Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 27. März 2018

Politiker ohne Umweltbewusstsein

24./25. März: Der Stadtpark soll größer werden. SPD, Grüne und CDU im Bezirk Nord wollen am Südring eine Erweiterung prüfen

Die Vernichtung der Hamburger Kleingärten scheint für die Politiker immer wichtiger zu werden. 2016 wurden zwei Kleingartenanlagen zwischen Alte Wöhr und Hebebrandstraße vernichtet, für das Neubaugebiet Pergolenviertel. Jetzt soll am Südring wieder eine blühende Kleingartenanlage, von der CDU als Brachfläche bezeichnet, umgewandelt werden in eine Rasen- und Grillfläche. Das Umweltbewusstsein der Politiker hat sich immer noch nicht weiterentwickelt, wie man an der Naturvernichtung von Gärten sehen kann. Wer den völlig vermüllten Stadtpark am Montag nach einem Sommerwochenende sieht, möchte kaum eine Vergrößerung der Stadtparkfläche.

Petra Burmester, per E-Mail

Es ist immer gleich lang hell

24./25. März: Sommerzeit beginnt. Uhren eine Stunde vor­stel­len

Es wäre zu schön, wenn es durch Umstellen der Uhr gelingen könnte, dass es länger hell wäre. Tatsächlich ist es vor und nach Umstellen auf die Sommerzeit gleich lange hell: Etwa zwölf Stunden und 20 Minuten jeden Tag. Die Sommerzeit ist für mich ein ähnlicher Irrtum wie der Rat für die Eisenbahn: Der letzte Waggon ist der gefährlichste, deshalb sollte man ihn abhängen.

Detlef Winter, per E-Mail

Feuerwehrfrau und Polizist

24./25. März: In Sorge um meine Lieder. Der Komponist und Musiker Rolf Zuckowski über mögliche Folgen ,gendergerechter‘ Sprache

Natürlich ist das mit der gendergerechten Sprache alles andere als einfach. Bestehende Lieder sinnvoll umzudichten ist kein Kinderspiel. Vielleicht auch gar nicht wirklich gut möglich. Und vertraute und liebgewonnene Formulierungen umzudichten ist schwer. Aber wenn sich Menschen ernsthaft mit geschlechtergerechter Sprache beschäftigen, ist es ja wenigstens für die Zukunft möglich, über andere Formulierungen nachzudenken. Sie werden ja hoffentlich noch weitere wunderbare Kinderliederschlager kreieren und vielleicht spielen Sie dann einmal mit verschiedenen Formulierungen und es kommt z.B. mal eine Feuerwehrfrau und ein Polizist im Wechsel vor? Die Sprache gestaltet immer auch unser Bild der Welt im Kopf mit und wenn wir gerade Kindern nicht vermitteln, dass es in den allermeisten Berufen Frauen und Männer gibt, kommen sie auch nicht auf die Idee, es werden zu wollen. Das haben Studien längst gezeigt. Wie viel reicher wäre aber unsere Welt, wenn alle den Beruf ergreifen würden, auf den sie richtig Lust haben.

Jessica Diedrich, per E-Mail

Der Tod gehört zum Leben

24./25. März: Leserbrief der Woche: Leben ist das Kost­barste

Warum ist der Leserbriefschreiber Herr Regener nicht einfach dankbar für sein langes und gutes Leben? Leider ist heute für die meisten Menschen das Thema Tod so tabu, dass selbst noch alte, sterbende Menschen in Kliniken eingeliefert werden. Der Tod gehört aber nun mal zum Leben und ich habe größte Achtung vor dem Mut und der Liebe der Tochter von Herrn Reitmann, die den Wunsch ihres alten Vaters respektiert hat. Leben um jeden Preis, auch bei jungen oder schwerstkranken Menschen, die dem Tod geweiht sind, ist unmenschlich und oft nur dem Egoismus der Angehörigen oder den Erträgen aus der Intensivmedizin geschuldet.

Antje Netz, Hamburg

Abgrenzung zum Islam?

22. März: ,Deutsch­land, das sind wir alle‘. Kanzlerin Angela Merkel zeigt sich bei der Regierungserklärung zu Beginn ihrer vierten Amtszeit selbstkritisch

Christen und Juden sind in Deutschland nie gleichrangig gewesen. Die deutschen Juden waren immer eine Minderheit, die über Jahrhunderte hinweg mal mehr, mal weniger diskriminiert wurde. Die systematische Ermordung der europäischen Juden in der Shoah ging von Deutschland aus, der so genannte christliche Bezugsrahmen Deutschlands wurde dadurch nie wirklich in Frage gestellt.

All das ist Teil des historischen Bewusstseins. Um so mehr „stolpere“ ich momentan darüber, dass – nicht nur in der Regierungserklärung der Kanzlerin – eine christlich-jüdische Prägung Deutschlands konstatiert wird. Vielleicht wird dieses Konstrukt ja benutzt, um sich vom Islam abzugrenzen. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass es keine wirklich christlich-jüdische Prägung in einem Land geben kann, das Juden systematisch ermordete.

Herta Kadner, per E-Mail

Gute Fahrradwege in der City

22. März: Hamburg baut Radwege langsamer als geplant. Nur 30 statt 50 Kilometer pro Jahr

Sollte man sich im Hamburger Senat nicht mal fragen, wem die Velorouten nützen? Nützen sie, um den Autoverkehr in der Innenstadt zu entlasten? Nützen sie, um die Stickoxide im Stadtzentrum zu reduzieren? Nützen sie, um die Parkplatzsituation dort zu entspannen? Nein, nein und nochmals nein. Nützlich sind sie aber fürs Prestige der Radverkehrsexperten im Rathaus und für Freizeitsportler. Wer, bitteschön, wird denn morgens zur Arbeit von Elmshorn nach Hamburg mit dem Fahrrad fahren? Diese Radler kann man an einer Hand abzählen. Um aus einer Stadt eine Fahrradstadt zu machen, muss man doch zuallererst im Innenstadtbereich mit angrenzenden Bezirken für vernünftige Radwege sorgen, die die normalen Radfahrer sicher und schnell zur Arbeit und zur Schule bringen. Ich rede hier aber nicht von den lieblos hingepinselten Radstreifen, sondern von Radwegen, die vom motorisierten Verkehr strikt getrennt sind und, wo dies nicht machbar ist, breite Radstreifen wenigstens eine Bordsteinkante haben.

Sylvia Nitze-Schröder, per E-Mail

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