Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 29. März 2018

Auf Elbvertiefung verzichten

28. März: Studie: Schwere Zeiten für Ham­bur­ger Ree­de­reien

Endlich einmal eine gute Nachricht. Wenn zukünftig wieder mehr Produktion und Wertschöpfung vor Ort stattfindet und der umweltbelastende Schiffsverkehr reduziert wird, dürfte dies für Mensch und Natur nur Vorteile bringen. In der logischen Konsequenz wäre es selbstverständlich, jetzt auch auf die Elbvertiefung zu verzichten. Ein temporärer Rückgang an Transportquantität dürfte für den Hafen verschmerzbar sein und würde nebenbei den Steuerzahler entlasten, der die Elbvertiefung ja letztendlich zu bezahlen hätte.

Walter Spremberg, per E-Mail

Der ICE fährt nicht nach Wetter

28. März: Deutsch­land verfehlt Kli­ma­ziele

Wenn ein Ziel nicht erreicht werden kann, tut man entweder zu wenig dafür oder es war von vornherein unrealistisch. Die im Pariser Abkommen genannten Klimaziele sind rein politische Ziele, nicht Ergebnis von strengen Machbarkeitsstudien. Also eher die der unrealistischen Art, sozusagen Wünsche. Einzelkontingente für den zulässigen CO2- Ausstoß nach pro Kopf festzulegen, ist zwar leicht, weil abzählbar, trifft aber nicht den Kern des Problems. Industrieländer haben zwingenderweise einen höheren CO2-Ausstoß als Entwicklungsländer. Aussagekräftiger wäre der CO2-Ausstoß pro Bruttoinlandsprodukt. Stimmt, Braunkohlekraftwerke stoßen viel CO2 aus, ihre Abschaltung zu fordern ohne anzugeben, womit der Ersatzstrom produziert werden kann, ist unvollständig. Für gleichviel Strom aus sieben Gigawatt Braunkohle werden rund dreißig Gigawatt aus Onshore-Windkraft benötigt. Und Windstrom ist nur bedingt bedarfsgerecht. Schließlich muss der ICE nach Fahrplan fahren, nicht nach Wetter. Fazit: Auch wenn der Braunkohle-Apfel sauer ist, wir werden noch mehrere Jahre in ihn beißen müssen.

Dr. Ing. Friedrich Weinhold, Norderstedt

Ärzte profitieren von G8

28. März: Gutes Zeugnis für Turbo-Abi

Dass angeblich kaum Leistungsunterschiede zwischen G8-Turbo-Abi und G9-Abi festzustellen seien, lässt sich sicherlich mit geschickter Statistik belegen, widerspricht aber völlig dem pädagogischen Sachverstand und den schmerzlichen Erfahrungen von Schülern und Eltern in der Vergangenheit, sowie der Tatsache, dass inzwischen viele Bundesländer zurückrudern, nachdem sie vorher wie Lemminge dem Vorstoß von Hamburg in 1991 folgten. Im Nachhinein ist das Ganze ein Lehrstück, dass in der Politik nicht verdiente Parteisoldaten, sondern ausschließlich Fachleute aus dem pädagogischen Bereich auf ein so sensibles Gebiet wie Schule losgelassen werden dürfen, schließlich geht es hier um das Schicksal junger Menschen und nicht um die Effizienz von Maschinen und politischem Profilgehabe. Profitiert haben nur Psychotherapeuten und Ärzte, da immer mehr Schüler und betroffene Eltern wegen Überlastung und Burnout zur Behandlung kamen.

Dr. med. Dietger Heitele

Entsetzt über die GroKo

27. März: Die Lehren aus Weimar. Die Montagsdemonstrationen nerven – viele selbst ernannte „Antifaschisten“ auch

Hat Matthias Iken ernsthaft zu den Merkel-muss-weg-Demos recherchiert oder sich mit einem Besuch je ein persönliches Bild gemacht? Es ist keine Pegida-Demo, und ich bin – wie viele der Teilnehmer dort – das erste Mal in meinem Leben für eine Demo auf die Straße gegangen. Radikale Rechte habe ich nicht gesehen, auch wenn wir das von Medien und Politikern breit gestreute Gerücht, es seien welche dabei, natürlich nicht widerlegen können. Ich bin parteilos, in Pakistan aufgewachsen, habe gute muslimische Freunde und kenne keinen Fremdenhass. Aber ich bin entsetzt über unsere Politik und die Akteure der GroKo, die mit ständiger Fehlsteuerung und naiver Ideologie bei der Integration so versagen. Es macht wirklich keinen Spaß, sich durch brüllende Antifa-Horden auf eine Demonstration zu begeben, man wird gestoßen und hat Angst. Aber es macht noch weniger Spaß, sich konsequent von der Presse beleidigen zu lassen.

Astrid Epping, per E-Mail

Lebensgefährlicher Schulweg

27. März: P+R-Gebühren schrecken Autofahrer ab. Senat verteidigt Einführung. Es gebe jetzt weniger „Fehlnutzung“ durch Anwohner und mehr Platz für Pendler

Das durch die P+R-Gebühren angerichtete Desaster kann ich anhand meiner Erfahrungen mit dem fast immer leeren P+R-Parkhaus am S-Bahnhof Neuwiedenthal nur bestätigen. Durch auf beiden Seiten geparkte Autos sind die Straßen so eng geworden, dass nur noch ein Auto in eine Richtung fahren kann, das andere muss warten. Fußgänger – auch Schulkinder – warten verdeckt und vom Autofahrer kaum sichtbar in den Lücken der parkenden Autos auf ihre Chance schnell über die Straße zu laufen. Das ist unter Umständen lebensgefährlich. Das Dollste ist das Argument, dass die P+R-Parkhäuser „durch Anwohner zugeparkt“ würden. Als es noch keine Gebühren gab, war das P+R-Parkhaus S-Bahnhof Neuwiedenthal tagsüber ausgelastet und nachts total leer. Warum? Weil die Anwohner ihre Autos nachts lieber vor der eigenen Haustür geparkt haben als im P+R-Parkhaus.

Wolfgang Lelewell, Hausbruch

Beispiel Wellingsbüttel

Dem Artikel und den Ausführungen von Herrn Thering lassen sich leider weitere Beispiele hinzufügen: Rund um die S-Bahnhöfe Wellingsbüttel und Poppenbüttel sind die Anwohnerstraßen von Pendlern zugeparkt. Verbunden mit einer Verdichtung der Bebauung in den Walddörfern, fehlender öffentlicher Verkehrsinfrastruktur in den Neubaugebieten und Beruhigung/Fahrradspuren in viel genutzten Einfallstraßen sieht das nach allem anderen als einem integrierten, schlüssigen Verkehrskonzept aus.

Andreas Nendza, Hamburg

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