Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 18. April 2018

Mit zweierlei Maß gemessen

17. April: Hamburgs Polizei warnt vor Geis­ter-Rad­fah­rern. ADFC: Oft ist die schlechte Infrastruktur schuld

Radfahrer, die aus Bequemlichkeit Ordnungswidrigkeiten begehen, praktizieren nur übliches Verhalten, für das man Verständnis haben muss, meint Dirk Lau vom ADFC. Würde ein Autofahrer „aus Gedankenlosigkeit und aufgrund der straßenbaulichen Situation“ mal in die falsche Richtung fahren oder über einen Fußweg, eine Wiese oder einen Vorgarten abkürzen und womöglich dabei noch einen auf dem Fußweg aus falscher Richtung kommenden Fahrradfahrer übersehen, so würde sofort nach seinem Kopf gebrüllt. Herr Lau misst leider gern mit zweierlei Maß und vergisst dabei, dass die Straßenverkehrsordnung für alle Verkehrsteilnehmer gilt. Leider weiß man bei den meisten Fahrradfahrern nie so genau, ob sie nur gedankenlos sind, bewusst gegen alle Regeln verstoßen oder es einfach nicht besser wissen. Meistens ist es wohl eine Mischung aus allen drei Faktoren. Es wäre begrüßenswert, wenn Radfahrer endlich anfingen, Rücksichtnahme zu üben und diese nicht immer nur einzufordern.

Anja Hagelgans, per E-Mail

Sonderrechte für Fahrradfahrer?

Dass der Sprecher des ADFC die teils höchst rüpelhafte Fahrweise von Radfahrern bagatellisiert, war zu erwarten. Aber verkehrswidriges Verhalten mit „straßenbaulichen Situationen“ zu entschuldigen, ist schon dreist. Wie kommt Sprecher Lau auf den Gedanken, dass für Radfahrer Sonderrechte im Straßenverkehr gelten? Weil sie die besseren Menschen sind?

Jörg Ökonomou, Hamburg

Aus der Seele gesprochen

17. April: Die Gen­de­ri­sie­rung nervt. Zwischen Mutterland und Vatersprache: Hört auf mit dem Quatsch!

Vielen Dank für den Artikel. Sie sprechen mir aus der Seele. Auch mir geht dieser sprachliche Gender-Wahn schon lange und immer mehr auf den Geist. Die Lesbarkeit von Texten stockt und beim Zuhören ist es noch schlimmer. Ich definiere mich als Frau doch nicht über eine weibliche Wortendung, sondern fühle mich in der neutralen, „männlichen“ Form sehr wohl mit angesprochen. Sie haben recht, da gibt es wirklich dringendere Probleme, die auf dem Weg der Gleichstellung noch zu lösen sind.

Sabine Ter Vehn Krüger, per E-Mail

Genderisierung ist kontraproduktiv

Vielen Dank für Ihre klaren Worte, die ich als Frau hundertprozentig unterstütze. Auf vielen Gebieten war und ist es auch heute noch nötig, die Gleichberechtigung von Mann und Frau zu fordern. Die Genderbewegung schadet jedoch nach meiner Meinung den Anliegen der Frau. Sie schafft in der Männerwelt und auch bei vielen Frauen eine große Abneigung gegen alle, die die Genderbewegung auf die Spitze treiben. Die „Genderisierung“ ruft in vielen Fällen, speziell auch in der Sprache, nur noch ein Kopfschütteln hervor. Die berechtigten Forderungen der Frauen werden dadurch insgesamt als unsinnig abgetan. Ich möchte aber als Frau ernst genommen werden. Ein harmonisches Miteinander von Mann und Frau wird in der Genderbewegung gefährdet.

Hannelore ter Haseborg, per E-Mail

Sprache: Das Haus unseres Seins

Beim Thema „Gleichberechtigung von Männern und Frauen“ spielt unsere Sprache, in die wir hineingeboren sind, eine ganz entscheidende Rolle, denn wir sprechen sie nicht nur, sondern wir denken auch in ihr. Unsere Sprache ist sozusagen das „Haus unseres Seins“. Weil die deutsche Sprache eindeutig patriarchal geprägt ist, entfaltet sie ihre Wirkung derart, dass wir unbewusst die Männer als dominierend und bedeutungsvoller einstufen. Um dem entgegenzuwirken, ist es sehr wichtig, ganz bewusst die weiblichen Endungen bei Berufen und Anreden zu benutzen. Dadurch werden Bewusstseinsprozesse in Bewegung gebracht, die für eine echte, dauerhafte Gleichberechtigung unerlässlich sind.

Ilsemarie Strege, per E-Mail

Sprache ändert nicht das Verhalten

Glückwunsch und vielen Dank für den Leitartikel. Endlich traut sich auch mal eine Frau den Unsinn der Genderisierung in unserer Sprache beim Namen zu nennen. Als Mann wird man ja gleich in die Macho-Ecke gestellt, wenn man sich diesem Unsinn widersetzt. Gleichberechtigung wird nicht durch solche Sprach-Verkomplizierung hergestellt, sondern durch entsprechendes Verhalten in der Gesellschaft. Ich hoffe, dass sich viele Frauen und Männer Ihrer Meinung anschließen und der Quatsch bald beendet wird.

Ingo Wilfert, Reinbek

Überflüssiger Aktionismus

Wie recht Sie doch haben. Genderisierung ist ein völlig überflüssiger Aktionismus, um von den wirklich wichtigen Problemen unserer Gesellschaft abzulenken.

Werner Jens, Reinbek

Unzumutbares Krankenhaus

12. April: Neues Kran­ken­haus Altona soll 2026 fertig sein. Zukunft des alten Klinik-Hochhauses ungewiss

Ein Neubau der Asklepios-Klinik-Altona ist längst überfällig. Meinen dortigen Krankenhausaufenthalt im Juni 2017 habe ich wegen unhaltbarer Zustände in dem Hause nach zwei Nächten eigenmächtig beendet. So sorgte die antiquierte Klimaanlage für Eiseskälte, wenn man das Bett in unmittelbarer Fensternähe zugewiesen bekommen hatte. Und für das Aufsuchen von Dusche und WC hatte man sich auf dem Flur in die Schlange der Patienten mit gleichen Bedürfnissen einzureihen, denn Nasszellen gibt es in den Patientenzimmern nicht. Mich jedenfalls bringen keine zehn Pferde mehr in dieses unzumutbare Krankenhaus, welches heute allgemein üblichen Standards nicht annähernd genügt.

Norbert Oertel, Wedel

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.