Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 22. März 2018

Gelder für geschädigte Anwohner

21. März: Hamburgs lauter Himmel. Immer mehr Fluglärm. 2017 waren die Belastungen so hoch wie seit 15 Jahren nicht

Oberstes Ziel sollte natürlich sein, das Nachtflugverbot bedingungslos durchzusetzen. Ich habe allerdings den Verdacht, dass der Stadt Hamburg als Mehrheitsanteilseigner Verstöße gegen das Verbot sehr gelegen sind, fließen doch auf diese Weise Strafgelder in Millionenhöhe in die Staatskasse. Man sollte diese Gelder in einem Fond sammeln und sie dann den geschädigten Anwohnern auszahlen, denn dort gehören sie hin.

Peter Kröncke, per E-Mail

Hamburg tritt auf der Stelle

Die Kardinalfehler der Verkehrs-, bzw. Stadtentwicklungspolitik sind in Hamburg allgegenwärtig. Es gibt keinen Autobahnring, eines der größten Straßenbahnnetze Europas wurde für die autogerechte Stadt vernichtet, ein großer Flughafen und ein Messegelände liegen immer noch mitten in der Stadt. Städte wie z. B. München haben solche Probleme bereits vor Jahrzehnten gelöst. Hamburg tritt auf der Stelle und glaubt, eine Metropole zu sein.

Jens Ode, per E-Mail

Der deutsche Mann ist hartleibig

20. März: Der Säugling soll an die Va­ter­brust! Wenn der Genderwahn sich in den Geschlechtern der Verwandtschaft verläuft, ist die Grenze überschritten

Was ist mit dem Abendblatt los, Herr Haider? Auf Seite zwei einer Tageszeitung, die immerhin die zweitgrößte Stadt Deutschlands repräsentiert, fühlt sich Herr Schmachthagen genötigt, seine Ansicht mit 70 Meinungen zu belegen, die ihm zustimmen? Finden Sie nicht auch, dass das Ihrer Zeitung unwürdig ist? 2009 sind mein Mann und ich nach unserer Pensionierung nach Hamburg gezogen. Noch einmal für die letzte Lebensphase etwas Großstadtluft schnuppern. Und nun lese ich, dass 70 Meinungen entscheidend sind für das, was im Abendblatt abgedruckt wird? Sie hören sicher meine Enttäuschung heraus. Dieser Artikel hätte so nicht erscheinen dürfen. Er enthält keine neuen Argumente, wiederholt ausschließlich „dämliche“ Beurteilungen (das Wort gebraucht er selbst). Inhaltlich wird klar, dass Herr Schmachthagen nichts verstanden hat. Denn es geht nicht um Veränderungen deutscher Gedichte oder gar um deutsches Kulturgut, sondern um die gesellschaftlichen Auswirkungen von Sprache. Schon zu meinen Studienzeiten am Ende der 60er-Jahre waren Sprachgebrauch und -stile wesentliche soziologische und pädagogische Themen. Es wurde untersucht, inwiefern Sprache ein Mittel zur Veränderung bzw. zur Zementierung gesellschaftlicher Gegebenheiten sein könnte. Und geht es Herrn Schmachthagen nicht genau um diese Zementierung? Eine französische Feministin schrieb in den 70ern: Nichts ist so hartleibig wie der deutsche Mann. Sollte sie etwa Herrn Schmachthagen gemeint haben? Wenn wir wollen, dass Frauen wirklich gleichberechtigt in allen gesellschaftlichen Bereichen sind, so müssen auch Mädchen und Frauen in unserem Sprachgebrauch vorkommen. Bei der Seite „Schüler machen Zeitung“ könnte doch zumindest als Anfang die Überschrift in „Schülerinnen und Schüler machen Zeitung“ oder: „Schule kann auch Zeitung“ geändert werden und das wäre wirklich noch keine Bedrohung für die gute deutsche Sprache.

Christel Werner, per E-Mail

Worüber streitet man eigentlich?

21. März: Lan­des­grup­pen­chef Dobrindt legt in der Islam-De­batte nach. Welche Religion gehört zu Deutschland?

Wie so häufig, streitet man sich „um des Kaisers Bart“, weil die Aussage, um die es geht, vage und mehrdeutig ist. Es handelt sich um die Wendung „gehört zu“. Nordschleswig „gehört“ seit 1919 wieder zu Dänemark. Vorher „gehörte“ es zum damaligen Deutschen Reich. Das ist eindeutig. Zu einem traditionell englischen Frühstück „gehören“ ‚Bacon and eggs’. Auch hierüber dürfte es keine abweichenden Meinungen geben. Aber schon bei der Aussage „Seit unserem Hochzeitstag gehörst du zu mir!“ betreten wir unsicheren Boden. Um wie viel mehr tun wir das bei einer leichtfertig-hochtrabenden Formulierung wie „Der Islam gehört zu Deutschland“. Klären wir doch zunächst, was mit „gehören zu“ gemeint ist! Vielleicht gibt es dann gar keinen Dissens. Wenn in einem Land wie dem unseren seit den 60er-Jahren des vorigen Jahrhunderts in zunehmendem Maße Arbeiter, zugleich Angehörige einer unterschiedlichen Religion leben und arbeiten, integriert sind und ihren Beitrag zum Wohlergehen dieses Landes leisten, wäre es wohl sonderbar zu sagen: „ Aber ihr ,gehört‘ nicht zu uns!“ Dass der Islam, historisch gesehen, zunächst mit Deutschland nichts zu tun hatte, ist eine andere Frage. Es „gehört“ zu einer sauberen Diskussion, dass man klärt, worüber man eigentlich streitet – wenn man schon meint, streiten zu müssen. Und das meint man ja wohl.

Gerhard Nöthlich, per E-Mail

Der Westen schaut weg...

19. März: Afrin ist gefallen. Die türkische Armee hat die Stadt im kurdischen Gebiet Nordsyriens erobert

Es beschämt mich ungemein, auf dem Foto deutsche Leopard-2-Panzer im Zentrum Afrins zu sehen. Wie ich den, mir insbesondere beruflich bedingt bekannten Kurden nach Erdogans Einmarsch in der Stadt, hier in Hamburg unter die Augen treten soll, ist unklar. Die Gruppe der Kurden inkl. der YPG (Kurdische Volksverteidigungseinheiten) hatte für „den Westen“ am Boden den verlustreichen Kampf gegen die Steinzeitislamisten vom IS bestritten, auch den Genozid an den Jesiden gestoppt und so auch die europäischen Metropolen vor weiteren IS-Anschlägen bewahrt. Jetzt schaut der Westen weg und lässt Erdogan sein blutiges Handwerk an den angeblichen YPG-Terroristen (nicht IS) verrichten. Plünderungen in Afrin wurden auch gerade gemeldet. „Unsere Politiker“ im Westen sind immer da mit lautstarker Anklage und auch mit Sanktionen, wenn es um Aktionen von Russland oder China in ihrem Machtbereich geht.

Sigmund Blank, per E-Mail

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