Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 16. März 2018

Zu wenig Vertrauen in Merkel?

15. März: Das war knapp. Angela Merkel schafft es bei der Kanzlerinnen-Wahl im Bundestag erneut im ersten Durchgang

Merkel regiert mit nur neun Stimmen Kanzlermehrheit. So dünn ist die Decke für eine Partei oder Koalition bei Regierungsantritt nie gewesen. Das ist nahe an der Grenze eines Misstrauensvotums, sieht schon fast nach Minderheitsregierung aus, wenn man zu denen gehört, bei denen das Glas immer halb leer ist. Die Verlierer dieser Koalition, die Entmachteten, auf die hinteren Bänke Verwiesenen und die Beschämten haben mit diesem geheimen Votum ein letztes Mal ihre Genugtuung zum Ausdruck bringen können. Merkel geht nach all der Verhandlerei und all den ministeriellen Zugeständnissen an SPD und CSU mit erschreckend wenig Vertrauen in ihre vierte Amtszeit. Kann das gut gehen?

Norbert Richter, per E-Mail

Trump ist das Problem

13. März: Der ewige Putin

Russland sollte eigentlich unser natürlicher Verbündeter in Europa sein. Dass dieses Land in einem langen Transformationsprozess zwischen sozialistischer Kommandowirtschaft und entfesseltem Kapitalismus steht, der noch lange nicht abgeschlossen ist, wird meist ausgeblendet. Es kann nicht erwartet werden, dass alles so funktioniert, wie in einer jahrhundertealten Demokratie. Nach den chaotischen Jelzin-Jahren, in denen unter Verlust der staatlichen Ordnung wahllos privatisiert wurde und manch fragwürdige Existenz zum Multimilliardär avancierte, hat dieses Riesenreich ab 2001 einen Präsidenten gefunden, der den Respekt der meisten Russen genießt. Notwendige Reformen wurden angegangen, und das Land hat wieder eine innere Stabilität. Im Falle der USA erleben wir hingegen, wie ein inkompetenter Präsident Trump, dessen geistige Fähigkeiten angezweifelt werden dürfen, Stück für Stück alles niederreißt, was seine Vorgänger in mühevoller Arbeit aufgebaut hatten. Das Problem sitzt nicht in Moskau, sondern in Washington.

Thomas Zimmermann, per E-Mail

Genderwahn aufs Korn genommen

13. März: Die Na­tio­nal­hymne schwes­ter­lich im Mut­ter­land. Nun ist auch das Deutschlandlied in den Fokus des Genderwahns geraten

Seit Jahren lese ich immer wieder hocherfreut die Artikel von Herrn Schmachthagen. Aber diesmal hat er „den Vogel abgeschossen“. Dieser Artikel über „Die Nationalhymne schwesterlich im Mutterland“ hat so hervorragend den Genderwahn aufgespießt, wie es treffender nicht formuliert werden kann. Schon allein dafür ist es das Abendblatt-Abo wert, gelesen zu werden. In der Hoffnung, dass er auch weiterhin auf der Seite zwei zu finden sein möge, dankt ihm

Jürgen Ritscher aus Garding

Die deutsche Sprache bewahren

Endlich spricht jemand Klartext und macht mit aller Deutlichkeit auf diesen Genderwahnsinn aufmerksam, der schon seit Jahren für öffentliche Aufmerksamkeit aber auch für Unverständnis und Empörung sorgt. Nein, es bedarf keiner Umdeutung unserer schönen deutschen Sprache, weder aus der linken Ecke noch von vermeintlich diskriminierten Feministinnen. Es gilt allein unserer Sprache, auch die uns in Dichtkunst überlieferte, zu bewahren und nicht zu verhunzen. Dafür lohnt es sich zu streiten und sich dafür einzusetzen.

Ekkehard Below, per E-Mail

Eingänge überwachen

13. März: Angriff auf 93-Jäh­rige: Erste Hinweise auf Mes­ser­ste­che­rin

Ich habe mich schon oft gefragt, ob es nicht zur Sicherheit der alten und kranken Menschen erforderlich wäre, die Eingangstüren zu überwachen und nur auf Klingelton oder Sprechstation zu öffnen, wenn niemand in der Pförtnerloge sitzt. Es ist einfach unverantwortlich, dass jeder unkontrolliert zu solchen öffentlichen Einrichtungen Zugang hat. Als ich neulich einen im Krankenhaus stattfindenden Konzertabend gegen halb elf verließ, war keine Person auf den Fluren zu sehen. Jeder hätte das Krankenhaus betreten oder verlassen können, ohne gesehen zu werden. Ich empfinde das alles als sehr unangenehm und habe mich gefragt, wie das sein kann in der heutigen Zeit, in der so viel unvorhergesehenes passiert.

Elfie Wulf, per E-Mail

Neubauentwurf beschönigt

9. März: Senat be­schließt Abriss der City-Hoch­häu­ser

Kurz nachdem die rot-grüne Mehrheit der Bürgerschaft 2016 die Anhandgabe des City-Hofs für den Senat durchsetzte, präsentierte der Investor August Prien dem Abendblatt exklusiv seine Pläne für den Neubau. Von den damals 200 geplanten Wohnungen sind heute 132 und von den mehr als 300 Parkplätzen weniger als die Hälfte übrig geblieben. Zur Erinnerung: Im Sanierungsentwurf von gmp Architekten waren 310 Wohnungen und 260 Parkplätze vorgesehen. Die Neubaupläne wurden von den Verantwortlichen nicht nur mit Zahlen schöngeredet, sondern auch mit Bildern schöngefärbt. Es ist bezeichnend, dass der Senatsdrucksache, die auch dem City-Hof e.V. vorliegt, nur eine einzige Visualisierung angehängt wurde. Nämlich die, auf der nur ein Teil des Neubauentwurfs zu sehen ist und von Fußgängerzonen im Vordergrund dominiert wird – Flächen auf denen in Wahrheit Autos parken und fahren und die nicht Bestandteil der Planung sind. Die forcierte Investorenarchitektur ist kein „schönerer Stadteingang“, sondern eine abweisende Stadtmauer, die den Blick von Osten auf das Kontorhausviertel nahezu vollständig verstellt. Ein sanierter City-Hof wäre die einladendere Geste und der respektvollere Umgang mit unserem baukulturellem Erbe. Die Belange, die in der Drucksache zur Legitimierung der Neubaupläne bemüht werden, sind entweder an den Haaren herbeigezogen oder auch bei einer Sanierung des City-Hofs umsetzbar und rechtfertigen nicht den Abriss des Denkmals.

Marco Alexander Hosemann, per E-Mail

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