Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 4. April 2018

Asyl auf Kosten der Gläubigen

3. April: Nirgendwo gibt es so häufig Kir­chen­asyl wie in der Nord­kir­che. Politiker üben Kritik

Für Kirchenasyl gibt es keine gesetzliche Grundlage – trotzdem wird es von den Behörden geduldet und toleriert. Mit welchem Recht können Kirchen rechtskräftige Abschiebeentscheidungen unterlaufen? Asylanten können gegen einen Abschiebebescheid Einspruch einlegen und es gibt eine Härtefallkommission. Bei allem Verständnis für Humanitätsgedanken dürfen Kirchen keine Rechtsstaatlichkeit ausüben. Hinzu kommt, dass die Kirchen für sämtliche Kosten aufkommen müssen und diese mit den Steuern ihrer Mitglieder bezahlen. Wenn Ekkehard Wysocki von einem alten, tradierten Recht seit 30 Jahren spricht, das staatlich geduldet wurde, kann aus Unrecht kein Recht oder Gewohnheitsrecht werden. Wenn früher von einer Hand voll Kirchenasyl geredet wurde, handelt es sich heute um etliche Hunderte. Man muss von Politikern und Kirchen erwarten können, dass geltendes Recht auch umgesetzt wird. Der Bürger hat die Nase gestrichen voll von allen Ausnahmen auf Kosten der Glaubwürdigkeit. Die Kirchen sollen sich um ihre Schäflein kümmern und die abgelehnten Asylanten gehören bestimmt nicht dazu.

Dietmar Johnen-Kluge, per E-Mail

Oasen der Menschlichkeit

Wir stützen betrügerische Autobauer und Banken, die gewissenlos das Geld der anderen verschleudern, aber bei den Ärmsten muss jeder Buchstabe des Gesetzes kleinlichst befolgt werden. Unser Asylrecht war einmal vorbildlich. Leider wurde es inzwischen sehr eingeschränkt. Wir sollten froh sein, wenn es noch Oasen der Menschlichkeit gibt. Ich möchte allen Kirchengemeinden ganz herzlich danken, die mit großem Einsatz leisten, was anderswo versäumt wird.

Christine Alfeld, per E-Mail

Millionen versenkt für Haltestelle

Osterausgabe: Hier fährt ab Dezember die U-Bahn. 1200 Glaselemente für die neue Haltestelle Elbbrücken verbaut

Wieder so ein Prestigeobjekt für den rot-grünen Senat. Da werden Millionen für eine Strecke versenkt, auf der noch auf Jahre keine rentablen Fahrgastzahlen erreicht werden. Und dann endet die Strecke buchstäblich in der Elbe. Ich möchte mir nicht vorstellen, was passiert, wenn ein Defekt die Bahn ungebremst auf das Ende der Strecke prallen lässt. Hauptsache es sieht gut aus.

Thomas Schendel, Hummelsbüttel

Nicht genug Nahrung für Jungtiere

Osterausgabe: Rettet die Bienen! Die bedrohten Bestäuber sind unersetzlich – oder wollen Sie bald im Alten Land Pollen auf die Blüten wedeln?

Es ist ja die Aufgabe eines Kolumnisten, ein ernstes Problem so darzustellen, dass der Leser schmunzelt und nicht in Depressionen versinkt. Dieses ist Herrn Schumacher mit seinem Text sehr gut gelungen. Allerdings ist das Insektensterben nicht nur auf die Bienen, die für unsere Nahrung wichtig sind, beschränkt. So mussten wir im letzten Jahr mit Entsetzen feststellen, dass die Vögel unsere Nistkästen im Garten bezogen, sich aber später kein Nachwuchs durch lautes Piepen bemerkbar machte. Zwar belästigten uns kaum Fliegen oder Mücken im Haus, doch damit fehlte auch für die Jungtiere das Fressen. Wenn der Verzicht auf den Einsatz von Chemie in der Landwirtschaft nicht schnell und konsequent durchgesetzt wird, verstummt wohl bald auch das fröhliche Zwitschern der Vögel.

Christiane Mielck-Retzdorff, per E-Mail

Ärmliche CDU-Reaktion

Osterausgabe: Ein Denk­zet­tel und die Folgen. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) fehlten bei seiner Wahl mindestens drei Stimmen von Rot-Grün

Im Abendblatt war richtigerweise zu lesen, dass eine geheime Abstimmung in vielen Fällen dazu führt, dass sich einzelne Abgeordnete, meist aus persönlichen Gründen, der Stimme enthalten oder sogar mit nein votieren. Die Reaktion der CDU auf die Wahl des Herrn Tschentscher zum Bürgermeister wirkt dabei ärmlich, wenn Herr Trepoll davon spricht, der neue Bürgermeister sei ein Mann aus der dritten Reihe. Es ist doch gut, dass eine Regierungspartei auch gute und zweifelslos erfolgreiche Frauen und Männer selbst aus einer hinteren Reihe vorschlagen kann, obwohl dieser Kandidat schon bisher Mitglied des Senates war, also in der ersten Reihe stand. Blickt man dagegen auf die CDU, dann zeigt sich nur eine kleine Reihe, bestehend aus den Herren Trepoll, Gladiator und Thering, allesamt üben sie sich lediglich im Aufzählen negativer Aspekte in dieser Stadt. Die einzige sichtbare Frau, Karin Prien, hat sich mit einer schwer nachvollziehbaren 180-Grad-Wende in der Schulpolitik nach Schleswig-Holstein verabschiedet. Wir Hamburger sollten also dem neuen Bürgermeister die Chance geben, gute Arbeit zu leisten und manches noch besser zu machen.

Kai Müller, Eschburg

Der Kiez wird kaputtgespart

Osterausgabe: Leserbrief der Woche. ,Eigene Kultur schützen‘. Kiezwirte kämpfen gegen Alkohol vom Kiosk

Da wird ernsthaft behauptet, das Billigbetrinken vor den Kiosken mit Benutzung der Hauseingänge als Toiletten sei eine andere Art von Kultur, nicht schlechter als die der Clubs und Musikkneipen und Theater. Diese Musikläden schaffen die Atmosphäre, wegen der zum Feiern auf den Kiez gegangen wird. Wer nicht bereit ist, für DJs, Tresenleute und Reinigung zu bezahlen, spart den Kiez kaputt. Man darf gespannt sein, wie lustig die „ Kioskkultur“ noch ist, wenn der letzte Musikladen pleite ist, wenn es am Hamburger Berg nur noch Kioske gibt. Es geht nicht um die großen Theater auf dem Kiez, deren Besucher sind nicht das Publikum, das sich vor den Kiosken versorgt. Es geht um ein typisches Stück Hamburg, das mit dieser Geiz-ist-geil-Mentalität zu verschwinden droht.

Marion Schmedeke, Hamburg

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