mehr als verständlich. Denn der Staat hat vor dem ungehemmt in dieses Land hereinströmenden Judenhass schon lange kapituliert, jegliche Kritik daran wird abgetan und kleingeredet. Zudem ist Antisemitismus ja salonfähig geworden, sonst hätten schärfste Reaktionen bis zum Strafantrag erfolgen müssen, als antisemitische Rapper mit Preisen der Deutschen Phono Industrie ausgezeichnet wurden. Dieses widerliche Geschehen und die daraus entstehenden Straftaten wie in Berlin stellen Deutschland weltweit an den Pranger, machen alle vergangenen Bemühungen um Aussöhnung zunichte. Doch alles wird von der Bundesregierung geduldet wie der antisemitische Frankfurter Richterspruch, nach dem es Fluggesellschaften, denen hierzulande Start- und Landerechte gewährt sind, wie in der NS-Zeit erlaubt ist, jüdische Bürger von der Beförderung auszuschließen. Auch der angreifende Rassist in Berlin wird ganz sicherlich keine Strafmaßnahmen zu befürchten haben.

Gerhard Klußmeier, Rosengarten

Alles andere als ein Opern-Krimi

Zwei Sahnehäubchen auf einer Bühne. Das „Tosca“-Finale der Italienischen Opernwochen mit Anja Harteros und Joas Kaufmann

Die positive Kritik von Herrn Mischke kann ich nicht nachvollziehen. Jonas Kaufmann wird von der Welt als Top-Tenor-Star gefeiert. Aber die Welt will sich zum größten Teil in ihrer Begeisterung selber feiern und hat oft wenig Ahnung. Herr Kaufmann ist gut. Aber mehr ist es nicht. Er hält permanent mit seiner Stimme zurück. Er gibt nie sein Ganzes. Exponierte Stellen sind matt, trübe, abgedunkelt. Sein Tenor ist baritonal eingefärbt, seine Stimme bekommt oben nie etwas strahlendes, glänzendes und hat absolut keinen Schmelz. Frau Harteros singt schön. Sie hat eine schöne Stimme, die gut geführt ist. Sie verfügt durchaus über das, was man „Gesangskultur“ nennt. Aber auch bei ihr merkt man, dass sie permanent behutsam singt, schonend und lieber ein wenig zurückgenommen, zurückhaltend als wirklich mal Schmackes zu geben und loszulegen. Sie berührt mich nicht, obwohl sie gut singt. Dem Sänger des Scarpia fehlte Tiefe. Er hat nichts Schwarzes in der Stimme und kein Volumen. Alle Nebenrollen waren peinlichste Gesangsdarbietungen auf unterster Stufe. Runtergeleierter, kaum zu vernehmender Gesang. Das Dirigat war langsam, behäbig, langweilig und alles andere als ein packender Opern-Krimi, was die Tosca nun aber einmal ist.

Jochen Brachmann, per E-Mail

Schulen zusammenschließen

17. April: Ka­tho­li­sche Schulen vor Rettung. Erzbistum will ernsthafte Verhandlungen mit der Schulgenossenschaft

Angeregt durch die heutige morgendliche Lektüre der ökumenischen Bibellese in Epheser 4, V. 1-6 einerseits und des Abendblattes andererseits kommt mir der Gedanke, ob nicht der Zusammenschluss, zumindest eine enge Kooperation, aller christlichen Schulen Hamburgs ein guter Weg sein könnte?

Paul Blecher, per E-Mail

Die Gesinnung einschätzen

18. April: Urteil mit großen Auswirkungen: Kirchen dürfen Kon­fes­si­ons­lose bei Jobs nicht immer aus­schlie­ßen

Recht zu verstehen ist dieses Luxemburger Urteil nicht. Loyalität gegenüber seinem Arbeitgeber zählt bei fast jedem Arbeitsverhältnis als ein sehr hohes Gut. Warum soll dieses bei Kirchen nicht gelten? Sicher ist Loyalität nicht immer leicht zu messen, aber neben Ausbildung, Kleidung und Auftreten zählt auch die einschätzbare Gesinnung dazu. Einstellungskriterien sollten weiterhin dem Arbeitgeber überlassen bleiben, er alleine trägt jedes Risiko.

Siegfried Meyn, Hamburg

Kirchliches Dienstrecht ist sinnvoll

Ein eigenes kirchliches Dienstrecht ist durchaus sinnvoll. Ein katholischer Priester muss natürlich katholisch sein und ein evangelischer Pfarrer evangelisch. Kindergärtnerinnen in kirchlichen Häusern müssen zumindest einer christlichen Konfession angehören, da sie ja dort die Kinder im christlichen Glauben erziehen sollen. Alles andere wäre schizophren. Bei den Pflege- und erst recht bei den Putzkräften spielt die Kirchenzugehörigkeit natürlich keine solche Rolle, wiewohl man auch hier zunächst Kirchenmitglieder berücksichtigen sollte. Da geht es um Solidarität mit den Glaubensgeschwistern. Auch sollte die Kirche die Möglichkeit haben, Mitarbeitende zu entlassen, die sich in rassistischen Gruppen engagieren. Da geht es um die Glaubwürdigkeit der Kirche. Die sexuelle Orientierung sollte keine Rolle bei Einstellungsgesprächen spielen. Über das Recht, in kirchlichen Häusern zu streiken, sollten wir offen diskutieren. Was für eine Köchin akzeptabel ist, muss es nicht für einen Pfarrer sein.

Christian Fuchs, Gutenstetten

Beispiel nehmen an Dänemark

17. April: Hamburgs Polizei warnt vor Geister-Radfahrern. ADFC: Oft ist die schlechte Infrastruktur schuld

Die Frage ist doch, warum verhalten sich einige wenige Radfahrer nicht regelkonform? Diese Frage wird in Dänemark immer gestellt, wenn sich Radfahrer nicht richtig verhalten. Es werden dann aber nicht die Radfahrer an den Pranger gestellt, sondern die Verkehrsregeln entsprechend angepasst. Also, liegt es vielleicht an der mangelnden Infrastruktur? Oder an den zugeparkten Radwegen oder einfach an der mangelnden Akzeptanz der Radfahrer als vollwertige Verkehrsteilnehmer? Wenn wir lebenswerte Städte haben wollen, sollten wir das ruhende Blech aus unseren Straßen verbannen und gegen vernünftige Radwege tauschen.

Thomas Kohns, per E-Mail

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