Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 28. März 2018

Gesellschaft mit vielen Facetten

27. März: Die Lehren aus Weimar. Die Montagsdemonstrationen nerven – viele selbst ernannte ,Antifaschisten‘ auch

Der Artikel spricht mir, leider, aus der Seele. Die sich zunehmend feindlich gegenüberstehenden Lager verschanzen sich hinter Hass und groben Vereinfachungen, wie in Weimar, nur heute online. Leider wissen wir nur zu gut, in welcher Katastrophe es damals endete, auch verursacht durch die allseitige Unfähigkeit zur Kommunikation. Wir brauchen einen grundlegenden Wechsel, hin zu einer Kultur die Streit und offene Diskussion als etwas produktives begreift. Wir müssen andere Meinungen als existent hinnehmen, ohne das Gegenüber reflexartig als Extremisten zu diskreditieren. Und wir müssen sich geänderte gesellschaftliche Wirklichkeiten grundsätzlich akzeptieren, in all ihren Facetten. Eine „Romantisierung“ von Gegenwart oder Vergangenheit, welche den Blick auf die Realität verstellt, war noch nie hilfreich.

Peter Baasch, per E-Mail

Gebührenfreie Nutzung abgelehnt

27. März: P+R-Ge­büh­ren schrecken Au­to­fah­rer ab. Senat verteidigt Einführung. Es gebe jetzt weniger „Fehl­nut­zung“ durch Anwohner und mehr Platz für Pendler

Es ist überall ein Ärgernis für Anwohner, wenn sie aufgrund des Pendlerparkens im Umkreis der Bahnstationen keine Parkplätze mehr bekommen. Die Sturheit der Behörde zeigt sich auch in dem Fall Volksdorf. Der Bezirk hat darum gebeten, für die Zeit der Neugestaltung des großen Marktplatzes, bislang vollgestellt mit Pendlerautos, die Benutzung des Parkhauses gebührenfrei zu stellen. Diese wurde von der Betreibergesellschaft abgelehnt. Also werden sich noch mehr Pkw in die Innenstadt bewegen. Ich glaube nicht, dass sich die Autofahrer zwingen lassen, dann das Parkhaus zu nutzen.

Dietlind Thiessen, per E-Mail

Konflikt verschärft sich

27. März: Nach Gift­an­schlag: Deutsch­land weist russische Di­plo­ma­ten aus

Nun dreht also auch Deutschland an der Eskalationsschraube mit. Das soll ein Zeichen der Solidarität mit Großbritannien sein, das sich gerade unsolidarisch von der EU abwendet. Das alleine ist schon fragwürdig genug. Besonders problematisch aber ist, dass dieser Schritt auf der Basis von Spekulationen und bisher unbewiesenen Behauptungen erfolgt. Diese unnötige Verschärfung des Konflikts mit Russland finde ich in hohem Maße beängstigend.

Ilona Wilhelm, per E-Mail

Optimistische Aufbruchstimmung

26. März: ,Wählt sie ab! Wählt sie ab!‘ Massenprotest bewegt USA

Wir Erwachsenen sollten uns was schämen, denn wir sind drauf und dran, das, was wir einst als moderne Zivilisation hoch geschätzt haben, zu ruinieren und stattdessen unsere Gesellschaft in ein Medium zu verwandeln, in dem ausschließlich die Gesetze des Dschungels gelten. In den USA ist diese Entwicklung besonders weit gediehen. Es sind Schülerinnen und Schüler, die uns daran erinnern, dass Zivilisation ein höchst schützenswertes Gut ist. Die Schülerdemonstrationen atmen genau jene wirklich optimistische Aufbruchsstimmung, die vor 50 Jahren den Muff von 1000 Jahren hinweggefegt hat. Man kann nur hoffen, dass sich dieses Aufbegehren der Schüler weltweit verbreitet, denn auch bei uns vernichtet die immer mehr um sich greifende rechtspopulistische Hasskultur zivilisatorische Errungenschaften. Ich wünsche den Schülerinnen und Schülern Ausdauer und Beharrlichkeit, denn der notwendige Kampf, den sie führen, wird langwierig sein.

Hans-Jürgen Küsel, Tostedt

Nachteile für Opernfans

24./25. März: Stück für Stück: So entsteht ein Spielplan. Wie erstellt man eine Staatsopern-Saison als Gesamtkunstwerk aus Proben, Repertoire und Regie-Konzepten?

Wie plant und ändert man die Vorverkaufsregeln zum Nachteil der Besucher, die nicht nur einmal oder zweimal in der Spielzeit in die Oper gehen, sondern mehrfach im Monat? Die neuen Vorverkaufsregeln sind extrem nachteilig für Opernfans, die mehrfach im Monat die Oper besuchen. Die Staatsoper erwartet, dass man sich für eine ganze Spielzeit festlegt und die Karten an einem Vorverkaufstermin kauft, ansonsten eben das was übrig bleibt. Gerade für die Opernbesucher mit niedrigem Einkommen, ist es nicht möglich, viele Karten auf einmal zu erwerben. Das Konzept von Rolf Liebermann, Oper auch für die kleinen Leute zu öffnen, dieses Konzept wurde mehr und mehr aufgeweicht. Nun ist es fast komplett gestrichen. Die Staatsoper sollte sich die neue Verkaufsregelung wirklich noch mal gründlich überlegen.

Jochem Pinders, per E-Mail

Zu viele Streifenwagen?

22. März: Per­so­nal­not: Polizei kann Hunderte Strei­fen­wa­gen nicht besetzen. An allen 24 Wachen in Hamburg fehlen Beamte

Wenn die Polizei Hunderte von Streifenwagen nicht besetzen kann, dann bedeutet das entweder, dass es zu wenig Polizisten oder zu viele Streifenwagen gibt. Mit der genannten personellen Unterbesetzung der Wachen von zwölf Prozent lassen sich bei zwei Polizisten pro Streifenwagen bestenfalls 100 unbesetzte Streifenwagen erklären, aber nicht Hunderte. Darüber hinaus ist eine Unterbesetzung von zwölf Prozent während der gerade zurückliegenden „Ski-Ferien“ durchaus normal. In dieser Zeit dürften sich auch zwölf Prozent der Hamburger im Urlaub befunden haben, was auch etwa zwölf Prozent weniger Einsätze bedeutet haben dürfte. Wo ist nun das Problem? Vermutlich haben wir tatsächlich zu viele Streifenwagen. Also weg damit und angesichts des immer besser werdenden Fahrradwegenetzes für den Notfall und als Reserve Anschaffung von Fahrrädern. Wesentlich wahrscheinlicher dürfte aber sein, dass die Gewerkschaft der Polizei Stimmung für die nächste Tarifrunde machen will.

Hans-Peter Hansen, Hamburg

© Hamburger Abendblatt 2018 – Alle Rechte vorbehalten.