Leserbriefe

Briefe an die Redaktion: 5. März 2018

Geld regiert die Welt

3./4. März: Warum gibt es Kriege? Wie sich internationale Konflikte verändern und weshalb die Welt nicht sicherer wird

Dass heute „einzelne Personen“ für die Fragen von Krieg und Frieden wichtiger werden, hat auch damit zu tun, dass den Politikern im Rahmen der globalisierten Wirtschaft der Nationalstaat als Summe der gesellschaftlichen Interessen in seinen Kernzuständigkeiten unter den Händen weitgehend abhanden gekommen ist. Die Eliten streiten sich nun trefflich, aber unversöhnlicher denn je um die restlichen Zuständigkeitsbereiche, wobei die berufsmäßig Unzufriedenen den längeren Atem haben – was jedem Konsens abträglich ist und eher Vergleiche mit dem Raubritter(un)wesen der frühen Neuzeit nahelegt als mit zeitgemäßen Strukturen. Ein Milliardenvermögen ersetzt nun den notwendigen Ritterschlag und gewährleistet den entsprechenden Einfluss auf die Öffentlichkeit.

Wolfgang Degenhard, per E-Mail

Auf ursprüngliche Ideale besinnen

3./4. März: Joschka Fischer fordert ,Neu­grün­dung der EU‘

Die Philosophie von Joschka Fischer beim Thema Europa kann nicht ganz überzeugen. Denn wenn das gemeinsame Projekt gerettet und zukunftstauglich gemacht werden soll, dann bedarf es weniger einer Neugründung als vielmehr, dass man sich auf die ursprünglichen Ideale der Unterzeichner der Römischen Verträge zurückbesinnt, die gerade während der Bewältigung der Euro-Krise von vielen Politikern in Brüssel und in den nationalen Hauptstädten vergessen wurden. Schließlich ging es einstmals vor allem darum, der jungen Generation eine bessere Perspektive als ihren Eltern zu verschaffen, was im Zuge der Stabilisierung der Gemeinschaftswährung an den Finanzmärkten vollkommen konterkariert wurde, als den mediterranen Ländern strikte Sparprogramme auferlegt wurden, die insbesondere in riesigen Kürzungen im Bildungswesen mündeten. Deshalb bedarf es hier in jedem Fall mehr Selbstreflexion.

Rasmus Ph. Helt, Hamburg

Volksverdummung

2. März: HSH-Ver­kauf – ,Nie­mand muss Angst haben‘

Ob ein Glas halb voll oder halb leer ist, liegt im Auge des Betrachters und drückt denselben Zustand in unterschiedlicher Zielrichtung aus. Entsprechend lässt sich sogar die letzte Neige in einem Glas – je nach Betrachtungsweise – noch positiv „vermarkten“. Für die einen ist das Glas bereits leer, für die anderen ist noch etwas drin. So muss man die Aussagen der heutzutage Verantwortlichen im HSH-Debakel beurteilen. Hurra, wir haben eine Milliarde Kaufpreis erzielt. Das klingt wie Erfolg und wird auch so kolportiert. Ist das nun „Beschönigung“, „Verdummung“, oder gar „Lüge“, was uns Politiker und Medien vorgaukeln? Mindestens zehn Milliarden Euro verbleiben den beiden Bundesländern Schleswig-Holstein und Hamburg als Schulden für die Zukunft. Da muss „niemand Angst haben“, man hat in den jeweiligen Haushaltsplänen bereits vorgesorgt und auch die nächsten Etats werden das schon berücksichtigen. Statt die Milliarden in soziale, schulische, städtebauliche Projekte zu investieren, zahlen wir eben Schulden ab. Es ist eine Unverfrorenheit, nein es ist kriminell, wenn uns von allen Seiten eingeredet wird, dass die HSH-Pleite nur ein kleiner Unfall ist, den man „mit Links“ bewältigen kann.

Helmut Stegmann, Wentorf

Volksverdummung?

Wenn der Hamburger Finanzsenator beteuert, dass trotz neuer Milliardenschulden nirgendwo gekürzt werden muss, dann ist das in meinen Augen dreiste Volksverdummung der dreistesten und übelsten Art. Es ist unbestritten, dass das Debakel der HSH-Nordbank die Länder Hamburg und Schleswig-Holstein am Ende zwischen zehn und 15 Milliarden Euro kosten wird. Woher soll dieses Geld kommen, wenn es nicht an anderer Stelle des Haushalts eingespart wird?

Thorsten Thiel, per E-Mail

Kein fairer Wettbewerb

28. Februar: Essener Tafel hält an Aufnahmestopp für Ausländer fest

Das Beschämende ist, dass Einrichtungen wie die Tafeln in Deutschland existieren müssen. Als Liberaler habe ich grundsätzlich kein Problem mit ungleicher Vermögensverteilung. In Deutschland neigen wir aber dazu, Ungleichheit mit mangelnder Fairness zu verwechseln. Doch was wäre fair daran, wenn Fleiß, Talent und Lebensentscheidungen keinen Unterschied mehr machten? Ungleichheit ist damit der Preis der Freiheit. Jedoch gehört zur Freiheit auch die Hoffnung, dass Blut, Schweiß und Tränen durch sozialen Aufstieg belohnt werden. Wenn in unserem reichen Land jedoch 1,5 Millionen bedürftige Menschen bei den Tafeln um abgelaufene Lebensmittel anstehen müssen, scheint das große Aufstiegsversprechen der Sozialen Marktwirtschaft gebrochen zu sein. Zunehmend bestimmen nicht mehr Fleiß und Leistungsbereitschaft, wohin es im Leben geht. Wer vermögende Eltern hat, hat auch eine viel höhere Chance, selbst einmal ein gutes Einkommen zu erzielen. Somit ist der soziale Status nicht mehr das Ergebnis eines fairen, an für alle gleichen Regeln orientierten Wettbewerbs, sondern hängt vom Glück ab, in die „richtige“ Familie hineingeboren zu sein.

Michael Pfeiffer, per E-Mail

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